Drogenschmuggel von Bulgarien nach Spanien: Zwei Kuriere sind in Stuttgart verurteilt worden. Foto: dpa

Mit zehn Kilo Heroin im Rucksack wollten zwei Bulgaren von Sofia nach Madrid reisen. In Stuttgart war Schluss. Jetzt hat das Landgericht Stuttgart die zwei Männer zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.

Stuttgart - Sieben Jahre und drei Monate Gefängnis – so lautet das Urteil der 7. Strafkammer gegen zwei Bulgaren, die des Heroinschmuggels für schuldig befunden worden sind. Die 27 und 29 Jahre alten Männer waren im Oktober vorigen Jahres von Zollbeamten am Busbahnhof in Stuttgart-Obertürkheim festgenommen worden. Der Ältere hat vor Gericht überraschenderweise noch weitere Drogenfahrten gestanden. Der 27-Jährige hat dagegen bis zuletzt bestritten, von den zehn Kilogramm Heroin gewusst zu haben.

Dem Zoll waren die zwei Männer, die sich seit ihrer Kindheit kennen und die in Sofia eine Autowaschanlage betreiben, am 9. Oktober 2015 aufgefallen. Damals kontrollierten die Beamten in Obertürkheim einen Fernbus, der auf dem Weg nach Madrid Zwischenstation machte. Ein Rucksack konnte erst keinem der Fahrgäste zugeordnet werden. Doch der geübte Blick der Zollbeamten trog nicht – das Gepäckstück gehörte den völlig unbeteiligt herumstehenden Männern.

Marktwert der Drogen liegt bei 500 000 Euro

In dem Rucksack befanden sich mehrere Päckchen Heroin von sehr guter Qualität: knapp zehn Kilogramm mit einem Marktwert von mindestens 500 000 Euro. Der 29-jährige Angeklagte gab vor Gericht zu, von einem alten Kumpel in Sofia angeheuert worden zu sein. Bei diesem Hintermann hatten die zwei Angeklagten Schulden, die bei erfolgreicher Mission getilgt sein sollten. Zudem sollte das Duo jeweils 1500 Euro bekommen. Also habe er seinen Freund gefragt, ob er mitmache, so der 29-Jährige. Allerdings habe sein Mitangeklagter geglaubt, man transportiere Geld in dem Rucksack, schätzungsweise 15 000 Euro. „Sonst hätte ich da nie mitgemacht“, beteuerte der 27-Jährige vor der 7. Strafkammer.

Rainer Gless, Vorsitzender Richter der 7. Kammer, und seine Kolleginnen und Kollegen nahmen dem Mann diese Geschichte nicht ab. Die beiden Kuriere seien von dem Hintermann mit je 1000 Euro Spesen, mit Handys und Ausweisen ausgestattet worden. Dazu wären noch je 1500 Euro Kurierlohn gekommen, so Gless. „Mehr als 5000 Euro Kosten für den Transport von 15 000 Euro? Das ergibt keinen Sinn“, so der Richter. Spätestens zwischen Sofia und Budapest hätten die Männern einzelne Päckchen aus dem Rucksack genommen. Und spätestens da müsse der 27-Jährige gewusst haben, was er transportierte. Die Richter mutmaßen, der 27-Jährige habe schlicht Angst vor den Hintermännern.

1,2 Kilo Heroin im Körper geschmuggelt

Für eine Überraschung sorgte der 29 Jahre alte, von Verteidiger Stefan Schnerr vertretene Bulgare. Er berichtete von weiteren Schmuggelfahrten. So habe er im Oktober 2013 acht Kilo und im Juni 2014 zehn Kilo Rauschgift transportiert. Außerdem habe er mit einem Komplizen namens P. bei zwei Touren insgesamt 250 000 Euro Drogengeld aus Madrid abgeholt. Ein Kripobeamter umriss im Zeugenstand die Dimension des Rauschgiftverkehrs. Er berichtete, ein weiterer Hintermann namens P. sitze derzeit wegen eines 60-Kilo-Heroinschmuggels im Gefängnis.

Dabei wird der Fernbus als Transportmittel bei Drogenkurieren offenbar immer beliebter. Dieser neue Verkehrsweg sei attraktiv, denn Reisen mit Fernbussen seien leicht zu buchen, unauffällig, schnell und vor allem günstig, sagen die Experten vom Zoll. Anfang März fingen Zollfahnder einen 31-Jährigen an der Autobahn bei Wendlingen im Kreis Esslingen ab, der 1,2 Kilo Heroin im Körper transportierte. Der Mann saß in einem Fernbus von Amsterdam nach München. In Tübingen wurde ein Mann mit 5600 Ecstasy-Pillen in einem Fernbus geschnappt. Und im Busterminal am Flughafen Stuttgart stellten Beamte des Hauptzollamts am Körper zweier Männer 850 Gramm Haschisch sicher.

Der geständige 29-jährige Angeklagte hat sich durch seine Aussage vor der 7. Strafkammer einen Strafrabatt verdient. Deshalb wurde er, obwohl er als Hauptangeklagter galt, nicht härter bestraft als der 27-Jährige, der bei seiner Schwarzgeld-Version geblieben war.

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