Der „Woodpecker-Trail“ zwischen Degerloch und Heslach ist beliebt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Regen, Schnee oder Matsch: Die Downhill-Fahrer stört das nasskalte Wetter nicht, sie brettern trotzdem den Woodpecker-Trail hinab. Nach der Abfahrt setzen sich manche Biker mit der verschlammten Kleidung auf die Polstersitze der Zahnradbahn. Das bewirkt Ärger...

S-Süd/Degerloch - Offenbar hält es jeder Zacke-Fahrer anders: Manche sagen den Downhill-Bikern, deren Kleidung vor allem im Winter oft verschlammt und nass ist, ganz direkt, dass sich diese nicht auf die Polstersitze in der Zacke setzen sollen. Andere drücken während der zehnminütigen Fahrt vom Marienplatz bis nach Degerloch beide Augen zu. So hat es zuletzt Wolfgang Raible erlebt, ein 63-jähriger Mann, der direkt an der Strecke der Zahnradbahn lebt und beinahe täglich die Zacke nutzt.

„Ich war mit meiner Frau unterwegs in Richtung Degerloch, und sechs Downhill-Biker waren mit uns in der Zacke“, berichtet er. Durch das nasse Wetter sei die Kleidung aller sechs Fahrer deutlich verschmutzt gewesen. „Vier von ihnen haben sich ungeachtet ihrer schmutzigen Kleidung auf die Polstersitze gesetzt.“ Daraufhin habe er gemeinsam mit seiner Frau den Zacke-Fahrer angesprochen: „Die vier Downhill-Biker haben das mitbekommen und sind sofort aufgestanden. Als der Zacke-Fahrer aber zu uns sagte, dass er nichts machen könne, haben sich die Biker wieder hingesetzt.“

Nicht alle Downhill-Biker sind rücksichtslos

Dieses Erlebnis hat Wolfgang Raible so geärgert, dass er eine Mail an den Sportbürgermeister Martin Schairer (CDU), den Bezirksvorsteher von Stuttgart-Süd, Raiko Grieb, sowie an die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) verfasst hat. In der Mail wirft er den Beteiligten vor, dass sie sich vor dem Problem einfach wegduckten: „Die Dummen sind die anderen Fahrgäste, die sich nicht auf die verschmutzten Sitze setzen können und zudem indirekt die Reinigung der Wagen mit ihrem Fahrpreis bezahlen“, schreibt er.

Dass sich Raible in dieser Sache äußert, ist nicht das erste Mal. Bereits im September 2017 hatte er eine Mail an den Sportbürgermeister Martin Schairer geschrieben, in der er darum bat, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen. „Ich habe bis heute keine Antwort erhalten“, sagt er. Raible betont, dass er die mittlerweile legale Downhill-Strecke zwischen Degerloch und Heslach generell für eine „super Sache“ hält und keinesfalls alle Downhill-Biker so rücksichtslos seien und sich trotz verschlammter Kleidung auf die Polstersitze in der Zacke setzten: „Es sind nur einzelne Personen, aber bei einer zunehmenden Anzahl der Downhiller wird auch diese Gruppe zwangsläufig größer“, sagt er.

SSB will keine Regelung für die Zacke-Fahrer treffen

Er hat verschiedene Ideen, wie man rücksichtslose Downhill-Bikern begegnen könnte: „Es würde ja vielleicht schon helfen, wenn man entsprechende Hinweisschilder an die Türen der Zacke anbringen würde.“ Alternativ hält er es für sinnvoll, dass alle Fahrer der Zacke angewiesen würden, auf das Problem zu achten. „Die altgedienten Zacke-Fahrer ignorieren das Thema sowieso nicht. Es müssten nur eben auch die Fahrer, die noch nicht so lange im Dienst sind, entsprechend aktiv werden“, sagt Raible.

Die SSB will unterdessen keine einheitliche Regelung für die Zacke-Fahrer treffen. „Allgemein bitten wir unsere Fahrgäste, auf andere Fahrgäste Rücksicht zu nehmen, also zum Beispiel nicht die Sitze zu verschmutzen – ob nun durch Matsch und Schlamm oder durch Essen oder staubige Kleidung. Das gilt selbstverständlich auch für die Downhill-Fahrer in der Zacke“, sagt Birgit Kiefer aus der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. „Es gab im Vorfeld der Eröffnung auch Gespräche mit der Downhill-Initiative, bei denen über das richtige Verhalten gesprochen wurde.“

Es gebe natürlich immer wieder Einzelfälle, bei denen gelegentlich noch Diskussionsbedarf bestehe, sagt Kiefer. „Nach unserer Erfahrung hat die gegenseitige Rücksichtnahme bisher aber gut geklappt. Downhill-Fahrer sind nun mal keine homogene Gruppe.“

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