Abgeordnete aus dem Südwesten Diese AfD-Politiker ziehen nach Berlin

Von Willi Reiners 

Elf AfD-Politiker aus Baden-Württemberg gehören dem neuen Bundestag an. Mit Thomas Seitz ist nur einer von ihnen eindeutig dem völkisch-nationalen Flügel um Björn Höcke zuzuordnen.

Berlin/Stuttgart - Die AfD ist bei der Bundestagswahl im Südwesten hinter ihrem Landtagswahlergebnis vom März 2016 zurückgefallen. Sie holte 12,2 Prozent der Stimmen – bei der Landtagswahl waren es noch 15,1 Prozent gewesen. Dennoch werden elf AfD-Politiker aus Baden-Württemberg dem neuen Bundestag angehören, sie stellen nach Nordrhein-Westfalen (15) und Bayern (11) die größte Landesgruppe. Das sind die AfD-Vertreter aus dem Land für Berlin:

Alice Weidel (38)

Die Ökonomin bildete mit Alexander Gauland das AfD-Spitzenduo im Wahlkampf. Beide dürften gute Chancen haben, die künftige AfD-Bundestagsfraktion zu führen. Weidel galt ursprünglich als Vertreterin der liberal-konservativen Kräfte in der AfD, bediente sich in den vergangenen Monaten aber immer mehr einer scharfen nationalen Rhetorik.

Lothar Maier (73)

Der frühere Hochschulprofessor und Experte für Verbraucherschutz gehört zu den Gründern der AfD im Land. Er tritt meist gemäßigt auf und plädiert für eine klare Abgrenzung zum völkisch-nationalen Flügel um den Thüringer AfD-Mann Björn Höcke.

Marc Jongen (49)

Der Philosoph, der an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe lehrt, gilt als Vordenker einer neuen, europaweiten Rechten und hat am Parteiprogramm der AfD maßgeblich mitgeschrieben. Gemeinsam mit Ralf Özkara führt er die Landespartei.

Markus Frohnmaier (26)

Der Jura-Student steht an der Spitze der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA) und ist deren Hoffnungsträger. Von scharfmacherischen Auftritten der Vergangenheit distanziert er sich inzwischen und gibt sich betont gemäßigt. Zuletzt hat er als Sprecher von Alice Weidel gearbeitet, zuvor in gleicher Funktion für Frauke Petry.

Thomas Seitz (50)

Der Freiburger Staatsanwalt ist ein Anhänger der Völkisch-Nationalen um Höcke. Im Landtagswahlkampf hatte er die Politik der Bundeskanzlerin als „Auftakt zur Vernichtung des deutschen Volkes“ bezeichnet und andere Politiker als „erbärmliche Systemlinge“. Gegen ihn läuft deshalb ein Disziplinarverfahren, das beim Stuttgarter Justizministerium liegt.

Jürgen Braun (56)

Der Jurist hat als Journalist bei verschiedenen Fernsehsendern gearbeitet, seit einigen Jahren ist er als selbstständiger Kommunikationsberater tätig. Extremistische Positionen lehnt er ab, Parteifreunde fordert er auf, das Grundsatzprogramm zu beachten. „Bekloppte gibt es in jeder Partei“, sagt er wie zur Entschuldigung.

Martin Hess (46)

Der Polizist ist Dozent an der Polizeihochschule. In der Bundestagsfraktion könnte er damit zum Experten für Innere Sicherheit aufsteigen. Als stellvertretender Sprecher gehört er mit zur Führung der AfD im Südwesten.

Volker Münz (53)

Der Ökonom aus Göppingen, der als Banker arbeitet, fordert eine Begrenzung der Zuwanderung. Im Bundestag möchte er sich um Entwicklungshilfe kümmern, um Fluchtursachen vor Ort zu bekämpfen.

Marc Bernhard (45)

Der Geschäftsführer eines IT-Unternehmens in Karlsruhe war lange Jahre für die CDU kommunalpolitisch aktiv. Im Wahlkampf hat er vor allem auf die Themen Zuwanderung und Innere Sicherheit gesetzt.

Dirk Spaniel (45)

Der Diplom-Ingenieur arbeit im Daimler-Konzern und ist parteipolitisch bisher noch kaum in Erscheinung getreten. Im Wahlkampf warnte er, die grün-schwarze Landesregierung habe die Autoindustrie zur Demontage freigegeben.

Franziska Gminder (72)

Die Kauffrau betreibt in Heilbronn eine gewerbliche Immobilie mit 170 Mitparteien. Sie war bereits 2013 beim Gründungsparteitag der AfD in Berlin dabei. Als Frau zählt Gminder zu einer Minderheit in der AfD – 27 Listenkandidatinnen standen bundesweit 197 männlichen Bewerbern gegenüber.

 

 

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