Tatort Chocolaterie – Das Ladengeschäft von Kevin Kugel, Chocolatier in Sindelfingen, wurde am Montag und Dienstag zum Drehort. Foto: Eibner-Pressefoto/Dimitri Drofitsch

Kriminalstück statt Schokoladenverkauf: Im Geschäft von Kevin Kugel, einen Steinwurf entfernt vom Sindelfinger Marktplatz, fanden Anfang dieser Woche Dreharbeiten zur ZDF-Serie „SOKO Stuttgart“ statt. Im März 2023 soll die Folge im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Ein halbes Dutzend Polizeibeamte stehen vor dem Eingang der Chocolaterie von Kevin Kugel in Sindelfingen. Am Straßenrand ist ein Polizeiauto geparkt. Schaulustige beobachten das geschäftige Treiben unbekannter Gesichter von der gegenüberliegenden Seite, einige schießen Fotos mit ihren Handykameras. Wer am Montag und Dienstag am Ladengeschäft in der Böblinger Straße vorbeigeschlendert ist, wird im ersten Moment einen Schreck bekommen haben. Ist die Chocolaterie zum Tatort eines Verbrechens geworden?

 

Bei genauerem Hinsehen wird klar, hier ist ein Filmset aufgebaut. Die uniformierten Polizisten sind Darsteller, an der Seite des originalgetreu wirkenden Polizeiwagen mit Münchner Kennzeichen prangt die Aufschrift „Filmfahrzeug“. Auf dem Bürgersteig sind Scheinwerfer positioniert. Gedreht wird eine neue Folge der ZDF-Krimireihe „SOKO Stuttgart“. Dieses Mal haben sich die Macher der Vorabendserie aus dem Kessel hinaus- und in das Umland – in diesem Fall nach Sindelfingen – hineinwagt. Für die Episode wurden die Räumlichkeiten von Schokoladenmeister Kevin Kugel auserwählt.

Verbrechensort sollte eine Schokoladenmanufaktur sein

Da im Drehbuch seines Schweizer Verfassers bereits festgelegt war, dass der Tatort eine Chocolaterie sein soll, haben die Produzenten die Schokoladengeschäfte in der Region Stuttgart durchleuchtet. Am Ende ist man bei der Manufaktur für das braune Gold bei Kevin Kugel hängengeblieben. „Vor zwei bis drei Monaten erhielt ich die Anfrage von der Produktionsfirma, ob Verantwortliche in die Chocolaterie kommen können, um auszuloten, ob sich die Räumlichkeiten für Dreharbeiten eignen würden“, erinnert sich Kugel an die erste Kontaktaufnahme.

Da der gelernte Konditormeister offen für die Idee war, nahm das Projekt seinen Lauf. Und das, obwohl das Geschäft für zwei Tage schließen musste. „Ich war doch gespannt darauf, wie es sein wird, wenn in unserem Laden Filmszenen gedreht werden. Deshalb habe ich nicht lange überlegt“, erklärt Kugel.

In den letzten Augusttagen dann verwandelte sich Kugels Chocolaterie zum Filmset. Da das Tagesgeschäft trotz der geschlossenen Ladentüren weiterläuft, verzichtete er auf eine kleine Rolle in der Krimiserie. Kugel selbst war während der beiden Drehtage daher nur stiller Beobachter, dafür spielten aber einige Mitarbeiter als Komparsen mit. „Es brauchte an der Schokoladenmaschine Menschen, die sich mit dem Gerät auskennen. Da griff man auf unser Personal zurück“, erläutert Kevin Kugel. Mit Staunen schaute der Chocolatier dem zweitägigen Treiben in seinen Räumlichkeiten zu: „Der Aufwand ist riesig. Das sieht man schon alleine dadurch, dass so viele Personen beteiligt sind. Es fällt auf, wie sehr auf Details geachtet wird“, so Kugel. Damit meint er wohl auch, dass sein Ladengeschäft für die Dreharbeiten etwas umgestaltet werden musste, denn aus dem Logo Kugels musste jenes des fiktiven Chocolatiers werden. Auch Messer und Schälchen sowie die hauseigenen Pralinen wurden ausgetauscht, damit das Setting den Anforderungen des Drehbuchs entspricht.

Wer hat den Schokoladenmeister ermordet?

Filmteams – wenn auch nicht in dieser Dimension und Professionalität – hat der Nufringer schon öfters erlebt. Diese kamen aber eher zu Dokumentationszwecken, um die Handwerkskunst des Schokoladenmachens mit der Kamera festzuhalten. Mord und Totschlag, wie bei der SOKO Stuttgart-Reihe üblich, hat es in den „heiligen Hallen“ des Chocolatiers noch nicht gegeben.

Das änderte sich am 29. und 30. August. Dort, wo Kugel sonst Schokopralinen herstellt, kommt es im Film zu einem Mord. Der Patriarch und Schokoladenhersteller Gerhard Seitz wird umgebracht. Wer hat den mächtigen Unternehmer zwischen Schokoladentafeln und Törtchen aus dem Weg geräumt? Seine Tochter, sein Mitarbeiter oder gar die Chef-Sekretärin? Die Stuttgarter Ermittler drehen in der Chocolaterie jeden Stein um und befragen die Verdächtigen, um das Rätsel des Verbrechens zu lösen.

Bis zu 60 Personen sind in Sindelfingen am Werk

Vom festen Schauspielerensemble, wie Dramaturgin Franzi Hoffart erläutert, standen während der beiden Drehtage in Sindelfingen die Erste Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert (gespielt von Astrid M. Fünderich), Kriminaldirektor Michael Kaiser (Karl Kranzkowski), Kriminalkommissar Rico Sander (Benjamin Strecker) und der Leiter der Kriminaltechnischen Untersuchung Jan Arnaud (Mika Zaka Sommerfeldt) vor der Kamera. Insgesamt arbeiten rund 50 bis 60 Personen am Set. Dazu zählen neben den Darstellern auch Komparsen sowie die Fachleute für Kamera, Ton, Licht, Kostüm, Ausstattung, Maske, Garderobe und Catering.

Sindelfingen ist eine Station der SOKO-Dreharbeiten, wie Hoffart ausführt: „Seit Ende Januar produzieren wir aufgeteilt in sechs Drehblöcken in Stuttgart und Umgebung bis Anfang November insgesamt 25 neue Krimifälle der 14. Staffel.“

Ob der Schokoladenmeister Seitz nun an einer vergifteten Praline verstorben ist, mit einem Küchenmesser ermordet wurde oder doch etwas ganz anderes zu dem gewaltsamen Tod geführt hat, erfahren die interessierten Krimi-Zuschauer im März 2023, wenn die Sindelfinger SOKO-Folge „Süßer Tod“ über die Bildschirme laufen soll.

SOKO Stuttgart

Fernsehserie
 SOKO Stuttgart ist laut Wikipedia der siebte Ableger der deutschen SOKO-Krimi-Serie, die bereits 1976 in München ihren Anfang nahm. Die SOKO-Folgen laufen im ZDF immer werktags um 18 Uhr, an diesem Donnerstag zum Beispiel ist Stuttgart dran.

14. Staffel
 Die erste Stuttgarter Staffel mit 20 Episoden wurde ab November 2009 im ZDF gesendet. Der Kern des Ermittlerteams um Astrid M. Fünderich als Erste Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert ist von Beginn an identisch. Neu dabei seit Ende 2021 ist Jasmin Gassmann. Im Februar 2022 begannen die Dreharbeiten zur 14. Staffel mit 25 neuen Folgen.