Wer am Marienplatz mit seinem Moutainbike die Zahnradbahn hinauf nach Degerloch benutzen will, muss Wartezeit und Geduld mitbringen Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Nach dem Massenandrang am Eröffnungswochenende kehrt an der neuen Downhill-Strecke in Degerloch so etwas wie Normalität ein. Aber auch die muss sich erst noch einspielen. Und vor der Zacke stehen die Mountainbiker dennoch in der Schlange.

Stuttgart - Auch am Dienstagnachmittag ist einiges los rund um die Startrampe unterhalb des Albplatzes in Degerloch. Es sind Herbstferien, das Wetter ist sonnig und trocken. Schüler haben Zeit für Freizeitunternehmungen, sie sind gleich gruppenweise mit dem Rad unterwegs. Aber auch einige Erwachsene tauchen auf, alle fachmännisch ausgerüstet mit Dress, Helm und Protektoren. „Ich hab’ mir extra einen halben Tag freigenommen“, sagt ein 42-Jähriger. Der Hobbyradler will „einfach nur Spaß haben“. Lange warten muss er am Start nicht. Im Gegensatz zum zurückliegenden Wochenende verteilt sich der Fahrbetrieb auf dem sogenannten Woodpecker-Trail am Dienstag auf angenehme Weise.

Nach der rund dreiminütigen Abfahrt auf der 1020 Meter langen Strecke bis hinab zum Endpunkt an der Karl-Kloß-Straße dauert es eine weitere Viertelstunde, ehe der Fahrer wieder oben angelangt ist. Er hat einen Nebenweg durch den Dornhaldenwald, den früheren Panoramatrail, für den Anstieg zurück genommen. „Aber wenn man ein paar Mal die Downhill-Strecke fahren will, wird dieser Rückweg auf Dauer einfach zu anstrengend“, stöhnt ein anderer Radler, der die 200 Höhenmeter zwischen End- und Anfangspunkt der Strecke ebenfalls auf seinem Rad zurückgelegt hat und oben erst einmal um Luft ringt. „Man muss mit seinen Kräften haushalten, denn die herausfordernde Strecke erfordert volle Konzentration“, sind sich die beiden Erwachsenen einig.

Deshalb werden sie wie die meisten Jugendlichen, die ohnehin weniger Lust aufs Hochstrampeln zu haben scheinen, nach der nächsten Abfahrt die öffentlichen Verkehrsmittel für den Rückweg in Anspruch nehmen. Vom Endpunkt der Strecke bis zum Marienplatz rollt man nur wenige hundert Meter locker aus. Dort allerdings müssen die Radler Geduld mitbringen. „Ich warte schon eine halbe Stunde“, sagt ein jugendlicher Biker an der von vielen Rädern gesäumten Haltestelle der Zacke.

Platz nur für zehn Räder

Die viertelstündlich verkehrende Zahnradbahn hat zwar ausreichend Sitzplätze, doch Fahrräder dürfen nicht mit ins Innere genommen, sondern nur auf dem Vorstellwagen befördert werden. Und dort ist eben nur Platz für zehn Räder. „Ein zweiter ­Wagen für Räder wäre schon cool“, sagt ein Fahrgast. „Ich darf aus Sicherheitsgründen maximal eine Tonne befördern, und der beladene Vorstellwagen wiegt schon 780 Kilogramm“, sagt der Fahrer der Stadtbahn. Wer schließlich einen Platz gefunden hat, ist in sieben Minuten wieder oben in Degerloch. 20 Minuten dauert die Fahrt, wenn man statt der Zacke mit der U1 bis Charlottenplatz fährt und dort eine der drei möglichen Stadtbahnen bis Degerloch nimmt. „Aber da sind halt Sperrzeiten, in denen die Mitnahme von Rädern nicht gestattet ist, zu beachten“, sagt ein Mountainbiker und bezeichnet das Hochschieben durch den Wald als „die zeitlich schnellste Alternative“.

Die Nutzung des Waldwegs war auch die dringende Bitte, die Jannick Henzler vor dem Startwochenende an die Besucher richtete. „Die meisten haben sich auch daran gehalten“, blickt der Macher der AG Downhill Stuttgart zurück. Dass sich am Samstag und Sonntag trotzdem zweitweise „Highlife und Chaos“, so Henzler, am Marienplatz abspielten, will er nicht abstreiten. Er führt das auf den „Ausnahmezustand“ zurück, für den rund 400 anwesende Biker beim Eröffnungsfest am Samstag (und fast ebenso viel am Sonntag) sorgten. „So viele an einem Tag wird es bestimmt nicht wieder geben“, ist sich Henzler sicher. Die Strecke selbst hat den ersten Massenandrang gut überstanden. „Ein paar Hundert Fahrer hinterlassen natürlich ihre Spuren, aber es gibt nur Kleinigkeiten auszubessern“, sagt Jannick Henzler zufrieden. Ein Bauteam unter Leitung von Chefplaner Dirk Vollmer kümmert sich im Auftrag der Stadt, die Eigentümer der Strecke ist, regelmäßig um die Instandhaltung.

Bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG hat die neue Situation am Marienplatz kein Kopfzerbrechen ausgelöst. „Wir haben uns darauf eingestellt“, sagt SSB-Sprecherin Birte Schaper. Man müsse der Sache auch „erst einmal Zeit geben“.