Drehprobe am Beckenrand in Kernen-Stetten mit den Schauspielerin Karl Kranzkowski und Astrid M. Fünderich Foto: Gottfried Stoppel

Ein Mord ruft die ZDF-Kommissare auf den Plan – sie müssen auch einen Zickenkrieg am Beckenrand entschärfen. Das im Römerkastell am Hallschlag angesiedelte Produktionsteam hat für mehrere Tage das Freibad in Kernens Teilort belegt.

Was kann es Schöneres geben, als bei 35 Grad ins Freibad zu pilgern und sich im frischen Wasser abzukühlen. Nicht so prickelnd ist es allerdings, wenn man als Kriminaler in feinem Zwirn oder im Hosenanzug diesen Hort des leicht bekleideten Vergnügens ansteuern muss. So wie Kriminaldirektor Michael Kaiser und die Erste Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert, die flotten Schrittes den Eingangsbereich des Bädles in Kernen-Stetten durchqueren. Denn die „Soko Stuttgart“ ist bei Sahara-Atmosphäre schwer gefordert, nachdem ein Mann beim Tauchen ermordet wurde.

 

Jährlich 24 neue „Soko Stuttgart“-Folgen

Kaiser und Seiffert sind, die erfahrene TV-Gemeinde weiß dies, erfundene Figuren der Krimireihe im ZDF. Umgesetzt werden die jährlich 24 und jeweils donnerstags von 18 Uhr an ausgestrahlten Stuttgarter „Soko“-Folgen von der Bavaria Fiction GmbH, die ihren Hauptsitz im Römerkastell am Hallschlag hat. Dort ist auch das fiktive Polizeipräsidium angesiedelt, und in den dortigen Studios finden die Innenaufnahmen statt.

Für die Außendrehs sucht die Produktionsgesellschaft in der Landeshauptstadt oder den umliegenden Landkreisen passende Drehorte. Weil der aktuelle Fall in einem Schwimmbad spielt, hat die Bavaria gleich für mehrere Tage die Anlage in Stetten reserviert – weshalb Stammgäste leider draußen bleiben mussten. Das bereite zwar dem Bad wie dem Kioskbetreiber ein paar finanzielle Einbußen, wie Susanne Lambé als Vorsitzende und Thomas Kubiak als Technischer Chef vom Bädlesverein erläutern. Allerdings gibt es eine Kompensation durch die Bavaria. Und wenn so ein Drehort irgendwann bundesweit über die Mattscheibe flimmert, hat das auch einen enormen Werbeeffekt – weshalb die Anfrage der Locationscouts schnell positiv beschieden wurde.

Arbeitstitel des Stettener Falls: „Meermenschen“

Überhaupt, Mord zieht immer, die Fernsehlandschaft ist voll von Krimis, von heimtückisch Abgemurksten und findigen Aufklärern. Die „Soko Stuttgart“ kann dabei meist mit originellen Drehbüchern und Einblicken in die skurrilsten Milieus aufwarten. Die Stettener Folge hat den Arbeitstitel „Meermenschen“, geht es doch um Protagonisten aus der Trendsportart Mermaiding, wie die Pressebetreuerin Franzi Hoffart erläutert. Dabei sind die Sportler wie eine Meerjungfrau mit einem Schwimmstrumpf, einer Monoflosse, unterwegs.

Die Leiche in Stetten wurde bereits am Wochenende mit Unterwasser-Kameras im für solche Aufnahmen wohl gut geeigneten Edelstahlbecken in Szene gesetzt. Das Opfer ist, für Mermaiding ungewöhnlich, ein Mann und wurde passend besetzt: Er heißt Alexander Sengpiel, lebt in Dachau und ist „Deutschlands schnellster Meerjungmann“, wie der Bayerischen Rundfunk titelte. Nach dem Mord in Stetten geraten drei Verdächtige ins Visier: die erfolgreiche, ansehnliche Mermaiding-Trainerin Tara Gunnesch, die Ehefrau Corinna Zaufel, Autorin von Fantasy-Romanen und öfter mal eifersüchtig. Und Schneider Jonas Dannecker, der die teure Monoflosse fürs Opfer hergestellt hat.

Zwei der Darstellerinnen bereitet die Hitze unter Stettener Sonne wenig Probleme: Luisa Wietzorek und Nina Vorbrodt dürfen ihren Zickenkrieg mit Rangelei und Tunkerei im Wasser umsetzen, von Bädles-Techniker Kubik dank Steuerung auf dem Solardach auf erfrischende 24 Grad temperiert.

Da haben es die Schauspieler Astrid M. Fünderich und Karl Kranzkowski, die die beiden Chefermittler darstellen, durchaus schwerer. Immerhin, sie können unter sengender Sonne bei den Proben ihre Anzug-Oberteile ablegen, und Fünderich sprintet sogar in Flip Flops zum Beckenrand. Doch wenn Regisseurin Caroline Leipold dann tatsächlich „Ruhe, wir drehen!“ und „Achtung, und bitte!“ ruft, haben die Kriminalbeamten natürlich die komplette Kluft samt adäquatem Schuhwerk wieder an.

Die Regisseurin ist gut drauf: „Okay, let’s go!“

Für Regisseurin Leipold ist es die dritte Inszenierung bei der „Soko Stuttgart“. Zwei hat sie im vergangenen Jahr bereits umgesetzt, jetzt ist sie für den ersten Drehblock der neuen Staffel zuständig. Üblicherweise ist eine Folge in sechseinhalb Drehtagen beendet, davon sind zweieinhalb Tage Außendrehs – wie jetzt in Stetten. Ihr 60-köpfiges Team aus Kameramännern, Kamerawagenfahrern, Toningenieuren, Lichtinstallateuren, Maskenbildnerinnen, Caterern und Praktikanten hält sie erkennbar mit aufmunternden Anweisungen bei Laune und auf Trab: „Das war super! Aber wir machen noch eine. Okay, let’s go“, klingt es dann.

13.39 Uhr, Szene im Kasten, die Mittagspause ruft, das Freibad leert sich und alle streben auf den Parkplatz nebenan. Zurück bleiben die Macher vom Stettener Bädlesverein: In sieben oder acht Monaten werden sie sehen können, wie ihre schnuckelige Badeanstalt bundesweit auf den Bildschirmen rüberkommt.

Soko Stuttgart Die neue Staffel startet am Tag der Deutschen Einheit, am Donnerstag, 3. Oktober, und zwar mit vier Überhangfolgen, die im Winter und Frühjahr wegen Sportübertragungen oder politischen Sondersendungen ausgefallen sind. Im November starten dann die wirklich neuen Folgen. Die Stettener „Meermenschen“ dürften Anfang 2025 an der Reihe sein.