Patrizia Capreoli bekommt zum wiederholten Mal innerhalb kurzer Zeit Post vom Ordnungsamt. Jedes Mal geht es um ihren Kater. Jetzt hat die Esslinger Künstlerin genug.
„Ne, ich bleibe jetzt echt nicht ruhig ... Stadt Esslingen“, sagt Patrizia Capreoli auf ihrem Instagram-Profil in die Handykamera. Mehrere Minuten lang prangert sie das aus ihrer Sicht unangemessene Vorgehen der Stadt an. Warum? Die Esslinger Künstlerin hat bereits zum wiederholten Mal innerhalb kurzer Zeit Post von der Verwaltung bekommen. Zuerst soll ihr Kater Garfield nicht kastriert gewesen sein, jetzt miaut er den Vorwürfen nach zu laut. Was ist da los?
Am 3. Dezember bekommt Patrizia Capreoli den dritten Brief vom Esslinger Ordnungsamt. „Beim Ordnungs- und Standesamt der Stadt Esslingen gingen Beschwerden wegen Lärmbelästigungen durch einen miauenden Kater ein“, heißt es darin. Mehrmals täglich falle ihr Haustier demnach auf, wie er für längere Zeit intensiv, klagend und lautstark vor der Wohnung miaue. „Zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und gegen umweltschädliches Verhalten“, wird Capreoli aufgefordert, dem Miauen ein Ende zu bereiten.
„Das geht jetzt echt zu weit“, sagt die 36-Jährige. Garfield schlafe den gesamten Tag, gehe nachts nach draußen und miaue gegen sechs oder sieben Uhr drei Mal, um wieder in die Wohnung gelassen zu werden. Klar könne das in den Straßen der Altstadt hallen – eine Nachfrage bei den Nachbarn habe ihr allerdings bestätigt, dass das niemanden störe.
Beschwerden über Kater – was sagt die Stadt?
Capreoli hat den Verdacht, dass hinter den Beschwerden eine Person steckt, die auch mit anderen Bewohnern der Straße Probleme habe. Denn es ist nicht die erste Beschwerde, die sie über ihren Kater erreicht. Nach einem Brief Ende Juli 2025 von Esslingens Ordnungsamt bekommt die Künstlerin im September einen zweiten: In beiden wird ihr mitgeteilt, dass ihr frei laufender Kater laut eines Hinweises nicht kastriert sein soll. Ein Problem. Denn seit Mitte 2024 sind Katzenbesitzerinnen und -besitzer in Esslingen verpflichtet, ihre Katze registrieren, kastrieren und kennzeichnen zu lassen. Allein: Kater Garfield ist kastriert. Capreoli ignoriert die Briefe deshalb, obwohl sie einen Nachweis für die Kastration schicken soll. „Und dann stand plötzlich der Ordnungsdienst vor meiner Tür“, erzählt sie. „Ich musste also zur Tierärztin und mir einen Nachweis für die Kastration ausstellen lassen. Ich hatte schon viele Katzen aber so was habe ich noch nie erlebt. Das ist eine Unverschämtheit.“
„So was habe ich noch nie erlebt. Das ist eine Unverschämtheit.“
Patrizia Capreoli über das Vorgehen der Stadt Esslingen
Die Kastrationsbeschwerde und die Beschwerde über zu lautes Miauen lassen die Esslingerin nicht nur fassungslos, sondern auch mit Sorge zurück. „Wie geht denn das jetzt weiter?“, fragt sie. „Das ist reine Schikane.“ Mittlerweile mache sie sich sorgen, ob die Gesundheit von Garfield wegen der zunehmenden Eskalation in Gefahr ist. Wie soll sie ihn am Miauen hindern? „Ich würde mir wünschen, dass die Stadt, bevor sie einen Brief oder den Ordnungsdienst schickt, einfach mal selber bei mir nachfragt, wie meine Sicht der Dinge ist“, fordert Capreoli, die zuletzt das Atelier Anima Libera in der Webergasse geführt hat.
Nachfrage bei der Stadt: Warum steht vor dem persönlichen Kontakt ein offizieller Brief? „In der Regel liegen der Stadt Esslingen von den Auslösern einer Beschwerde, die an uns herangetragen wird, weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse vor“, heißt es von der Verwaltung. „Werden Hinweise auf Verstöße gegen die Polizeiverordnung der Stadt Esslingen an uns herangetragen (hier: Lärm durch Tiere), wird diesen Hinweisen nachgegangen. Grundsätzlich wird jede Beschwerde geprüft.“ Für Capreoli steht fest, dass es wichtigere Dinge gibt, um die sich die Stadt kümmern könnte. Sie will sich nun eine zweite Katze zulegen.