Weihnachtsfans finden in um um Dresden besonders viel, was einen in festliche Stimmung versetzt. Zum Beispiel den Striezelmarkt.... Foto: dpa

In und um Dresden kann man das Aschenbrödel besuchen, mit einer echten Dampflok fahren oder den ältesten Weihnachtsmarkt Deutschlands besuchen.

Dresden - Die meisten wünschen sich Frieden, Liebe, Glück oder Gesundheit. Auf manchen der gelben Klebezettel wurden aber auch ungewöhnliche Begehren notiert. Jemand verlangt nach einem Mops, einen anderen gelüstet es dringend nach einem Hefeweizen. Die Wunschwand zum Selbstnotieren bildet den Abschluss der Ausstellung „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ in Schloss Moritzburg. Das gelb getünchte Barockschloss mit den vier putzigen Türmchen diente 1973 als Kulisse für die Dreharbeiten eines Films, der zum wohl beliebtesten Weihnachtsmärchen aller Zeiten werden sollte. In der Koproduktion der Tschechos­lowakei und der DDR bekommt das Aschenbrödel drei Haselnüsse, aus denen sich mal ein Jägerkostüm, mal wunderschöne Kleider herbeizaubern lassen. So gewandet kann das arme Mädchen erst einen Prinzen beim Wettschießen begeistern und dann trotz heim­tückischer Schwestern und Stiefmutter zum Ball gehen und ihn völlig verzaubern. Happy End. Schnief!

Der Film wurde mehr aus Versehen bei Eis und Schnee gedreht und passt daher perfekt in die Weihnachtszeit. Für viele Fans gehört er zum Dezember wie Christbaum, Krippe oder Plätzchen. Und seit ein paar Jahren können Fans nicht nur vor dem Fernseher schmachten, sondern eine dazugehörige Ausstellung besuchen. Zwischen Dezember und März gibt es am Original-Drehort Requisiten zu sehen und Hintergrundgeschichten zu erfahren. Vor dem Schlosstor drängen sich die Massen, auch 45 Jahre nach seinem Entstehen ist der Streifen Kult. Die meisten Besucher – viele kommen aus dem nahen Tschechien – waren damals noch nicht einmal auf der Welt. Dennoch stehen sie nun staunend vor der Vitrine mit dem Prinzessinnenkleid oder werfen einen Blick von der Empore in den Jagdsaal August des Starken mit den zahlreichen Geweihen an der Wand.

In der Kutsche durch den Schlosspark

Schloss Moritzburg liegt im Elbtal, nicht weit von Dresden. Rundherum dichter Eichenwald, in dem sich die eine oder andere Überraschung versteckt. „Die Maurerreste da drüben waren früher eine spezielle Anlage, um das Wild zusammenzutreiben“, erklärt Rolf Sterzel. „Über die Rampe auf der einen Seite kamen die Rehe und Wildschweine hinein, aber wegen der steilen Mauer auf der anderen Seite nicht wieder heraus.“ So bekam auch der ungeschickteste Schütze ein Tier vor die Flinte. Sterzel bietet Kutschfahrten durch die Moritzburger Wälder an. In warme Decken ein­gemummelt zuckelt man durch die Gegend. Ricky und Flocke, die Pferde der Rasse Schwarzwälder Füchse, traben brav vorneweg. Plötzlich öffnet sich der Wald, und ein großer See wird sichtbar. Doch was ist das rote Gebäude da? Ein Leuchtturm, mitten in Sachsen? „Auf der künstlich angelegten Mole wurden im 18. Jahrhundert Seeschlachten nachgespielt“, sagt Rolf Sterzel. Die Anlage stammt nicht – wie gefühlt sonst alles in der Gegend – vom berühmten Kurfürst August dem Starken, sondern von dessen Sohn, Kurfürst Friedrich August III. Er ließ das maritime Ensemble bauen, um die Seeschlacht bei den Dardanellen 1770 originalgetreu nachzustellen. In jedem Manne steckt eben noch ein kleiner Bub.

Ein kindliches Vergnügen für jedermann ist eine Fahrt der Lössnitzgrundbahn. Zwischen Moritzburg und Radebeul tuckert der „Lössnitzdackel“, wie der Zug liebevoll genannt wird, schnaufend durch Weinberge und Villengegenden. Gezogen werden die grün lackierten Wagen der Spurweite 750 mm von einer Dampflok, Modell 99.77-79, die dabei die Umgebung ordentlich einnebelt. Die Bahn fährt seit 1884 – da schlägt das Modellbahnerherz höher. Für große Jungs gehört die Eisenbahn rund um den Tannenbaum genauso zum Fest wie für die Mädels das Aschenbrödel im Fernsehen.

Schnitzereien, Lebkuchen und Adventssterne

Maximale Weihnachtsstimmung kommt auf dem Striezelmarkt auf. Seit 1434 gibt es den Budenzauber auf dem Dresdner Altmarkt. Und weil den Dresdnern Weihnachtsmärkte so gut gefallen, kamen inzwischen noch zehn weitere dazu. Von der Kuppel der Frauenkirche sieht man auf vielen Plätzen gestreifte Zeltdächer, bunt blinkende Riesenräder und geschmückte Tannenbäume. Der älteste Markt ist bis heute von Plastiktand verschont geblieben. Traditionell werden Waren aus der Umgebung feilgeboten: Schnitzereien aus dem Erzgebirge, Blaudrucke aus der Lausitz, Lebkuchen aus Pulsnitz, Herrnhuter Adventssterne und natürlich Dresdner Stollen.

Den besten Glühwein gibt es am Stand eines Zugezogenen: Sternekoch Stefan Hermann kam vor mehr als 20 Jahren nach Dresden. Der gebürtige Leonberger hat sich an der sächsischen Elbe inzwischen ein ganzes Gastroimperium aufgebaut – mit mehreren Lokalen, gekrönt vom Flaggschiff namens Bean & Beluga. Heute leistet er sich den Luxus, das zu machen, worauf der Lust hat. Und im Dezember hat er Lust auf Grillen. Der Chef höchstselbst wendet tagein, tagaus die Bratwürstchen auf dem Striezelmarkt, die natürlich – wie es sich für einen Sternekoch gehört – ein ganz spezielles Rezept haben: „Für den besonderen Geschmack sorgen confierte Zitronen im Brät“, sagt Stefan Hermann. Märchenhaft lecker!

Hinkommen, Unterkommen, Rumkommen

Anreise

Mit der Bahn ist Dresden von Stuttgart aus mit Umsteigen zu erreichen, die Fahrt dauert zwischen knapp sieben bis acht Stunden (www.bahn.de).Mit dem Pkw: Ab Stuttgart über die A 81 Richtung Heilbronn, A 6 Richtung Nürnberg und A 9/A 72/A 4 nach Dresden. Ab Stuttgart fliegt Eurowings nach Dresden (www.eurowings.de).

Unterkunft

Das Hotel Villa Sorgenfrei in Radebeul wurde Ende des 18. Jahrhunderts von einem Freiherrn als Sommersitz erbaut. Der heutige Betreiber, Sternekoch Stefan Hermann, lässt diese Zeit wieder auf­leben. Doppelzimmer mit Frühstück ab 139 Euro, www.hotel-villa-sorgenfrei.de.Das Hilton Dresden liegt zentral mitten in der Altstadt neben der Frauenkirche. Doppelzimmer ohne Frühstück ab 184 Euro, www.hiltonhotel.de.

Essen und Trinken

Sterneküche vom Feinsten gibt es im Restaurant Bean and Beluga im Villenvorort Weißer Hirsch, www.bean-and-beluga.de/

Sächsische Hausmannskost modern interpretiert serviert das Lokal William im ersten Stock des Schauspielhauses, www.restaurant-william.de

Aktivitäten

Die Ausstellung „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ wird noch bis zum 3. März auf Schloss Moritzburg gezeigt. Geöffnet täglich außer Montag, 10 bis 17 Uhr, Eintritt 8 Euro, Kinder zahlen 1 Euro, www.schloss-moritzburg.de. Sendetermine für den Defa-Film: 24. Dezember, 12 Uhr in der ARD, 15.05 Uhr im WDR, 16.40 Uhr im SWR und im NDR, 18.50 Uhr auf One, 20.15 Uhr im RBB, 25. Dezember, 10.25 Uhr in der ARD, 23.15 im HR, 26. Dezember, 8.05 Uhr im SWR, 9 Uhr im BR und im RBB, 16 Uhr im MDR, 28. Dezember, 19.30 Uhr auf Kika sowie bei Netflix.Kutschfahrten durch den Schlosspark kann man bei Bernd Haase buchen, Tel. 01 70 / 6 10 67 23, eine Kutsche für 2 bis 7 Personen kostet 70 Euro pro Stunde, weitere Informationen unter: www.kulturlandschaft-moritzburg.de.Die Schmalspurbahn Lössnitzgrund fährt täglich, einfache Fahrt 2,30 Euro, Fahrplan und weitere Informationen unter www.loessnitzgrundbahn.de.Kuppelaufstieg auf die Frauenkirche, täglich 10 bis 16 Uhr, abweichende Öffnungszeiten an Feiertagen, Preis: 8 Euro, der Besuch der Kirche ist frei und täglich möglich außer bei Veranstaltungen, www.frauenkirche-dresden.de.Der Striezelmarkt ist noch bis zum 24. Dezember geöffnet. Täglich 10 bis 21 Uhr, am Abschlusstag nur bis 14 Uhr, https://striezelmarkt.dresden.de.

Allgemeine Informationen

Dresden Information, Tel. 03 51 / 501 501, www.dresden.de.Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen, www.sachsentourismus.de.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: