Der Ball ist sein Freund: Marcos Alvarez (links) gehört in der dritten Liga zu den technisch stärksten Spielern. Der Torjäger Marco Grüttner geht auch als kämpferisches Vorbild immer voran. Foto: Montage/Baumann

So etwas nennt man Punktlandung: Rechtzeitig vor dem Stuttgarter Drittligaduell Kickers – VfB II (Sonntag, 15 Uhr) haben zwei Stürmer das erste Mal getroffen: Marco Grüttner feierte seine Torpremiere für den VfB II im vierten Spiel, Marcos Alvarez benötigte über ein Jahr für dieses Glücksgefühl.

Stuttgart - So etwas nennt man Punktlandung: Rechtzeitig vor dem Stuttgarter Drittligaduell KickersVfB II (Sonntag, 15 Uhr) haben zwei Stürmer das erste Mal getroffen: Marco Grüttner feierte seine Torpremiere für den VfB II im vierten Spiel, Marcos Alvarez benötigte über ein Jahr für dieses Glücksgefühl.

Marcos Alvarez: Der Mann hat ein Seuchenjahr hinter sich. Muskelfaserriss, Bänderriss, Muskelbündelriss. Nur einmal spielte der Angreifer nach seinem Wechsel von Regionalligist Eintracht Frankfurt II in der vergangenen Runde für die Kickers über 90 Minuten. Hinzu kamen 14 überwiegend kurze Drittliga-Einsätze. „Das hatte ich mir natürlich ganz, ganz anders vorgestellt“, sagt er im Rückblick.

Jetzt soll alles ganz anders werden. Und Alvarez ist auf einem guten Weg. Beim 1:1 in Elversberg am vergangenen Freitag erzielte er sein erstes Drittligator für die Blauen, bisher hatte es nur zu zwei Erfolgserlebnissen in der Oberligamannschaft gereicht. Die Kraft und die Fitness hatte er sich in der Sommerpause in Spanien geholt. Onkel Antonio, beim FC Sevilla im Trainerstab und als Scout tätig, machte seinen Neffen in Andalusien fit für die neue Saison. „Ich bin jetzt sechs Kilogramm leichter“, verrät Alvarez. Das 76-Kilo-Kampfgewicht tut ihm gut. Er ist frischer und spritziger. Noch etwas kommt hinzu: „Er wird langsam reifer“, hat Trainer Massimo Morales festgestellt. Wobei man nicht vergessen darf: Alvarez hat zwar schon viel erlebt, ist aber erst 21. Der frühere Jugend- und Junioren -Nationalspieler trug einmal sogar in der Bundesliga das Trikot von Eintracht Frankfurt. Auch beim FC Bayern II versuchte sich der gebürtige Gelnhausener 2011. Allerdings nur ein halbes Jahr. „Ich bin einfach nicht mit der alten Schule von Bayern-Trainer Hermann Gerland zurechtgekommen“, sagt Alvarez.

Bei den Kickers will der technisch starke Stürmer nun in der zweiten Saison den Durchbruch schaffen. Am liebsten an der Seite von Elia Soriano, seinem ehemaligen Mitspieler in Frankfurt. „Wir kennen unsere Lauf- und Passwege. Wir verstehen uns glänzend“, sagt Alvarez über den Kickers-Neuzugang, der nach seiner Verletzungspause gegen den VfB II als Joker auf der Bank sitzen soll. „Elia ganz vorne, ich ein bisschen dahinter – das würde optimal passen“, ist sich Alvarez sicher. Was die beiden verbindet: Sie wollen hoch mit den Kickers. So weit wie möglich. „Gegen den VfB machen wir den Anfang“, sagt Alvarez – und tippt selbstbewusst auf einen 3:1-Sieg.

Marco Grüttner: Als sein innerstädtischer Farbenwechsel von Blau zu Rot sieben Spieltage vor Saisonende bekannt wurde, war der Aufschrei bei den tief enttäuschten Kickers-Fans groß. Doch der Torjäger gab bis zum letzten Spieltag alles und avancierte mit insgesamt 18 Saisontreffern zum Garanten für den Klassenverbleib. „Ich hoffe, die Fans haben das nicht vergessen“, sagt Grüttner. Wenn es an diesem Sonntag doch Pfiffe und Buhruhe gegen ihn geben sollte? „Dann muss ich eben damit leben. Solche Leute ­findet man in jedem Stadion.“

Selbstbewusst kommt er nach Degerloch. Sein erstes Saisontor vergangenen Freitag beim 2:0 gegen den 1. FC Saarbrücken tat ihm richtig gut. „Abstimmungsprobleme sind bei einem Vereinswechsel am Anfang doch normal“, sagt der 28-Jährige. Wo die größten Unterschiede zu den Kickers liegen? „Hier ist alles einen Tick professioneller, die Trainingsqualität ist höher, und es wird versucht, alles spielerisch zu lösen.“

Den Schritt zum VfB II hat er sich gut überlegt. Der Dreijahresvertrag gibt ihm Sicherheit. „Das Gesamtpaket stimmt. Ich möchte mich weiterentwickeln und als Führungsspieler Verantwortung übernehmen“, betont er. Sein Studium zum Sportmanager hat er abgeschlossen. Die große Karriere in der zweiten oder ersten Liga hat er nicht zwingend auf der Rechnung. Auch wenn er hinzufügt: „Der Zug nach oben ist nie abgefahren.“ Der gebürtige Ludwigsburger ist ein bodenständiger, bescheidener Typ. Nicht nur in seinem Naturell unterscheidet er sich von Kickers-Konkurrent Alvarez. Der Mann mit den spanischen Wurzeln redet im Vergleich zum eher stillen Schwaben wie ein Wasserfall. Zudem ist Leitwolf Grüttner der typische Centerstürmer, enorm kopfballstark, immer präsent, vor allem gegen den Ball – auch wenn es mal nicht so läuft. Alvarez dagegen ist nicht der klassische Neuner. Er weicht auf die Flügel aus, kommt gerne aus der Tiefe und füttert am liebsten die Sturmspitze vor ihm. Die wird es wegen Verletzungsproblemen am Sonntag aber wohl nicht geben. Doch so ein Duell der ungleichen Stürmertypen hat auch seine Reize.

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