Nächtliche Simulation des neuen Dorotheen-Quartiers (vorne Mitte) Foto: Behnisch Architekten/Zapf Architectural Renderings

Noch eineinhalb Jahre, dann verfügt Stuttgart mitten in der Stadt über einen weiteren Treffpunkt mit hoher Erlebnisqualität. Mehr als 200 Millionen Euro investiert Breuninger ins neue Dorotheen-Quartier am Karlsplatz. Am Dienstag gab’s die Grundsteinlegung.

Stuttgart - OB Fritz Kuhn (Grüne) machte in der mittäglichen Hitze – in der die 200 geladenen Gäste immerhin durch ein Sonnensegel geschützt waren – aus seinem Urteil über den seitherigen Anblick keinen Hehl: „Der Bereich hinter Breuninger war bislang nicht sonderlich attraktiv.“ Umso erfreuter sei er jetzt darüber, dass nun ein architektonisch ansprechender neuer Anlaufpunkt entstehe. Die sinnvollste Überschrift zu diesem Dienstag sei: „Aus einem Hinterhof wird ein modernes Stadtquartier.“ Und Kuhn bedankte sich dafür, „dass Breuninger den Erhalt des Hotel Silber als historischen Lern- und Gedenkort mit unterstützt und in die Planung einbezogen hat“.

Nach Einschätzung des Vorsitzenden der Unternehmensleitung, Willy Oergel, entsteht zwischen Rathaus und Schlossplatz ein „lebendiger, urbaner, neuer Treffpunkt“. Der Dreiklang von Markthalle, Breuninger und eben Dorotheen-Quartier sei „einzigartig: Viele andere Städte werden Stuttgart darum beneiden, die Stuttgarter und die Besucher unserer Stadt werden begeistert sein“. Der aus drei einzelnen Gebäudeteilen bestehende Komplex mit bis zu neun Geschossen wird Büros, Einzelhandelsflächen und 20 hochwertige Wohnungen (zwischen 65 und 180 Quadratmeter) kombinieren. Breuninger selbst wird im Dorotheen-Quartier keine Flächen nutzen. Die Tiefgarage bietet Platz für 350 Autos – und dazu kommen auch 350 Fahrradstellplätze. Eine Erkenntnis, die den Oberbürgermeister sichtlich zufrieden stellte. Ebenso wie das vorherige Bekenntnis von Landes-Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid, der zuvor angesichts der Fördersumme von 220 Millionen Euro in den vergangenen Jahren für Stuttgart erklärt hatte: „Dem Land ist seine Hauptstadt lieb und teuer.“ Das vernehme er gern, so Kuhn schelmisch, gerade mit Blick auf die anstehende Opernsanierung.

Architekt Stefan Behnisch hob hervor, dass die zwischenzeitlich vom Land vorgegebene Umplanung „ärgerlich und teuer für den Bauherrn“ gewesen sei. Allerdings sei man so auch zu besseren Lösungen gekommen, denn aus den ursprünglich geplanten zwei großen Blöcken seien nun drei kleinere Blöcke geworden. Entstehen werde „eine Stadtstruktur, die sich an dem ehemals Gewachsenen orientiert, alte Verbindungen wieder öffnet und frühere städtische Beziehungen wieder aufnimmt.“

Oergel rückte im Übrigen noch ein Ansinnen in den Fokus: Es geht um die erhoffte Benennung der neu geschaffenen Wegbeziehung am Dorotheen-Quartier: Eduard-Breuninger-Straße soll sie heißen. „Bisher haben wir dafür keine große Unterstützung bekommen“, räumte der Breuninger-Chef ein. Er verwies jedoch auf andere Firmengründer oder Pioniere, die im Stadtbild auftauchten – etwa mit der Mercedesstraße, dem Porscheplatz oder der Fanny-Leicht-Straße. Der Beifall nach seiner Forderung zeigte, dass Oergel etliche Unterstützer hat – zumindest in den Reihen der Ehrengäste.

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