Neben käuflicher Liebe soll im Leonhardsviertel auch immer stärker mit Drogen gehandelt werden. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Jakobschule, Wirte, Bezirksvorsteherin Kienzle und Immobilienbesitzer fordern angesichts der sich ausbreitenden Drogenszene mehr Polizeipräsenz im Leonhardsviertel in Stuttgart.

Stuttgart - Die Hilferufe wegen der vielen benutzen Drogenspritzen und der ausufernden Drogenszene rund um das Gelände der Jakobschule finden nun erstes Gehör. Am Dienstag trafen sich Vertreter der Stadt, der Schulleitung, der Eltern sowie Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle zu einem konstruktiven Austausch. Unabhängig davon, was dieser runde Tische der Jakobschule in Zukunft bringen wird, machen sich auch Gewerbetreibende im Leonhardsviertel Gedanken über den Zustand des Quartiers. Wohin man auch hört, alle haben denselben Eindruck: Die Verhältnisse hätten sich insgesamt verschlechtert, das Niveau des Publikum habe sich gesenkt, der offene Drogenhandel sowie der Konsum der Drogen habe zugenommen. Die Wirtin der Weinstube Fröhlich, Christina Beutler, hat dafür nur ein Wort: „Furchtbar!“ Auch ein Mitarbeiter des Goldenen Heinrichs winkt nur ab und sagt: „Die Situation hat sich verschlimmert.“ Ein anderer Wirt, der nicht genannt werden will, kann zumindest eines feststellen: „Zwei, drei neue Dealer sind hinzugekommen. Dem Vernehmen nach sind die Dealer der Polizei auch bekannt.“ Auch Manfred Hund, Inhaber des Ingenieurbüros Wilhelm an der Ecke Katharinen-/Jakobstraße sagt: „Die Drogenszene nimmt seit zwei Jahren schlimme Formen an.“

Verhindern Poller Polizeieinsätze?

John Heer, Immobilienbesitzer und Bordellbetreiber, glaubt zu wissen, warum die Lage seit rund zwei Jahren so angespannt ist. „Seit im Viertel die Straßen durch Poller abgesperrt worden sind, hat sich die Lage verschlechtert“, sagt Heer, „denn seit die Poller da sind, fährt die Polizei weniger Streife, weil sie nicht mehr durchkommt.“ Die Polizei habe zwar einen Schlüssel für die Poller, nutze ihn aber nicht. Um seiner These Nachdruck zu verleihen hat Heer zwischen dem 12. Mai und dem 3. Juni an den Freitagen und Samstagen Buch geführt. Von acht Tagen seiner Aufzeichnungen sei an vier keine Streife gesichtet worden. Damit, so Heer, fehle das nötige Abschreckungspotenzial für die Drogenszene.

Kienzle wünscht sich mehr Fußstreifen

Heer geht sogar noch weiter. Er glaube, dass sich die Dealer und Junkies in dem für Autos abgesperrten Gebieten besonders sicher fühlen. Eine Anfrage zu all diesen Themen und Thesen bei Joachim Barich, dem Leiter des Innenstadt-Reviers, blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. Der Poller-These widersprechen jedoch Manfred Hund („Die Poller sind richtig“) und Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle energisch. „Diese These ist doch Humbug.“ Aus ihrer Sicht hätten sich die Pollersperren bewährt. „Seitdem haben wir keinen Cruiserverkehr mehr durch die Freier, die zum Gaffen durch das Viertel gefahren sind“, sagt Kienzle.

Die Polizei lässt jedoch auch sie nicht aus der Pflicht: „Die Polizei hat uns versichert, dass sie mehr tun wolle. Allerdings ist nicht dies nicht sichtbar oder nicht erkennbar, weil es sich womöglich um zivile Streifen handelt.“ Daher wünscht sich Kienzle grundsätzlich mehr Patrouillengänge durchs Viertel.

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