Die Abläufe im Verein werfen derzeit mehr Fragen auf, als beantwortet werden. Foto: Pixabay/planet_fox

Der DRK-Ortsverein in Grafenau war wochenlang vom Dienst abgemeldet. Die Begründung des Kreisverbands bleibt vage. Dem Vernehmen nach gab es interne Spannungen und persönliche Fehden.

Vier Wochen – etwa so lange war der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Grafenau im September und Oktober abgemeldet. Auch beim tödlichen Verkehrsunfall zwischen Dätzingen und Schafhausen Ende September durfte die ehrenamtliche Helfergruppe trotz ihrer Nähe zum Einsatzort nicht ausrücken, hört man aus Kreisen des Ortsvereins. Angeordnet hatte diese Abmeldung der DRK-Kreisverband. Zu den Gründen bleibt Lutz Selle, Sprecher des Kreisverbands, vage. Es ist von „Veränderungen in der Personalsituation“ die Rede, die den Ortsverein wohl vorübergehend lahmlegten. Einsätze seien in dieser Zeit aufgrund eben dieser personellen Umstrukturierungen „fachlich nicht zu vertreten“ gewesen.

 

Doch vieles spricht dafür, dass hinter diesen sachlich klingenden Worten mehr steckt. Denn wenn man mit ehemaligen und aktuellen Vereinsmitgliedern spricht, wird von außerordentlichen Kündigungen berichtet, von persönlichen Fehden, die sich zwischen der Spitze des Kreisverbandes und verschiedenen ehemaligen Mitgliedern des Ortsvereins abspielen, ja, sogar von Kündigungsschutzklagen, die bereits eingeleitet wurden. Wohl auch deshalb hält man sich seitens des Ortsvereins mit öffentlichen Äußerungen sehr zurück, will lieber im Hintergrund bleiben.

„Ich fände es schön, wenn endlich ein bisschen Ruhe einkehren würde“

Eigentlich hatte sich das Blatt für den Ortsverein Grafenau vor gut fünf Jahren gewendet, als Christian Altendorf dort die Bereitschaftsleitung übernahm. Nachdem der Verein kurz zuvor vor dem Aus stand, erlebte er unter Altendorfs Führung einen Aufschwung. Erst Anfang dieses Jahres berichtete man dort noch von einer steigenden Bereitschaft der Helfer – wuchs die Zahl der Mitglieder schließlich rasant von drei auf 24. Auch die Ausrüstung wurde modernisiert und der Fuhrpark erneuert.

Von dieser positiven Stimmung scheint nun, Ende des Jahres, nicht mehr viel übrig zu sein. Insbesondere zwischen Altendorf und dem Geschäftsführer des Kreisverbandes scheint es Spannungen zu geben. „Das wirkt für mich wie eine persönliche Agenda, wie ein persönlicher Feldzug“, sagt ein Mitglied des Ortsvereins Grafenau dazu unserer Zeitung, das aus Sorge vor personellen Konsequenzen lieber anonym bleiben möchte. „Ich fände es schön, wenn endlich ein bisschen Ruhe einkehren würde.“

Ortsverein Grafenau „wieder vollwertig im Einsatz“

Dass die Helfergruppe des Ortsvereins Grafenau im Herbst nicht zum tödlichen Verkehrsunfall bei Grafenau gerufen wurde, beschäftigt manche noch immer. Ein ehemaliges Mitglied berichtet: „Meine Kollegin und ich waren zum Zeitpunkt des Unfalls nur ungefähr 200 Meter von der Unfallstelle entfernt und sind nicht alarmiert worden, obwohl wir innerhalb einer Minute hätten da sein können.“

Doch warum genau blieb die Alarmierung aus? Die Erklärung des Kreisverbandes: „Aufgrund von Veränderungen in der Personalsituation des DRK-Ortsvereins Grafenau und dessen Bereitschaft konnte nicht gewährleistet werden, dass ein Ausrücken in der vorgegebenen Alarmzeit möglich ist“, so DRK-Pressesprecher Lutz Selle. Daher habe man die Nachbareinheiten alarmiert.

Die ehrenamtliche Versorgung auf dem Gebiet Grafenau sei während der vierwöchigen Abmeldung des DRK-Ortsvereins „durch eine Vertretungsstruktur mit umliegenden Bereitschaften“ sichergestellt worden, versichert Selle. Auch die hauptamtliche Notfallrettung sei zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt gewesen.

Beim Ortsverein hat es inzwischen neue Entwicklungen gegeben. „Der DRK-Ortsverein Grafenau ist wieder voll aktiv“, sagt Selle. Seit dem 24. Oktober sei die ehrenamtliche Helfer-vor-Ort-Gruppe des DRK-Ortsvereins Grafenau „wieder vollwertig im Einsatz“. Also alles wie gehabt? Nicht ganz. Denn einige bekannte Gesichter fehlen.