Wann SG-Keeper Maximilian Reule wieder auf dem Platz steht, ist offen – wie viel er künftig verdient auch. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Es ist ein Drahtseilakt sondergleichen. Die Vertragsspieler des Fußball-Drittligisten SG Sonnenhof-Großaspach verdienen ohnedies keine Reichtümer. Jetzt stehen Gehaltskürzungen an. Wie lange hält der Club das durch?

Großaspach. - Die Spieler heißen Reule, Vitzthum, Hingerl oder Morys. Und weil sie bei der SG Sonnenhof Großaspach spielen, zählen sie zu jenen eher unbekannten Fußballprofis, bei denen das Gehalt am Monatsende noch ziemlich viel Tage hat. Wer das knallrote Trikot des Dorfclubs trägt, ist Teil eines sympathischen Projekts, aber reich werden Berufsfußballer für gewöhnlich woanders. Der Gesamtetat des Fußball-Drittligisten liegt bei immerhin 3,8 Millionen Euro pro Spielzeit, zu den Topverdienern zählt dennoch, wer es im Monat auf 4000 Euro brutto bringt. Fast in jeder Saison kämpft die sympathische Alternative zur kapitalintensiven Konkurrenz aus München oder Kaiserslautern gegen den Abstieg. Mit Krisen, sportlich wie finanziell, wissen die Verantwortlichen im Murrtal-Club also fast schon traditionell umzugehen.

Ein Lackmustest für alle

Aber Corona toppt auch für Andreas Benignus die schlimmsten Albträume. „Das wird zum Lackmustest für uns allle“, ist sich der SG-Vereinsvorsitzende sicher, „wir haben alle eine riesengroße Verantwortung.“ Denn so geübt die SG-Macher im sparsamen Haushalten sind, wenn über Wochen, womöglich sogar Monate, Einnahmen wegbrechen, werden die Fixkosten zum Problem. „Wir haben alles runtergefahren“, sagt Andreas Benignus. Keine Nachwuchsarbeit mehr, das Training der Drittliga-Spieler ist für zwei Wochen eingestellt, die Fußballplätze sind ohnedies gesperrt. Der Spielbetrieb in der dritten Liga pausiert bis zum 30. April. Mindestens.

Die Geschäftsstelle, mit acht bis zehn direkt oder indirekt angestellten Mitarbeitern, teilweise geringfügig beschäftigt, fährt derzeit das Notprogramm. Sie nehmen restliche Urlaubstage oder bauen Überstunden ab. Natürlich ist die Spielzeit budgetiert, aber aus der TV- und Ligavermarktung fließen jährlich rund 1,2 Millionen Euro in den Etat. Wesentliche Verluste sind auch für die SG Sonnenhof Großaspach kaum zu verkraften. Und das schon gar nicht auf Dauer. „Und wir wissen ja noch nicht, wie unsere Sponsoren durch die Krise kommen“, sagt der SG-Vorsitzende.

60 Prozent von 3500 Euro brutto

Sportchef Joannis Koukoutrigas macht ein zerknirschtes Gesicht und bestätigt: „Die Spieler waren erst mal geschockt.“ Er hat sie nach Hause geschickt, ob und wie sich ein Spieler fit hält, entscheidet erstmal jeder für sich. Die Verantwortlichen werden Kurzarbeitergeld für die Vertragsspieler beantragen. Aber wenn von durchschnittlich 3500 Euro brutto maximal zwischen 60 und 67 Prozent vom Netto bleiben, wird es eng mit der Miete und dem Lebensunterhalt. Im Vorstand haben sie deshalb beschlossen, aus der Vereinskasse soviel zuzuschießen, was für den Verein machbar und gesetzlich erlaubt ist. Das würde für Gehälter zwischen 84 und 87,5 Prozent der jetzigen Saläre reichen. Aber wie lange lässt sich solch ein Drahtseilakt durchhalten.

„Wir bewerten die Lage täglich neu“, sagt Andreas Benignus, „aber es hilft nichts, wir müssen da jetzt gemeinsam durch. Es geht um die Gesundheit aller und um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“ Joannis Koukoutrigas nickt und sagt mit fester Stimme: „Manche merken erst jetzt, wie gut sie es in der Vergangenheit gehabt haben.“

Es ist wie im Kampf gegen den Abstieg: das Spiel geht weiter. Ende offen.

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