Wolfgang Hesl ist der neue Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuz im Böblinger Kreisverband. Er will die Altenheime ausbauen und mit seinem Verband in die Familienbildungsarbeit sowie die Kinderbetreuung einsteigen.
Seit acht Monaten ist Wolfgang Hesl im Amt. Und hat in dieser Zeit schon viel angestoßen. Der 43-Jährige ist der neue Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuz in Böblingen. Der Bayer mit dem sympathischen Akzent strahlt Dynamik aus. „Ich möchte etwas bewegen“, sagt er.
Geplant sind bisher: die Digitalisierung der Verwaltung bis Ende des Jahres, der Bau zweier neuer Altenpflegeheime im Kreis Böblingen sowie eines Kindergartens – vorbehaltlich der Zustimmung der jeweiligen Gemeinderäte. Außerdem möchte das DRK in die Familienbildungsarbeit einsteigen: Eltern-Kind-Gruppen, Pekip-Kurse, sowie Treffpunkte für Familien schaffen. „Das sind alles Aufgaben, die an uns herangetragen werden“, sagt Hesl.
Neue Angebote für neue Zielgruppen
Das Rote Kreuz sei da, um sich um die Menschen zu kümmern. „Und wenn sich die Gesellschaft ändert, müssen wir unsere Angebote anpassen und ausweiten.“ Während der Pandemie habe es viele Anfragen von Familien gegeben, die in der Situation überfordert waren. Diesen möchte man jetzt mit den neuen Angeboten eine Anlaufstelle bieten. „Überall dort, wo die Ortsverbände des DRK miteinsteigen.“
Wolfgang Hesl stammt aus Regensburg. Studiert hat er Sozialpädagogik und Religionspädagogik. Er war einige Zeit Geschäftsführer des katholischen Wallfahrtsorts Altötting, dann Kreisgeschäftsführer des DRK im bayrischen Kehlheim.
In Böblingen nun hat er dreimal so viele Hauptamtliche unter sich wie zuvor in Kehlheim. 1200 Mitarbeiter beschäftigt das DRK im Kreis Böblingen: in seinen elf Altenpflegeheimen, im ambulanten Dienst, im Rettungsdienst, in der Wohnberatung. Hinzu kommen 2500 Ehrenamtliche in 24 Ortsvereinen und 22 000 Fördermitglieder. 71 Millionen Euro beträgt das Budget des Verbands pro Jahr.
Der Kreisverband wird umstrukturiert
Am Roten Kreuz fasziniert den gläubigen Katholiken dessen Offenheit und Vielfalt. „Egal welche Nationalität, Religion oder Herkunft – wir sind für alle da. Und wir sind überall auf der Welt aktiv.“
Die Größe des DRK Böblingen und die „Qualität seiner Arbeit“ haben den Bayern ins Schwabenland gezogen. „Ich habe mich ausführlich informiert über den Böblinger Kreisverband und eigentlich nur Positives gehört“, sagt Hesl. Ausschlaggebend sei für ihn gewesen, dass man hier offen sei für neue Konzepte und Weiterentwicklungen.
Offen sind die Mitarbeiter auch für die Umstrukturierung, die der Geschäftsführer nun vornimmt: weg vom Bereichsdenken hin zum Gedanken, „dass wir ein großes Sozialunternehmen sind“. Dazu bindet er die Führungskräfte der verschiedenen Bereiche enger zusammen. Sie sollen voneinander profitieren. „Der Rettungsdienst hat ein sehr gutes Ausbildungsprogramm. Das können sich auch die Altenheime anschauen. Und die Heime haben eine gute Vermarktungsstrategie, die wir auch in andere Arbeitsbereiche übernehmen können“, skizziert Hesl sein Konzept.
Altenheime werden ausgebaut
Ausbauen will er vor allem den Bereich der Altenpflege, wo das DRK mit heute elf Einrichtungen schon bisher der größte Heimträger im Landkreis ist. Sowohl in Holzgerlingen als auch in Magstadt ist der Bau eines zweiten Heims geplant. In Magstadt möchte das DRK zudem eine Kindertagesstätte eröffnen, die dann mit dem Altenpflegeheim kooperiert – eine völlig neue Konzeption wäre das. „Mit dieser Idee gehe ich aber zunächst in den Gemeinderat, der darüber entscheiden muss.“ Der Bedarf an Pflegeplätzen sei nach wie vor riesig, sagt Wolfgang Hesl.
Wie will er angesichts des enormen Fachkräftemangels genügend Mitarbeiter für die Heime finden? „Das ist eine Herausforderung“, sagt Hesl. Er setzt aber auf „das DRK als Marke“, die tarifliche Bezahlung und vor allem „die Wertschätzung unserer Mitarbeiter durch Kleinigkeiten wie Weihnachtsgeschenke und gemeinsame Feste“.
Noch wohnt Hesls Familie mit drei kleinen Kindern im bayrischen Kehlheim. Er selbst hat eine kleine Wohnung in Sindelfingen bezogen und pendelt am Wochenende nach Hause. Sobald er ein geeignetes Haus gefunden hat, soll die Familie allerdings nachkommen. Für seine Söhne sei sowieso das Wichtigste, dass der Papa eine Arbeit mit Blaulichtfahrzeugen habe. Und davon gibt es glücklicherweise beim DRK im Kreis Böblingen jede Menge.
1200 Hauptamtliche, 2500 Ehrenamtliche
Hauptamtliche
Der Verband des DRK im Kreis Böblingen hat vier Tochtergesellschaften: je eine als Trägerin für die Altenpflegeheime, eine für den Rettungsdienst, eine für den Krankentransport und einen für die Sozialen Dienste. 1200 Menschen sind in diesen Gesellschaften hauptamtlich beschäftigt. Das DRK bildet jährlich 20 Rettungssanitäter sowie 50 Pflegekräfte aus. Neuerdings auch Personal für die Verwaltung.
Ehrenamt
In 24 Ortsvereinen sind die Ehrenamtlichen engagiert. Ihr Aufgabenportfolio ist vielseitig. Viele engagieren sich bei Festen und Veranstaltungen im Sanitätsdienst. In Sindelfingen gibt es eine Rettungshundestaffel, in Herrenberg eine Tafel mit Lebensmitteln für Bedürftige. 2500 Aktive gibt es im Kreis.