Mit Dutzenden Drohmails sollen zwei junge Männer im Herbst 2023 Angst und Schrecken verbreitet haben. Weil sie Bezug zum Gaza-Konflikt nahmen, wirkt die Tat besonders grausam.
Gerade mal vier Wochen waren seit dem Anschlag der Hamas auf das Supernova-Festival in Israel vergangen, dem Auslöser des aktuell noch andauernden blutigen Gaza-Konfliktes, als zwei junge Männer kreuz und quer in der Republik Angst und Schrecken verbreitet haben sollen. Sie schickten laut der Anklage rund 50 Mails an Schulen, Krankenhäuser, kirchliche Institutionen, sogar an die Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen. Durch „Allahu Akbar“-Floskeln und weitere Bezüge zur Hamas hätten sie den Eindruck erwecken wollen, im Namen dieser zu schreiben.
Junge Männer vor Gericht: Drohmails und Cyberkriminalität
Auf der Anklagebank sitzen an diesem Donnerstag zwei junge Männer, 20 und 21 Jahre alt. Keiner von ihnen hat einen Bezug zur Hamas, zu Palästina oder in den Gazastreifen. Der ältere ist aus Hannover, der jüngere Mann aus dem Hohenlohekreis. Sie kannten sich gar nicht aus dem echten Leben, trägt die Staatsanwältin vor, sondern über die Internet-Gruppierung „New World Order“, auf deren Konto eine Reihe von Straftaten im Netz geht. Sie kommunizierten über den Messenger Discord. In der Gruppe sollen sie Taten wie Cybermobbing und sogenanntes Swatting betrieben haben. Dazu zählten massenhafte Pizzabestellungen, aber auch das Auslösen von großen Polizeieinsätzen durch Falschmeldungen – das Swatting. Doch 2023 wurde es noch schlimmer: Der 21-Jährige aus Norddeutschland ist neben dem Verfassen der Drohmails auch wegen der Anstiftung zum Mord angeklagt.
Drohmails schüren Angst in der Bevölkerung
Bei den Mails konnte einem angst und bange werden. Oder, wie es die Staatsanwaltschaft formuliert: Sie konnten zur Störung und Erschütterung des Sicherheitsempfindens der Bevölkerung führen. In den Nachrichten habe gestanden, man habe in der betroffenen Einrichtung mehrere Ladungen hochexplosiven Plastiksprengstoffes verborgen. „Für jeden unschuldig getöteten Palästinenser werden 100 Kinder sterben“, habe darin gestanden. Man werde „ein grausames und gerechtfertigtes Inferno“ verursachen, und wer das überlebe, werde erschossen. Konkrete Forderungen waren mit den Drohnachrichten nicht verbunden.
Auf der Adressliste standen neben Dutzenden anderen Einrichtungen Kinos, Schulen, ein Einkaufscenter in Magdeburg, das Kultusministerium Niedersachsens, der Nürnberger Hauptbahnhof, und die Israelitische Religionsgemeinschaft in Ulm. Beim Versenden saßen die jungen Männer mehrere Hundert Kilometer getrennt voneinander. Der jüngere soll für den Versand ein Skript programmiert haben, der ältere Angeklagte soll ihn angestachelt haben. Beim Versand der Mails teilte der Programmierer seinen Bildschirm, so die Anklage, damit sein Freund sehen konnte, was er tat.
21-Jähriger soll auch noch zwei Männer zum Mord angestiftet haben
Der 21-Jährige wurde am Donnerstag zum Prozess mit Handschellen aus der Untersuchungshaft vorgeführt, während sein Kollege von draußen mit seinem Anwalt kam. Das hat einen Grund, denn er soll noch eine weitere Tat begangen haben: Die Anklage wirft ihm vor, zwei Internetbekanntschaften zum Mord angestiftet zu haben. Opfer sollte ein Mann werden, der eine Beziehung zur Ex-Partnerin des 21-Jährigen geführt haben soll. Er soll 3000 Euro geboten haben, wenn sie ihn umbringen würden. Zu der Tat kam es jedoch nicht.
Das Verfahren wird am 10. Juni fortgesetzt. Dann will sich der 20-Jährige zu seiner Person und zu den Tatvorwürfen äußern.