Die Tage der Substitutionspraxis an der Schwabstraße im Stuttgarter Westen sind gezählt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der drohende Kollaps der Stuttgarter Drogensubstitution ist offenbar abgewendet. Die Suchthilfepraxis im Westen, deren Mietvertrag Mitte Dezember ausläuft, hat Ersatzräume gefunden.

Stuttgart - Die akute Gefahr eines Kollapses der Drogensubstitution in der Landeshauptstadt ist offenbar gebannt. Die Gemeinschaftspraxis Schnaitmann, Trein, Schaffert und Beck an der Schwabstraße im Stuttgarter Westen, deren Mietvertrag Mitte Dezember ausläuft, hat offenbar eine neue Immobilie gefunden. Die Fraktionen im Sozialausschuss des Gemeinderats reagierten in der Sitzung am Montag erleichtert.

Hilfe für 220 Substituierte

Wie berichtet, wären etwa 220 ehemalige Heroinabhängige, die in der Praxis zum Teil seit vielen Jahren mit dem Ersatzstoff Methadon behandelt werden, ohne ärztliche Versorgung dagestanden. Zwar hatten sich in der Notlage einige andere Substitutionspraxen, die selbst mehr als voll sind, bereit erklärt, zumindest vorübergehend einen Teil der Patienten zu übernehmen. Das ist nun aber nicht mehr nötig. Der Suchtmediziner Eiko Schnaitmann bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung die Information aus dem Rathaus. „Das ist richtig.“ Sehr viel mehr wollte Schnaitmann aber noch nicht verraten, es seien noch einige Details mit dem neuen Vermieter zu klären. Die neuen Praxisräume befänden sich aber in zentraler Lage in der Stuttgarter Innenstadt.

Allerdings müssen die neuen Räume noch umgebaut und an die Notwendigkeiten einer Substitutionspraxis angepasst werden. Dazu gehören verschiedene Sicherheitsvorkehrungen. Man brauche „eine gewisse Vorlaufzeit etwa bis März“, so Schnaitmann. Deshalb ist man derzeit noch in Verhandlungen mit dem bisherigen Vermieter, dass der jetzige Praxisbetrieb bis zum möglichen Umzug doch noch weitergeführt werden kann.

Klinikum soll sich beteiligen

Damit wäre zwar die akute Notlage in der Drogensubstitution in Stuttgart abgewendet, nicht aber das Grundproblem beseitigt. „Wir haben eine erhebliche Unterversorgung“, sagte Sozialbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) im Ausschuss. „Wir haben knapp 800 Plätze, wir brauchen aber deutlich über 1000.“ Aus Anlass der Gespräche über eine Ersatzlösung für die Praxis im Westen habe er auch dies mit Johannes Fechner, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg, besprochen, so Wölfle. Er habe vorgeschlagen, dass das Klinikum der Stadt in die Drogensubstitution einsteigt und dabei gleichzeitig einen Beitrag zur Ausbildung von dringend gesuchten neuen Suchtmedizinern leistet. Dies aber setze voraus, dass das Klinikum für diese neue Aufgabe einen Kassensitz erhält, um diese Leistung auch abrechnen zu können. Wölfle: „Ich hoffe, dass dies gelingt.“

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