Der Angeklagte ließ drei Frauen in Clubs anschaffen und kassierte hinterher ab. Foto: dpa

Das Landgericht Stuttgart hat ein ehemaliges Mitglied der Straßenbande United Tribuns wegen Zuhälterei und Vergewaltigung für sechs Jahre hinter Gitter geschickt.

Stuttgart - Besonders schwere Vergewaltigung, Zuhälterei, gefährliche Körperverletzung, begangen an drei jungen Frauen – dafür hat das Landgericht Stuttgart einen Mann aus dem Kreis der Straßenbande United Tribuns zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Eigentlich kein Grund, um Glückwünsche auszusprechen. Doch der erfahrene Richter Norbert Winkelmann, Chef der 19. Strafkammer, tut solche Dinge.

„Ich kann Sie nur beglückwünschen, dass Sie sich entschlossen haben, das Unrecht, dass Sie den Frauen angetan haben, einzugestehen“, so Richter Winkelmann zum Angeklagten. Denn ohne das Geständnis, dass der 41-Jährige auf Anraten seines Verteidigers Frank Theumer abgelegt hatte, wäre die Strafe höher ausgefallen. „Neun bis zehn Jahre wären bei dieser Strafkammer drin gewesen“, lässt der Vorsitzende Richter den Mann wissen.

Gewalttätige Sexualpraktiken

Der Mann aus Tuttlingen hatte zuerst jede Aussage verweigert, dann aber doch noch zugegeben, drei junge Frauen misshandelt und auf den Strich geschickt zu haben. Sein Mandant könne sich nicht mehr an jede Einzelheit erinnern, so der Verteidiger. Manche der vorgeworfenen Taten seien infolge sexueller Erregung geschehen. Der 41-Jährige habe Freude an Sexualpraktiken, die dem durchschnittlichen Bürger so möglicherweise nicht bekannt seien.

Das Gericht und Oberstaatsanwalt Peter Holzwarth waren schließlich mit dem Geständnis zufrieden und stimmten einer Verfahrensabsprache zu. Auch weil der Angeklagte 3500 Euro in bar und eine Uhr im Wert von 10 000 bis 15 000 Euro bereitgestellt hatte. Das Geld soll den drei gepeinigten Frauen zugute kommen.

Im Frühjahr 2005 hatte der Mann eine damals 22 Jahre alte Frau in einem Stuttgarter Innenstadtclub kennengelernt. Die Frau ging damals bereits – wie auch die zwei anderen Opfer – der Prostitution nach. Der Angeklagte ließ sie in mehreren Bordellen anschaffen. Wenn ihm die Höhe der Einnahmen nicht passte, setzte es Schläge, wie etwa im Februar 2007 in einem Bordell in Villingen-Schwenningen. Er schlug die Frau mit Fäusten und trampelte auf ihrem Kopf herum. Danach zwang er das verletzte Opfer zum Sex. Als die Frau später in einer Klinik behandelt wurde, musste sie lügen, sie habe sich beim Kickboxen verletzt.

Mit Duschkopf blutig geschlagen

Das zweite Opfer war dem Angeklagten, der beimProzesses auf einen kleinen weiblichen Fanclub zählen konnte, im Jahr 2010 von Bekannten aus Böblingen zugeführt worden. Auch die damals 20-Jährige musste Freier bedienen, auch sie bekam seine Brutalität zu spüren. In einem Fellbacher Hotel prügelte er sie im November 2010 durch die Sauna und zwang sie zum Geschlechtsverkehr. Obwohl die Tortur mehrere Stunden dauerte, kam es danach zu weiteren, freiwilligen Treffen zwischen der Frau und dem Angeklagten – inklusive freiwilligem Sex.

In dem bekannten Bordell Paradise in Echterdingen gabelte der 41-Jährige 2009 die nächste Frau auf. Die Ausreißerin schaffte dort an. Sie zog zu ihrem neuen Freund nach Waiblingen. „Er sagte ihr, wann und wo sie zu arbeiten und wieviel sie zu verdinen hatte“, so Richter Winkelmann. Im März 2011 schlug er die junge Frau mit einem Duschkopf blutig. Sie floh.

Das Geständnis des 41-Jährigen habe auch eine „Genugtuungsfunktion“, so der Richter. Die drei Frauen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Gericht ausgesagt hatten, seien so auch offiziell als Opfer anerkannt.

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