Ein Trio aus dem Kreis Böblingen steht vor dem Stuttgarter Landgericht wegen Drogenhandels. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Im Prozess um schwunghaften Drogenhandel am Landgericht räumen zwei Männer aus Sindelfingen und Schönaich ein, teils kiloweise Marihuana in ihren Wohnungen gelagert zu haben.

Am zweiten Tag im Prozess um Drogenhandel im großen Stil am Landgericht Stuttgart haben zwei der drei Angeklagten über ihre Verteidiger Teilgeständnisse abgelegt. Der Hauptangeklagte wollte sich zu den Tatvorwürfen noch nicht äußern, gegen ihn läuft derzeit noch vor einer Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts parallel ein Prozess wegen versuchten Mordes.

 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio aus Sindelfingen und Schönaich schwunghaften Drogenhandel vor. Es geht um drei Tatvorwürfe zwischen Oktober vergangenen und Januar dieses Jahres, allein dabei soll der 28-jährige Hauptangeklagte durch den Verkauf von Kokain, Marihuana und Haschisch mehr als 300 000 Euro erlöst haben. Ein 27-Jähriger soll an zwei Taten beteiligt gewesen sein, ein 39 Jahre alter Mann soll zu einer Tat Beihilfe geleistet haben.

Ein Angeklagter hat selbst Marihuana angebaut – mit mäßigem Erfolg

Der 39-Jährige, dem es gesundheitlich nicht gut ging, räumte ein, dass die Tatvorwürfe bezüglich des Marihuanas stimmen würden. Kokain habe er jedoch nur für den Eigenbedarf gekauft. Der 27-jährige Angeklagte erklärte, er sei im Juni vergangenen Jahres in eine Wohnung in der Maulbronner Straße in Sindelfingen gezogen, die sein Bruder angemietet habe. Er habe nach seiner Haftentlassung dort Marihuana anbauen wollen, weil dies legalisiert worden sei. Zu diesem Zweck habe er sich im Internet ein sogenanntes Grow-Zelt gekauft und unter diesem vier Pflanzen angebaut und abgeerntet. Die Qualität sei mittelmäßig gewesen.

Als der 28-jährige Hauptangeklagte ihn gefragt habe, ob er diese Wohnung zur Lagerung von Drogen nutzen dürfe, habe er zugestimmt. Dafür habe er pro Monat 800 Euro erhalten. „Mir war klar, dass es um Marihuana und Kokain geht“, erklärte Verteidiger Achim Wizemann für seinen Mandanten. Er habe auch kleinere Drogenmengen an Kunden des 28-Jährigen übergeben und von diesem Geld entgegengenommen. In der Wohnung sei er dem Hauptangeklagten nur selten über den Weg gelaufen, da er selbst regelmäßig in der Schweiz zu Vorstellungsgesprächen gewesen sei. Im Dezember vergangenen Jahres habe er das Grow-Zelt abgebaut, da sein Bruder die Wohnung anderweitig vermieten wollte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-jährigen Hauptangeklagten vor, Anfang Oktober vergangenen Jahres einem Komplizen auf einem Parkplatz in Sindelfingen ein Kilogramm Kokain übergeben zu haben, das dieser zu einem Kunden nach Ulm bringen sollte. Dieser sollte dafür 29 500 Euro bezahlen. Als der Kurier rund eineinhalb Stunden später in Ulm ankam, wurden er und der Käufer festgenommen, da Letzterer von der Polizei observiert worden war.

Kiloweise Marihuana und Kokain vertickt

Zudem sollen der 28-Jährige und der 27-Jährige die Wohnung in der Maulbronner Straße in Sindelfingen als Bunker für Rauschgift genutzt haben und dort rund 2,6 Kilogramm Haschisch in Blöcken und 360 Gramm Marihuana aufbewahrt haben. Weitere knapp 200 Gramm Haschisch sowie vier Kilogramm Kokain seien in einem Mietwagen versteckt gewesen. Das Kokain sei für 120 000 Euro an einen unbekannten Abnehmer verkauft worden.

Schließlich habe der 39-Jährige ein Kilogramm Kokain und knapp zwei Kilogramm Marihuana in seiner Wohnung in Schönaich aufbewahrt. Diese habe er Mitte Januar dieses Jahres in eine Tasche gepackt und habe diese in den Mietwagen des Hauptangeklagten gelegt. Dieser sei anschließend mit dem 27-Jährigen nach Böblingen gefahren. Dort wurden sie von der Polizei gestoppt und festgenommen, da gegen den 28-Jährigen ein Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen gewesen war.

Für diesen Prozess sind fünf weitere Verhandlungstage angesetzt, das Urteil soll am 23. Dezember verkündet werden.