Cannabis gilt als Partydroge – und wird besonders von Jugendlichen konsumiert Foto: dpa

Das Konsumverhalten von illegalen Drogen verändert sich bei Jugendlichen: Waren vor einigen Jahren noch Opiate auf Platz eins, ist es heute mit weitem Abstand Cannabis. Der Geschäftsführer der Beratungsstelle Release plädiert dennoch für eine Legalisierung.

Stuttgart - Eine ungebrochen hohe Nachfrage nach Beratung und eine Veränderung des Drogenkonsums – das beobachtete die Drogenberatungsstelle Release im vergangenen Jahr. Die Zahl der Klienten im Jugendbereich ist stark gestiegen, die Droge Cannabis ist auf dem Vormarsch.

Release bietet Beratung und Hilfe bei Drogenproblemen an und ist an vier Standorten in Stuttgart vertreten. Fünfundzwanzig Mitarbeiter kümmern sich um die Prävention, die Jugendberatung und die Drogenberatung von Erwachsenen. Hinzu kommt eine eigene Tagesklinik. Genau 2160 Personen wurden von Release im vergangenen Jahr 2014 erreicht. „Schon seit Jahren liegt diese Marke bei uns konstant über 2000. Und fast drei von vier Menschen kommen mehrfach und lassen sich auf Gespräche ein“, sagt Geschäftsführer Ulrich Binder. 69 Prozent der Personen haben 2014 die Beratung planmäßig beendet. „Das ist eine tolle Erfolgsquote.“

Cannabis hat Image der Partydroge

Augenfällig verändert haben sich in den letzten Jahren die Hauptdiagnosen. Spielten vor etwa zehn Jahren Opiate noch die größte Rolle, geht die Tendenz nun ganz klar in Richtung Cannabis- und Amphetaminkonsum. Bei 53 Prozent der erwachsenen Klienten lag im vergangenen Jahr eine Abhängigkeit von Cannabinoiden vor. Bei Jugendlichen unter 21 Jahren liegt die Zahl des Missbrauchs von Cannabis bei 43,4 Prozent und damit weit vor dem Alkoholmissbrauch, der bei 10,4 Prozent der Klienten diagnostiziert wurde. „Cannabis steht mit großem Abstand an erster Stelle der illegalen Drogen. Das liegt sicherlich auch am Image der Droge als Partydroge“, sagt Binder. „Außerdem spielen gesellschaftliche Veränderungen mit herein. Alles wird schneller und hektischer, der Leistungsdruck steigt“, so der Release-Geschäftsführer.

Die Drogenberatungsstelle Release hat auf die Entwicklung reagiert und das Frühinterventionsprogramm bei erstauffälligen Drogenkonsumenten (Fred) für junge Cannabiskonsumenten ins Leben gerufen. Die Nachfrage ist ungebrochen und lag im vergangenen Jahr bei 144 Personen. Auch ein Partydrogenprojekt läuft seit Januar.

Geschäftsführer für Legalisierung von Cannabis

Ulrich Binder plädiert für eine Legalisierung von Cannabis. „Ein legaler Zugang heißt aber nicht Freigabe. Man sollte Cannabis aus dem Betäubungsmittelrecht streichen und Altersfreigaben, Mengenbegrenzungen und Kontrollen der Inhaltsstoffe einführen.“ Der Fachmann befürchtet, dass der europäische Drogenmarkt von Mexiko aus gefüttert wird, weil der US-Bundesstaat Kalifornien den Konsum der Droge zu medizinischen Zwecken neuerdings erlaubt.

Die allermeisten Konsumenten griffen schon im Jugendalter zur Droge. Für sie gibt es die Beratungsstelle Release U21 seit zehn Jahren; in diesen Zeitraum haben sich alle wichtigen Kennziffern verdreifacht. Die Zahl der Klienten ist von 227 auf 624 Personen angestiegen. Außerdem fanden in 2014 230 Präventionsveranstaltungen mit Schulklassen statt. „Wir sind auf Dauer überlastet und hoffen auf die Finanzierung einer weiteren Stelle durch die Stadt“, so Binder.

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