Die Initiative Druschba-Global blitzte mit Anfragen bei Lokalen im Kreis Ludwigsburg ab. Am Ende waren sie erfolgreich – offenbar, weil nicht mit offenen Karten gespielt wurde.
Die umstrittene Initiative Druschba-Global hat zuletzt beharrlich für einen Vortrag am Sonntag, 18. Januar, im Raum Marbach getrommelt. Der Haken war nur: Bis kurz vor knapp hing am seidenen Faden, ob die Veranstaltung der Russland-Freunde überhaupt stattfinden würde.
Knackpunkt waren die Räumlichkeiten. Wiederholt war ein vermeintlicher Organisator im Vorfeld bei Restaurants abgeblitzt. Erst auf den letzten Drücker konnte die Organisation, der eine gedankliche Nähe zum Kreml nachgesagt wird, Nägel mit Köpfen machen. Man traf sich im Restaurant des SKV Eglosheim. Aber auch das war nur möglich, weil bei der Anmeldung wohl nicht mit offenen Karten gespielt wurde.
Dahinter scheint ein Muster erkennbar. Schon beim TV Marbach landete im Herbst eine Anfrage über Umwege. Dessen Turnerheim war ursprünglich die erste Wahl für die Druschba-Global-Veranstaltung. Über einen Strohmann war das Lokal für den 18. Januar angemietet worden. Der Vorstand des TVM fiel aus allen Wolken, als er spitzkriegte, wer das Lokal unterwandern wollte. Sofort wurde die Reißleine gezogen. Die Wirte lehnten die Anfrage der Initiative ab, deren Gründer für die AfD im Bundestag sitzt.
Als Ernährungsberatung getarnt
Doch im Druschba-Umfeld ließ man nicht locker – und klopfte in der Folge beim Schützenhaus in Erdmannhausen an. Hier schien die Mission erfolgreicher zu enden. Noch am Samstagmorgen lief alles darauf hinaus, dass tags darauf in dem Lokal der Multimedia-Vortrag von einer sogenannten Freundschaftsfahrt nach Russland über die Bühne gehen konnte.
Das Ganze sei irgendwann im Dezember als Veranstaltung zur Ernährungsberatung angemeldet worden, sagt Zdenka Klisovic, die seit fast 30 Jahren das Schützenhaus bewirtet. „Das ist ein Thema, das mich auch interessiert“, erklärt sie. Also schlug sie ein. Doch als die Nachricht durchsickerte, worum es tatsächlich an dem Abend gehen sollte, wurde es hektisch. Hinter den Kulissen glühten die Drähte.
„Die Reservierung lautete auf einen Deutschen Kulturverein, der mit 35 Personen zum Essen im Nebenzimmer kommen will.“
Mario Kreh, Vorsitzender SKV Eglosheim
Am Telefon hing wegen der heiklen Angelegenheit auch der Erdmannhäuser Bürgermeister Marcus Kohler. Er hatte am Samstagmorgen einen Wink von einem Lokalpolitiker aus einer Nachbarkommune bekommen und setzte sich daraufhin mit seinem Marbacher Amtskollegen Jan Trost in Verbindung. Schließlich konfrontierte Kohler die Wirtin des Schützenhauses mit dem, was er erfahren hatte. „Ich habe sie informiert, was hinter der Veranstaltung steckt“, erklärt der Rathauschef. Er habe Zdenka Klisovic zudem klargemacht, dass womöglich mit Gegendemonstranten und einem Polizeiaufgebot zu rechnen sei.
Klisovic hatte am Samstagmorgen in der Angelegenheit aber nicht nur mit Kohler Kontakt. In ihrem Restaurant sei ein Besucher gewesen, der ebenfalls auf die Veranstaltung von Druschba-Global hingewiesen habe. Sie zog die Konsequenzen und sagte die Buchung ab, zumal sie ohnehin gekränkelt habe. „So etwas kann ich nicht brauchen“, sagt sie. Man habe sie hinters Licht geführt mit der Ankündigung, dass der Abend im Zeichen der Ernährungsberatung stehen solle. „Ich habe mir nichts dabei gedacht, wir können gar nichts dafür“, beteuert sie.
Die Polizei schickte am Sonntag eine Streife zum Restaurant, berichtet Klisovic. Doch es sei ruhig geblieben. Von den Druschba-Leuten habe sich niemand blicken lassen.
Die haben sich dafür in Eglosheim im Restaurant des SKV versammelt, wo die Gesellschaft kurzfristig untergekommen ist. Ende vergangener Woche sei die Anfrage beim Pächter eingegangen, sagt Mario Kreh, der Vorsitzende des SKV. „Die Reservierung lautete auf einen Deutschen Kulturverein, der mit 35 Personen zum Essen im Nebenzimmer kommen will. Das wurde vom Wirt natürlich angenommen“, sagt Kreh.
Es sei unmöglich für die Pächter, jeweils zu recherchieren, wer wohl hinter einer Buchung stecken könnte und was genau bei Veranstaltungen passieren wird. „Das hätte jeden Gastronomen treffen können“, betont Kreh.
Initiative bezieht Stellung
Nach mehreren Absagen hat es die Gruppe also doch geschafft, ihr Treffen abzuhalten. Das dürfte nicht zuletzt auf die Hartnäckigkeit von Andreas Roll zurückzuführen sein, bekannt aus der Marbacher Querdenkerszene. Sein Name fällt immer wieder, wenn es darum geht, wer die Buchungen für Druschba-Global angeleiert hat.
Roll selbst macht keinen Hehl daraus, dass er die Anfragen für das Schützenhaus und das Restaurant des SKV Eglosheim gestellt habe. Die Gastronomen seien aber vorher informiert worden, dass es um einen „Russland-Reisebericht“ gehe, auch in Erdmannhausen, wo die Wirtin nach eigenen Angaben einen Vortrag zum Thema Ernährung erwartet hat. Auf seiner Visitenkarte stehe lediglich „etwas Vergleichbares“ zur Kontaktaufnahme, sagt Roll, der als Gesundheitsberater tätig ist.
Der Schützenverein selbst hat nach Angaben des Vorsitzenden Patrick Freiler erst von der ganzen Angelegenheit gehört, „als wir am vergangenen Wochenende von der Polizeibehörde Marbach kontaktiert und zu einer angeblich geplanten Veranstaltung im Schützenhaus des KKSV Erdmannhausen befragt wurden“. Die Gaststätte werde unabhängig vom KKSV vom Pächter betrieben. Freiler streicht aber hervor, dass sich der Verein „ausdrücklich und unmissverständlich von derartigen Veranstaltungen distanziert“.