Tolle Stimmung in Reutlingen: Die Kickers-Fans feiern mit den Profis Lhadji Badiane und Fabio Leutenecker (r.) Foto: Baumann

Mit einer latenten Ungewissheit sind die Stuttgarter Kickers zum Heimspiel nach Reutlingen gefahren. Die Premiere ist gelungen, noch ist einiges ausbaufähig – sportlich wie auch im Umfeld.

Reutlingen - Das Schlusswort war reserviert für den Präsidenten. „Mir ist es lieber, wir haben gewonnen und es waren nicht so viele Zuschauer im Stadion, als eine Niederlage vor vollem Haus“, sagte Rainer Lorz eine knappe Stunde nach dem Schlusspfiff im Stadion an der Kreuzeiche, „wir werden uns hier wohlfühlen.“ Der Clubchef des Drittligisten brachte es noch einmal auf einen Nenner, was die Fußballgemeinde aus Degerloch vor der Pflichtspiel-Premiere im Reutlinger Exil bewegt hatte. Geht das gut? Ja! Am Ende stand ein absolut verdienter 3:1(2:1)-Erfolg über Jahn Regensburg vor 2765 Zuschauern, bei dem die Blauen nicht stets dominant waren, aber den Gegner doch größtenteils im Griff hatten. „Wir sind nicht so gut reingekommen ins Spiel, haben dann aber Moral bewiesen“, sagte Trainer Horst Steffen, „dieser Auftakt war okay.“

Nach der ärgerlichen Niederlage in ­Wehen-Wiesbaden (1:2), bei dem die Kickers zwar besser waren, aber ohne Punkte nach Hause kamen, war dieser Sieg über Regensburg enorm wichtig. Er sorgte für die positive die Rückkopplung bei den Profis, dass sie nicht nur gut spielen, sondern auch gewinnen können. „Endlich haben wir den Sack auch zugemacht, was uns in Wehen nicht gelungen ist“, sagte Sandrino Braun, der mit einem Kracher aus gut 25 Metern zum 3:1 ­alle Zweifel am Dreier beseitigt hatte (82.).

In Wehen hatte der Defensivmann frei stehend vor dem leeren Tor noch das wohl vorentscheidende 2:0 verpasst. „Ich bin froh“, sagte Coach Steffen mit einem Augenzwinkern, „dass Sandrino dieses Tor gemacht hat, daran hatte es ja zuletzt einige Zweifel gegeben, dass er so etwas kann.“

Es hätte alles ganz anders kommen können, denn Jahn führte nach nur neun Minuten 1:0, weil die Abwehrspieler Marc Stein und Fabian Baumgärtel wenig Abwehrbiss zeigten, als Aias Aosman sich an ihnen vorbeiwurstelte und den Ball am bewegungslosen Korbinian Müller vorbeischob. Immerhin erholten sich die Kickers schnell vom Schock, Stein wurde bei einem Abwehrversuch nach einer Ecke so geschickt angeschossen, dass der Ball ins Tor rollte (26.); kurz darauf legte Besar Halimi den Ball mustergültig in den Lauf von Lhadji Badiane, der zum 2:1 einschob (29.). „Das war wichtig, wir wollten ja nicht schon wieder verlieren“, sagte der französische Stürmer, den keine Knieprobleme mehr plagen.

Es war nicht alles Gold, aber die Kickers zeigten, welches Potenzial in ihnen steckt. Vor allem Neuzugang Besar Halimi, der vom VfB II gekommen war, weckte eine Vorfreude auf mehr – der einstige deutsche Jugendnationalspieler zeigte, dass er mit dem Ball umzugehen weiß und überdies auch einen Blick für seine Mitspieler hat. Dass der 19-Jährige nach 67 Minuten das Feld räumen musste, lag daran, dass Trainer Horst Steffen „mehr körperliche Präsenz im Spiel haben wollte und bei Halimi die Kraft doch ein wenig nachgelassen hat“.

Nach dem ersten Heimspiel in der Fremde strahlten alle Blauen – die Fans feierten auf der schmucken Haupttribüne, Spieler, Trainerteam und Clubführung freuten sich. Die Kickers haben Spaß im Reutlinger Exil, und das soll ja erst der Anfang gewesen sein. „Noch ein, zwei Spiele“, sagte Fabian Baumgärtel, „dann haben wir uns ans Stadion ­gewöhnt, dann kommen mehr Fans, und wir haben eine echte Heimspiel-Atmosphäre.“