Nach Entzug des Pflegekindes: In einem Brief an den Innenminister des Landes fordert der betroffene Polizeibeamte seinen Dienstherrn auf, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu prüfen.
Im Drama um das der Pflegefamilie Maier entzogene Kleinkind (Namen geändert, Anm. d. Red.) hat sich der Vater in der Auseinandersetzung mit dem Ludwigsburger Kreisjugendamt an seinen obersten Chef, Innenminister Thomas Strobl (CDU), gewandt. Der Pflegevater, von Beruf Polizeibeamter, hofft auf diese Weise die im Raum stehenden Vorwürfe gegen ihn ausräumen zu können.
In dem Brief heißt es: „Sie, Herr Strobl, werden mir beipflichten, dass würden diese vom Jugendamt vorgebrachten Anschuldigungen nur ansatzweise stimmen, wäre ich für meinen Beruf nicht mehr tragbar. Ein Polizeibeamter, welcher sich einer Kindesvernachlässigung schuldig macht und zudem Mediziner erpresst, ist für den Dienstherrn nicht mehr tragbar.“
Nach Schreiben unter anderem auch an Ministerpräsident Winfried Kretschmann, den Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier und das Bundesjustizministerium hofft Stefan Maier auf diesem Weg entsprechende Überprüfungen anstoßen zu können. „Vielleicht gibt es auf diesem Weg eine adäquate Ermittlung.“ Strobl ist als Innenminister für die Aufsicht über die entsprechenden Polizeibehörden zuständig.
Pflegeeltern und leibliche Eltern wehren sich gegen das Vorgehen des Jugendamtes Ludwigsburg
Die Maiers stemmen sich damit gegen die Pläne des Jugendamtes, ihr Pflegekind dauerhaft in eine Vollzeitpflegestelle zu vermitteln, obwohl mehrere Gerichte noch mit dem Fall betraut sind. Sowohl die Pflegeeltern als auch die leiblichen Eltern wehren sich gegen das Vorgehen der Behörden, das laut den Pflegeeltern nicht begründet ist.
Im April hatte das Jugendamt das Kleinkind aus der Pflegefamilie genommen. Für die Maiers kam dies völlig unvermittelt. Sie geben an, bis zu diesem Zeitpunkt keine negativen Rückmeldungen der Behörden erhalten zu haben. Die Gründe für die abrupte Herausnahme kennen sie bis heute nicht.
Im Raum steht daher die Frage, ob es rechtmäßig war, das Kind aus der Familie zu nehmen. Maiers selbst haben Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart gestellt gegen die Mitarbeiter des Landratsamtes Ludwigsburg. Das Pflegekind ist seither in einer anderen Pflegefamilie, übergangsweise.
Pflegeeltern sollen Einfluss auf Ärzte genommen haben
Stefan Maier hatte nach eigenem Bekunden nach Ausbildung und Studium in verschiedenen Bereichen der Polizei gearbeitet, seit 2014 ist er in Ludwigsburg im Führungs- und Einsatzstab tätig. Er identifiziere sich mit der Tätigkeit und mache sie gerne. „Umso belastender ist das Ereignis für mich, weshalb ich Sie heute hilfesuchend kontaktiere“, schreibt er an Strobl.
Den Pflegeeltern wird vorgehalten, Einfluss auf Ärzte genommen zu haben, um einen entsprechend positiven Bericht zu fertigen. Ein Arzt lässt anwaltlich schriftlich erklären, im Verlauf keine Gefährdungsmeldung an das Amt weder gemacht noch beabsichtigt zu haben. Denn mit dieser hätte der Arzt signalisiert, das Kindswohl in Gefahr zu sehen. „Ich kann bisher noch leben mit den Vorwürfen. Aber Erpressung geht zu weit“, sagt Maier.
Der Vorwurf: Kindeswohlgefährdung, Vernachlässigung im Bereich der medizinischen Versorgung und der Ernährung
In seinem Brief an Innenminister Strobl führt der 54-Jährige die Vorwürfe des Jugendamtes auf, mit denen er sich konfrontiert sieht: Da ist die Rede unter anderem von Kindeswohlgefährdung, Vernachlässigung im Bereich der medizinischen Versorgung und der Ernährung. Er wundert sich. Obwohl etwa eine schwere Vernachlässigung vom Pflegekind – als Körperverletzung von Schutzbefohlenen – strafbar ist und anzeigepflichtig wäre, sei bis heute keine Anzeige vom Landratsamt Ludwigsburg erfolgt.
Ungeachtet dessen hat Stefan Maier auf seine ersten Schreiben an Kretschmann und das Bundesjustizministerium bislang keine Antwort erhalten. Umso mehr hofft er nun darauf, dass jetzt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe überprüft werden. Der Verlauf der Angelegenheit widerspreche seinem Rechtsverständnis: „Man muss be- aber auch entlastende Hinweise suchen.“ Oder wie er es in seiner Forderung an Strobl gerichtet formuliert: „Entlasse oder entlaste mich.“