Durch das Schnupfen von Kokain wird der Körper auf eine höhere Leistungsfähigkeit eingestellt. Allerdings wird ihm keine Energie durch das Kokain zugeführt, vielmehr werden seine Kraftreserven verbraucht. Foto: dpa

Kiffen, schlucken oder spritzen: In Deutschland werden ordentlich Drogen konsumiert. Für immer mehr Bundesbürger endet dies tödlich, wie aus dem aktuellen Bericht der Bundesdrogenbeauftragten hervorgeht.

Berlin - Heroin ist die Droge der Verzweifelten. Sie verspricht einen Flug voller Wonne und Wärme und sorgt gleichzeitig für den tiefsten Fall. Wie tief man fallen kann, zeigt die Bundesregierung ein Mal im Jahr. In einer Pressekonferenz stellt die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) die aktuelle Zahl der Drogentoten vor. Wir zeigen, welche Drogen die Polizei am häufigsten sicherstellen musste – und wie sie wirken.

b>Wie wirkt Heroin?

Heroin

Heroin gehört zu den Opioiden. Das sind synthetisch hergestellte Substanzen, die eine morphinähnliche Wirkung haben. Heroin ist das bekannteste halbsynthetische Opioid. Wirkung Heroin dockt an den Opiatrezeptoren im zentralen Nervensystem an, die normalerweise von den Endorphinen – das sind körpereigene Opioide – besetzt werden. Opiatrezeptoren befinden sich an vielen Stellen des Gehirns. Eine Aktivierung dieser Rezeptoren mindert in erster Linie das Schmerzempfinden. Heroin bewirkt gleichzeitig entspannende und euphorisierende Gefühle. Es dämpft die geistige Aktivität und beseitigt unangenehme Empfindungen wie Angst, Unlust und Gefühle der Leere.

Risiko Eine akute Überdosierung mit Heroin hat einen Atemstillstand zur Folge, der tödlich endet, wenn nicht sofort beatmet wird und Gegenmittel verabreicht werden. Der Spielraum zwischen der berauschenden und der tödlichen Dosis ist sehr eng. Hinzu kommt die schnelle Toleranzentwicklung: Es muss immer mehr Heroin konsumiert werden, um die gleiche Wirkung zu spüren. Abhängigkeit Wird Heroin häufiger konsumiert, kann sich rasch eine sehr starke körperliche und psychische Abhängigkeit entwickeln. Die Heroinabhängigkeit gilt als eine der schwersten überhaupt. Manche Abhängige können auch nach mehrfachen Therapieversuchen nicht ohne Heroin auskommen.

Wie wirkt Kokain?

Kokain

Kokain wird aus den Blättern des Coca-Strauchs (Erythroxylum coca) hergestellt. Die Blätter enthalten etwa ein Prozent Kokain. Durch ein chemisches Verfahren wird daraus Kokainhydrochlorid gewonnen. Die häufigste Konsumform ist das Sniefen des pulverförmigen Kokainhydrochlorids. Wirkung Kokain beeinflusst die Funktion körpereigener Neurotransmitter im Gehirn und stimuliert sehr stark das zentrale Nervensystem. Man fühlt sich wacher, aufmerksamer, die Stimmung hebt sich. Der Körper wird insgesamt auf eine höhere Leistungsfähigkeit eingestellt. Allerdings wird ihm keine Energie durch das Kokain zugeführt, vielmehr werden seine Kraftreserven verbraucht.

Risiko Problematisch ist, dass sich der Körper schnell an die Droge gewöhnt – das heißt, man muss immer mehr konsumieren, um die gleiche psychische Wirkung zu erzielen. Bei erhöhten Dosen nehmen die Risiken deutlich zu: Es kommt zu Krampfanfällen, einem Kreislaufkollaps – auch Kokainschock genannt. Auch besteht die Gefahr eines Herzinfarkts: In einer Studie an der Universität Buffalo, USA, hat man sogar herausgefunden, dass jeder vierte nicht tödliche Herzinfarkt bei jüngeren Menschen (18 bis 45 Jahre) auf den Konsum von Kokain zurückzuführen war. Abhängigkeit Kokain wird ein sehr hohes Abhängigkeitspotenzial zugesprochen.

Wie wirkt Marihuana?

Marihuana

Die Cannabispflanze enthält bis zu 66 verschiedene Substanzen namens Cannabinoide, darunter der wichtigste Stoff Tetrahydrocannabinol (THC). Er hat eine euphorisierende und psychoaktive Wirkung. Ein zweiter wichtiger Wirkstoff ist das Cannabidiol (CBD). Der Gegenspieler des THC wirkt antipsychotisch.

Wirkung Das Gehirn produziert Stoffe, die den Cannabinoiden ähnlich sind. Somit finden THC und CBD im Körper passende Andockstellen, sogenannte Rezeptoren, an die sie sich heften können. Die Droge kann gute Laune bis hin zu Euphorie erzeugen. Ein maßvoller Konsum kann auch medizinisch genutzt werden: Denn die Rezeptoren, an die sich die Cannabis-Wirkstoffe binden können, sitzen an den Orten im Gehirn, wo Angst, Schmerz oder Stress erzeugt werden. Diese Gefühle kann Cannabis mindern. Risiko Zwar leidet die Hirnleistungsfähigkeit mit zunehmender Dauer und Intensität des Konsums. Wer aber mit dem Kiffen aufhört, wird mit rasch sich erholenden Hirnleistungen belohnt. Problematisch ist, dass die Pflanzen heute drei- bis fünfmal mehr THC enthalten als vor 50 Jahren. Im Extremfall kann dies bei herzgeschädigten Personen zu Herzrhythmusstörungen, selten zum Tode führen. Auch die Suizidgefahr kann durch den Konsum von Cannabis steigen. Abhängigkeit Bei einem dauerhaften Konsum ist eine psychische Abhängigkeit möglich.

Wie wirkt Speed?

Amphetamin

Die synthetische Droge Amphetamin wird auch als Speed oder Pep bezeichnet. Das weiße bis gelbliche Pulver ist in der Regel ein Mix aus verschiedenen psychoaktiv wirkenden Stoffen.

Wirkung Amphetamine greifen in das Belohnungszentrum des Gehirns ein. Der Körper wird kurzfristig auf eine erhöhte Leistungsfähigkeit eingestellt. Diese Eigenschaft macht Amphetamine als Dopingmittel für Leistungssporttreibende so interessant. Amphetamine führen dem Körper allerdings keine Energie zu. Vielmehr wirken sie wie eine Peitsche auf ein müdes Pferd, indem sie die Energiereserven des Körpers ausbeuten. Risiko Wer zu viele Amphetamine zu sich nimmt, wird extrem nervös oder erleidet sogar einen Krampfanfall. Treibt man gleichzeitig viel Sport, kann das die Körpertemperatur gefährlich in die Höhe treiben: Ein Hitzschlag ist die Folge, oft gepaart mit einem Kreislaufkollaps. Es besteht auch das Risiko für einen Schlaganfall und Herzinfarkt. Auch entwickeln sich Psychosen: Wer ständig und über lange Zeit hinweg Amphetamine schluckt, bildet Stereotypien aus. Beispielsweise kommt es zu wiederholenden Handlungen wie ständige Mümmelbewegungen am Mund.

Abhängigkeit Amphetamine haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Doch nicht jede Person spricht in der gleichen Weise darauf an.

Wie wirken Legal Highs?

Legal Highs

Ldegal Highs werden meist als Räuchermischungen, Badesalze oder Reiniger verkauft, um rechtliche Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes oder des Arzneimittelgesetzes zu umgehen. Sie werden als Pulver, Tabletten, Kräuter oder Kapseln angeboten. Diese Produkte enthalten häufig synthetische Cathinone, die mit dem Amphetamin eng verwandt sind. Im Internet werden zudem sogenannte Research Chemicals vermarktet. Diese Produkte enthalten nach Angaben der Händler synthetische Substanzen in ihrer Reinform.

Wirkung Meist ähneln Legal Highs in ihrer Wirkung Cannabis, Ecstasy oder Amphetamin. Eine genaue Beschreibung der Wirkung von Legal Highs ist aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Substanzen allerdings nicht möglich.

Risiken Eine abschließende Einschätzung der Risiken und Langzeitfolgen des Konsums ist aufgrund der Studienlage nicht möglich. 2011 wurde in Deutschland eine Online-Umfrage zum Thema durchgeführt. Darin gaben Konsumentinnen und Konsumenten auch unerwünschte Wirkungen an wie Herzrasen, Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen, Übelkeit, Angstzustände, Magenschmerzen, Muskelkrämpfe und Bewusstlosigkeit. In Einzelfallstudien wurde zudem von Herzinfarkten, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen und Psychosen berichtet.

Wie wirkt Crystal Meth?

Crystal Meth

Crystal oder Crystal Meth ist der Szenename für Methamphetamin, ein vollsynthetisches Stimulans, das 1934 entwickelt und als Medikament bis in die 1980er Jahre vertrieben wurde. In der Regel wird Methamphetamin gesnieft, also durch die Nase gezogen. Die Droge kann aber auch geschluckt, geraucht und gespritzt werden.

Wirkung Methamphetamin wirkt ähnlich wie Amphetamin – ist aber stärker und der Rausch von längerer Dauer. Teils kann er 16 Stunden betragen. Methamphetamin greift im Hirnstoffwechsel der Neurotransmitter Serotonin und Dopamin ein. Das hat zur Folge, dass der Konsument euphorisiert ist und weder Hunger noch Müdigkeit verspürt. Man fühlt sich kreativer und geistig fitter. Risiko Studien zeigen, dass der Langzeitkonsum von Methamphetamin zu massiven körperlichen und psychischen Schäden führen kann: Die ständige Erregung, gepaart mit Schlaf- und Nahrungsmangel führt zur totalen Erschöpfung. Körperliche Folgen sind Hautentzündungen, starker Juckreiz, Mundfäule und Zahnausfall sowie Herzrhythmusstörungen. Gefährlich wird es, wenn Meth­amphetamin in eine freie Base umgewandelt wurde – „Ice“ genannt – und geraucht wird: Häufig kommt es zur Überdosis. Abhängigkeit Methamphetamine machen schnell psychisch abhängig. Zudem gewöhnt sich der Körper – ebenso wie bei Speed und Kokain – sehr schnell an die Droge.

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