Eine wichtige Szene des Films wird im Bädle Bürg vor der Kamera vorbereitet. Die Schauspielerin Stella Butz und der Regisseur Sven Gielnik besprechen sich. Foto: Eva Herschmann

Zwei Tage wird im Freibad mit Aussicht im Winnender Teilort Bürg fürs Kino gedreht. Der Film ist das Regiedebüt des 31-jährigen Sven Gielnik, Absolvent der Filmakademie in Ludwigsburg.

 Im verträumt beschaulichen Bädle in Winnenden-Bürg (Rems-Murr-Kreis) mit schönem Ausblick ins Tal werden Szenen für den Kinofilm „Der beste Vater der Welt“ gedreht. Es ist das Regiedebüt von Sven Gielnik, der an der Filmakademie in Ludwigsburg studiert hat. Er wird von der Montavia Filmproduktion von Paul Prenissl, ebenfalls Absolvent in Ludwigsburg, mit Sitz in Steinheim/Murr produziert. An diesem Drehtag Ende August herrscht jedoch ein bisschen mehr als die übliche Hektik am Filmset.

 

Es war nur ein kleiner Stolperer, aber einer mit Folgen. Schauspieler Max Riemelt sollte in seiner Rolle als Jan leicht angeheitert auf der Liegewiese herumtanzen. Doch ein falscher Schritt bringt den Regieplan kurzzeitig durcheinander. Der aus Film und Fernsehen bekannte Mime, der eine der Hauptrollen spielt, bekommt eine kleine Auszeit. Regisseur Gielnik nutzt die Gelegenheit, mit der Schauspielerin Stella Butz noch ein paar Dinge abzusprechen.

Überrascht über die Anfrage

Die Komparsen, für die Freibadszene werden mehr als zwei Dutzend gebraucht, und das 25-köpfige Filmteam machen derweil kurz Pause – und viele genießen die Aussicht. Die Location in Winnenden-Bürg habe der Produktionsleiter Sebastian Sicker auf seiner Suche nach Schauplätzen für den Film ausfindig gemacht, erzählt Paul Prenissl. Beim Badverein Bürg, der das 1931 gebaute Bädle am Waldrand mit Blick über die Dächer Winnendens betreibt, war man zwar überrascht über die Anfrage, aber auch geschmeichelt. „Es ist toll, wenn bei uns ein Film gedreht wird, und wir werden uns den Film auf jeden Fall auch anschauen“, sagt Francisco Cano, der Vorsitzende des Badvereins Bürg.

Die Location ist perfekt, findet Thomas Fiebig. „Das ist einer der schönsten Drehorte, die ich je hatte“, sagt er und blickt ins Tal, während er den Gürtel seines Bademantels festzurrt. Fast so schön sei es hier wie am Schwäbischen Meer. „Da habe ich mal für die Serie ‚Wapo Bodensee‘ gedreht“, so der Postbeamte im Vorruhestand und Hobbyschauspieler aus Idstein im Taunus. Im Film „Der beste Vater der Welt“ spielt er den Bademeister und soll den betrunkenen Jan aus dem Wasser ziehen und aus dem Bad werfen.

Der Vater hat ein Alkoholproblem

„Wir drehen im Freibad eine Schlüsselszene im Film. Es sind die letzten gemeinsamen Ferien, von denen wir erzählen“, sagt Paul Prenissl. Denn der elfjährige Fridolin, genannt Frido, den Milo Eisenblätter spielt, erkennt in der Szene im Bürger Bädle, dass sein Vater, den er nur in den Ferien sieht und mit dem er immer viele Abenteuer erlebt, ein Alkoholproblem hat. „Davor haben Vater und Sohn ein bisschen wie in einer Schneekugel gelebt“, sagt Regisseur Sven Gielnik. Für den 31-Jährigen, der früher auch als Schauspieler gearbeitet hat, sich aber jetzt ganz der Regiearbeit widmet, ist es nach einigen Kurzfilm der erste längere Spielfilm, ebenso für Produzent Paul Prenissl.

90 Seiten hat das Drehbuch für „Der beste Vater der Welt“. „Eine Drehbuchseite macht ungefähr eine Minute Film aus“, sagt Prenissl. Das Projekt ist eine Koproduktion mit SWR und WDR und soll in der Reihe „Debüt im Dritten“ laufen. Gefördert wird der Film von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg und der Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern.

Die Dreharbeiten haben Anfang August angefangen. Insgesamt 28 Drehtage sind geplant, ein Großteil davon im Großraum Stuttgart – darunter zwei im kleinen Bädle in Winnenden-Bürg, das im Film gute fünf Minuten im Bild sein wird. „Zum Schluss sind wir noch für ein paar Tage in Mecklenburg-Vorpommern, genauer gesagt im Großraum Rostock“, sagt Paul Prenissl. Auch der Bahnhof in Karlsruhe ist prominent vertreten. „Dort beginnt jede Episode, wenn Vater Jan seinen Sohn abholt.“ Ein großer Schnäppchenmarkt in Pfullingen, das Schlosshotel in Weitenburg-Starzach zwischen Horb und Rottenburg am Neckar, eine Wohnung in Sindelfingen sowie der Schwabenpark in Kaisersbach sind weitere Schauplätze des Films, der mit einem Budget von 1,4 Millionen Euro ausgestattet ist. Weil das nicht viel für einen abendfüllenden Film ist, verzichteten die Schauspieler auf einen Teil ihrer Gage und das Filmteam auf 20 Prozent des normalen Verdiensts, erklärt Paul Prenissl.

Budget liegt bei 1,4 Millionen Euro

Max Riemelt und die Dreharbeiten laufen wieder. Am Montag werden die letzten Szenen in Bürg gedreht. Wenn in wenigen Wochen der komplette Film im Kasten ist, beginnt die langwierige Arbeit hinter den Kulissen. Die Fertigstellung von „Der beste Vater der Welt“ ist für den Frühsommer 2026 geplant. Danach, so Paul Prenissl, werde er zunächst auf verschiedenen Festivals laufen, bevor er ins Kino und später dann ins Fernsehen kommt. „Da wird er aber wohl eher erst 2027 zu sehen sein“, sagt der Produzent.