Der SV Leonberg/Eltingen startet beim TV Ehingen in die Rückrunde der Oberliga. Drei Stammspieler treten nach der Saison zurück – aus unterschiedlichen Gründen.
Das Sportjahr hat für die Handballer des SV Leonberg/Eltingen ziemlich erfreulich begonnen: Bei einem Vorbereitungsturnier in Mundelsheim am 10. Januar holte der Oberligist den Sieg. „Das war ein guter Schritt“, sagt Trainer Markus Stotz, „den ersten Härtetest des Jahres haben wir gut bestanden.“
An diesem Samstag (20 Uhr) folgt der ultimative Härtetest, wenn die Leonberger beim TV Ehingen zum Start in die Rückrunde gebeten werden. Der SV (Platz neun) kann im Duell der Tabellennachbarn mit einem Erfolg mit dem TV Ehingen (Platz acht) gleichziehen. „Wir haben was gutzumachen“, sagt Markus Stotz und verweist auf die 30:38-Niederlage vom Spiel in Leonberg. Damals saß allerdings noch der zurückgetretene Zoran Stavreski als Chefcoach auf der Bank.
Revanche nehmen für die 30:38-Niederlage
Die Mannschaft startet gut gerüstet in die zweite Saisonhälfte, das Team habe die nötigen konditionellen Grundlagen und sei enger zusammengewachsen. „Die Rädchen greifen immer besser ineinander“, betont der Chefcoach. Beim Neustart kann er auf alle Kräfte des Kaders zurückgreifen, mit Ausnahme von Bernhard Kutzner, der an einer Knieverletzung (Knorpelschaden, Meniskus) laboriert. Für den 25-Jährigen wird die Rückrunde zur Abschiedstour – er hat wie Felix Wiederhöft und Torhüter Max Schneider sein Karriereende im Sommer angekündigt.
Felix Wiederhöft Der Rechtsaußen legt eine Handball-Pause von unbestimmter Dauer ein. „Ich möchte mehr Zeit für Hobbys haben“, sagt der 26 Jahre alte Linkshänder, „fürs Skifahren, für Besuche im Fitnessstudio und fürs Laufen.“ In der neuen Oberliga ist der Zeitdruck noch größer geworden, weil bei den zahlreichen weiten Aufwärtsfahrten der gesamte Tag im Zeichen des Handball steht. Mit der Mannschaft oder dem Verein habe sein Rücktritt nichts zu tun. Wiederhöft, der seit 2020 in Leonberg spielt, betont: „Ich werde dem Club verbunden bleiben.“ Ob es den Rücktritt vom Rücktritt geben kann? „Keine Ahnung, wir werden sehen“, sagt Felix Wiederhöft. Alles kann, nichts muss.
Bernhard Kutzner Karriereende mit nur 25 Jahren? Biathletin Magdalena Neuner hat’s getan, Tennis-Star Justine Henin und nun auch Bernhard Kutzner. Der ist zwar kein Profi wie die beiden Frauen es waren – aber der Kreisläufer hat für sich ebenfalls festgestellt, dass das Leben aus mehr bestehen soll als aus viel, viel Sport. „Es ist der Zeitpunkt gekommen“, sagt er, „flexibler leben zu können und mir die Freizeit unabhängig einteilen zu können.“ Es geht ihm dabei weniger darum, irgendwelche Hobbys auszuleben, Kutzner möchte eben seine Lebensplanung nicht mehr mit den Spiel- und Trainingsplänen des SV Leonberg/Eltingen abstimmen müssen, für den er seit sieben Jahren seinen Körper einsetzt. Allerdings: Es ist kein striktes Lebewohl. „Vielleicht packt der Handball mich wieder und ich komme zurück“, räumt Kutzner ein, „vielleicht schließe ich mich auch einmal einer niederklassigeren Mannschaft an.“
Max Schneider Der Torhüter wird demnächst heiraten und auch Vater – Grund genug, im Sommer in Leonberg goodbye zu sagen. „Ich setze die Prioritäten neu“, sagt der 30-Jährige, „und da bekommt Handball nicht mehr die eins, auch wenn es mir schwer gefallen ist.“ Seit 24 Jahren betreibt Max Schneider den Sport, seit 2018 steckt er im Trikot des SV Leonberg/Eltingen – die Handball-Welt hat sich stets weiter gedreht, der Routinier vermisst den Spirit in der Mannschaft, den er ist seinen Anfangsjahren unterm Engelberg so sehr geschätzt hat. „Ich verstehe mich mit allen gut“, betont er, „aber von damals ist keiner mehr da – und damit hat sich auch vieles für mich verändert.“ Auch die häufig wechselnden Trainer in den vergangenen zwei Jahren haben den Wohlfühlfaktor strapaziert. Doch der 30-Jährige hat den SV nicht ganz zu den Akten gelegt. „Mein Pass bleibt da, wenn Not am Mann ist, darf man mich anrufen“, verspricht er.
Der SV hat bereits einen Nachfolger für den scheidenden Torhüter gefunden. Silas Nilli stößt im Sommer zum Team: Der 20-Jährige stammt aus der renommierten Jugendschmiede der Jano Filder und hat seine ersten Schritte im aktiven Bereich bei den Stationen Neuhausen und Söflingen absolviert. Studienbedingt wird er künftig in Stuttgart leben und dabei auch sportlich ein neues Kapitel aufschlagen. „Wir sind überzeugt, dass Silas gemeinsam mit Joshua Denk ein starkes und harmonisches Torhüter-Gespann bilden wird“, betont Stefan Schuster aus der Abteilungsführung.
Doch diese Personalien betreffen Markus Stotz nicht. Er wird nach Saisonende wie vereinbart die Aufgabe an Ladislav Goga übergeben und dem SV Leonberg/Eltingen womöglich in neuer Funktion erhalten bleiben. „Ich schaue nur von Spiel zu Spiel und nicht in die Ferne“, erklärt der 59-Jährige, der sich deshalb intensiv ins Videostudium des kommenden Gegners TV Ehingen gestürzt hat. „Wir werden 60 Minuten lang kämpfen und alle unsere Tugenden ins Spiel werfen“, sagt er. Damit auch der erste echte Härtetest 2026 ein erfolgreiches Ende nehmen kann.