„Dr. Proktors Pupspulver“ In der Hauptrolle: Der Pups

Von Wolfram Hannemann 

Haarsträubende Abenteuer: Lise (Emily Glaister) und Bulle (Eilif H. Noraker) schauen neugierig durch ein Loch in Doktor Proktors Villa Foto: Senator/Central
Haarsträubende Abenteuer: Lise (Emily Glaister) und Bulle (Eilif H. Noraker) schauen neugierig durch ein Loch in Doktor Proktors Villa Foto: Senator/Central

Ein zeitgemäßes Märchen-Abenteuer über Freundschaft ist die Verfilmung von „Doktor Proktors Pupspulver“ nach dem erfolgreichen Kinderbuch des norwegischen Autors Jo Nesbo. Zur Premiere am Montagnachmittag im Gloria-Kino kamen viele kleine und einige große Zuschauer.

Stuttgart – Mit Brausepulver, Softgetränk, Popcorn und Pupskissen sitzen Kinder zwischen 3 und 13 Jahren aufgeregt und erwartungsvoll im prall gefüllten Stuttgarter Kino Gloria. Pupskissen? Aber klar: Was könnte zur Premiere von „Doktor Proktors Pupspulver“ besser passen?

Unter großem Applaus begrüßt das Publikum die Ehrengäste aus Norwegen, Regisseur Arild Fröhlich und die Hauptdarsteller Emily Glaister (12) und Eilif Noraker (14). Als Lise und Bulle überstehen die beiden im Film einige haarsträubende Abenteuer. Und das, obgleich Lises Eltern alles tun, sie zu einem äußerst braven Mädchen zu erziehen. Da wird Lises Haar von der Mutter fein säuberlich glattgebügelt und das perfekt zum Interieur der Wohnung passende Kleidchen gleich mit – auch wenn Lise noch drinsteckt.

Ein Wunderpulver, mit dem sich geruchlos pupsen lässt

Da kommt Bulle mit seiner feuerroten Tolle gerade recht, ein Hansdampf in allen Gassen, furchtlos und unerschrocken. ­Gemeinsam lernen sie den skurril-liebenswerten, aber hoffnungslos erfolglosen Erfinder Doktor Proktor kennen. Der hat ein Pulver erfunden, nach dessen Einnahme man sehr lautstark und vollkommen geruchlos pupsen kann. Mehr noch: Bei hoher Dosierung kann man damit ­sogar in die Lüfte abheben! Lise und Bulle haben eine brillante Idee: Man könnte das Pulver an die Mitschüler verkaufen und ihnen damit zu riesigem Spaß verhelfen. Doch Proktors Widersacher Herr Thrane will das Wunderpulver stehlen und für seine ganz eigenen Zwecke nutzen.

Für Regisseur Fröhlich ein Traumprojekt: „Hier konnte ich aus dem Vollen schöpfen!“, schwärmt der Norweger mit deutschen Wurzeln. Und man merkt es dem Film an. Die liebevolle, ­äußerst detailreiche Ausstattung mit 1960er-Flair (Proktors Labor ist eine Augenweide), die farbgesättigten Bilder mit ­ungewöhnlichem Weitwinkel-Look, die fulminante Orchestermusik – hier war jemand mit Begeisterung bei der Arbeit. Nicht zu vergessen die erstklassigen visuellen Effekte aus der Stuttgarter ­Effekt-Schmiede Pixomondo.

50 Visual Effects Designer arbeiten am Film

„Diese Effekte haben unseren Film auf eine ganz andere Stufe gehoben und aus unserem Projekt einen großen europäischen Kinderfilm gemacht“, sagt Koproduzent Helmut G. Weber. „Wir haben über viele Monate mit mehr als 50 Visual Effects Designern hier in Stuttgart zusammengearbeitet.“

Doch Technik ist längst nicht alles bei diesem von der baden-württembergischen MFG-Filmförderung unterstützten Projekt: Der Film lebt vor allem von seinen scharf gezeichneten Figuren. Der ­etwas verträumte Doktor Proktor, der grimmige Herr Trahne, Bulles telefonsüchtige Mutter oder Lises desinteressierte Eltern – sie alle sind herrliche Karikaturen der Erwachsenenwelt. Einzig die Kinder wissen, wie der Hase läuft.

Das honorieren die Kinder im Publikum, sie lachen lauthals und haben einen Riesenspaß an den dummen Erwachsenen. Und demonstrieren, dass man auch bei Pupsszenen gut und gerne lachen darf. „Die meisten Leute finden Fürze lustig – zumindest wenn sie es zugeben dürfen“, sagt Fröhlich grinsend. „Wir nehmen die Fürze sehr ernst. Bei uns sind Fürze keine dreckigen Fürze, sondern Helden.“

Für Dreharbeiten Anaconda nachgebaut

Etwas eklig wird es im Film, wenn Lise und Bulle im schleimigen Bauch einer riesigen Anakonda landen. Da ist dann schon mal ein deutliches „Bäh!“ oder „Iiiih!“ im Kinosaal zu vernehmen. Wie denn das Kind in die Schlange hineingekommen sei, möchte eine kleine Zuschauerin bei der Fragerunde nach der Filmvorführung wissen. „Das Innere der Schlange haben wir tatsächlich gebaut, ein langer Gummischlauch, in den wir viel Schleim ­hineingekippt haben. Das war für die Kinder total ekelig“, enthüllt Produzentin Sonja Ewers und warnt gleichzeitig ­augenzwinkernd: „Überlegt euch also gut, ob ihr Schauspieler werden wollt!“

Die menschenfressende Anakonda, die durch die Abwasserkanäle irrt, könnte sensibleren Kindern durchaus Angst bereiten. Doch der Regisseur relativiert: „Unser Film ist zwar ein bisschen ­gruselig, aber niemals gefährlich.“ Und damit es den Eltern nicht langweilig wird, haben die Filmemacher für sie speziell ein paar Gags eingebaut. So ist „Doktor Proktors Pupspulver“ wirklich ein Film für die ganze Familie.

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