Der Innenminister Thomas Strobl (CDU) begutachtet bei der Hubschrauberstaffel einen Jammer, mit dem Steuersignale von Drohnen gestört werden können. Foto: Marijan Murat/dpa

Drohnensichtungen an Flughäfen oder über Menschenmengen: Wie gefährlich kann das werden? Und was kann man dagegen tun? Die Polizei gibt Einblicke.

Während der Fußball-Europameisterschaft im vergangenen Jahr habe ein Familienvater in Bad Cannstatt „einen gehörigen Schrecken“ bekommen. Plötzlich hätten vier Polizeibeamte vor ihm gestanden, erzählt Martin Landgraf, der Leiter der Hubschrauberstaffel Baden-Württemberg der Polizei am Standort Stuttgart. Der Mann hatte eine Drohne fliegen lassen, um für seine Kinder das Stadion aus der Luft aufzunehmen. Das hatte die Polizei auf den Plan gerufen, denn so ein Flugobjekt über Menschenmengen ist erstens verboten und zweitens – unter anderem wegen der Absturzgefahr – alles andere als harmlos. „Er wusste das nicht“, sagt Landgraf.

 

Im Land gab es 144 Sichtungen im Jahr 2024. Wobei man vorsichtig sein müsse: „Nicht jede Drohnensichtung, die gemeldet wird, ist auch eine“, sagt der Präsident des Polizeipräsidiums Einsatz, Anton Seile. Vor allem nachts sei es für Laien enorm schwierig, das zu erkennen.

Europameisterschaft in puncto Drohnen war „ein Meilenstein“ für Polizei

Was aber kann die Polizei tun, wenn über Menschenmengen Drohnen ihre Kreise ziehen wie jetzt bei den anstehenden großen Weihnachtsmärkten. „Die Polizei ist handlungsfähig“, betonte der Innenminister Thomas Strobl (CDU), als er am Mittwoch am Stuttgarter Standort der Hubschrauberstaffel über die Zukunft der Drohnenabwehr und Drohnenentdeckung informierte. Zwar ist es in erster Linie die militärische Dimension, die dem Minister Sorge bereitet – und den Anlass bietet, im Land in die Technik zu investieren. Doch der Schutz von Menschenmengen spielt für die Polizei auch eine Rolle.

Bei Einsätzen weißt die Polizei auf die Verwendung ihrer Drohnen hin. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Jede Drohnensichtung beeinträchtigt das Sicherheitsgefühl der Menschen“, sagte Strobl. Wenn nun an einem Ort, der nicht überflogen werden darf, eine auftaucht, dann könne man, wie bei der EM gezeigt, reagieren. Die Polizei hat nicht nur beim Stadion den Mann mit der Drohne ausfindig gemacht, sondern auch zwei Drohnen über dem Schlossplatz abgefangen. Wie genau sie das macht, das verrät sie nicht. Unter anderem werde dafür ein Jammer eingesetzt. Das ist ein Gerät, mit dem Funksignale gestört werden können. Drohnen haben die Werkseinstellung, dass sie gesichert landen oder zu ihrem Startpunkt zurückkehren, wenn sie keine Steuersignale bekommen. Ob und wie das bei der EM genau so gemacht wurde, auch das kommentiert die Polizei nicht. Aber der Innenminister lobt, dass die EM „ein Meilenstein“ für das Thema gewesen sei.

Was die Polizei nicht tut, das sagen Strobl und Landgraf hingegen ganz deutlich: „Abschießen. Wir ballern nicht herum.“ Zum einen sei man hier nicht im Kriegsgebiet, wo das geboten wäre, zum anderen agiere man in einem dicht besiedelten Gebiet. Zudem: Dazu müsste man eine Langwaffe verwenden, was gerade bei einer größeren Menschenansammlung zu Panik führen könnte. Außerdem müsse man bedenken, dass die angeschossene Drohne – so man sie bei Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern erwische – irgendwo auch wieder abstürze. Nicht nur die Teile seien dann gefährlich. Eine Drohne habe einen Akku an Bord, der dann brennen könnte – dann würden nicht nur Teile, sondern auch noch brennende Teile herabfallen.

Das Thema Großveranstaltungen – und aktuell auch die Weihnachtsmärkte im Land – hat die Polizei also auf dem Schirm. Aber sie sagt auch: „Eine vollständige Sicherheit gibt es natürlich nicht.“ Denn überall im Land gleichzeitig könne die Polizei nicht sein. „Wir sind aber handlungsfähig und können was“, sagte Martin Landgraf. Auch wenn er nicht sagen darf, wie viele Jammer die Polizei im Land hat und wo sie stehen.

In das Thema Drohnen stieg die Hubschrauberstaffel laut Strobl 2020 ein. Damals kam der russische Aktivist Alexei Nawalny nach Baden-Württemberg, um sich zu erholen – im Schwarzwald. Zu seinem Schutz wurde die Drohnenentdeckung und Drohnenabwehr aufgenommen, und seither weiterentwickelt. Von 2022 an war der Stuttgarter Standort der Hubschrauberstaffel dann das Trainings- und Kompetenzzentrum Drohnen. Nun firmiert es unter dem Namen Drohnenkompetenz und -abwehrzentrum Baden-Württemberg (D-KAZ BW), um die gewachsenen Ansprüche auch im Namen abzubilden, so Strobl.

Er hoffe auch, dass es in nicht allzu ferner Zukunft auch Polizeidrohnen „made in the Länd“ geben werde – anstelle aktuell eingesetzter asiatischer Produkte. Dazu sei man mit Unternehmen im Austausch. Strobl bezeichnete Baden-Württembergs Polizei als führend bei der Arbeit auf dem Gebiet der Drohnenerkennung und -Abwehr.