Im nächsten Frühjahr soll es im Dorotheen-Quartier am Karlsplatz rund gehen – derzeit dominieren noch die Bauleute Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

An diesem Donnerstag stellt Breuninger die neuen Händler im Dorotheen-Quartier vor – doch die Auswahl löst Ärger aus.

Stuttgart - Der Stuttgarter Händler ist stinksauer. Er hatte sich für eine Gewerbefläche im neuen Dorotheen-Quartier von Breuninger beworben. Und ist letztendlich nicht erfolgreich gewesen. „Ich bin aber nicht verärgert, weil sie mich nicht genommen haben. Sie können natürlich aussuchen, wen sie wollen“, sagt er. Stattdessen hielten er und mancher Kollege das Auswahl-Prozedere für fragwürdig.

Er selbst hat nach eigenen Angaben nach Rücksprache mit Breuninger ein Konzept erstellt. Das habe ihn viel Zeit, Mühe und 1800 Euro gekostet. Nach Monaten sei schließlich die Ablehnung gekommen. Zeitgleich habe er aus der Immobilienabteilung von Breuninger unter der Hand erfahren, dass die gewünschten Mieter längst festgestanden seien und er ohnehin keine Chance gehabt habe. „Das Geld hätte ich mir auch sparen können“, sagt er nun. Ähnliche Andeutungen gibt es auch von anderen Geschäftsleuten, die mit ihrer Bewerbung nicht zum Zug gekommen sind.

Breuninger investiert 200 Millionen Euro

200 Millionen Euro lässt Breuninger sich seine neue Nachbarschaft kosten. Für diese Summe baut das Stuttgarter Kaufhausunternehmen das Dorotheen-Quartier am Karlsplatz mit Büros für Ministerien, Wohnungen, Geschäften und Restaurants. Dort reagiert man verwundert auf die Vorwürfe. „Das stimmt alles nicht“, sagt Unternehmenssprecher Christian Witt. Man habe schließlich keine Ausschreibung gemacht, noch nicht einmal für die Flächen offiziell geworben. „Wir haben zum einen einige mögliche Mieter direkt angesprochen, zum anderen aber auch viele Anfragen bekommen“, sagt Witt. Aus beiden Gruppen gleichermaßen habe man die Mieter für die 11 000 Quadratmeter Handels- und Gastronomieflächen ausgewählt. Sie werden an diesem Donnerstag vorgestellt.

Dass es jetzt viele lange Gesichter gibt, ist sicher. Denn der Ansturm auf die Flächen, die man bei Breuninger selbstbewusst „die lebendige neue Stadtmitte“ nennt, war enorm. „Wir hatten eine dreistellige Zahl von Bewerbern“, sagt Witt. Rund 20 davon dürften es am Ende ins Dorotheen-Quartier schaffen. Sicher ist bisher nur, dass die Buchkette Hugendubel darunter sein wird, die erst unlängst ihre Filiale in der Königstraße geschlossen hat. „Wir freuen uns, dass es ein so großes Interesse gibt“, sagt Witt mit Blick auf das Gerangel um die besten Plätze. Und er ist sich sicher: „Durch das Projekt wird die Gegend zwischen Markt- und Karlsplatz zu einer neuen 1a-Lage in unserer Stadt.“

Das gilt offensichtlich nicht nur für die Handelsflächen, die im Frühjahr 2017 Eröffnung feiern sollen. Auch die bis zu 300 Quadratmeter großen Luxusmietwohnungen im oberen Preissegment finden ihre Kundschaft. Obwohl die 20 Wohneinheiten noch nicht einmal offiziell im Angebot sind, gibt es auch für sie bereits weit über 100 Interessenten. Die Zahlungskräftigen der Stadt glauben also daran, dass aus dem Areal, das früher Hinterhofcharakter hatte, das neue Vorzeigeviertel werden könnte.

90 Prozent der Mieter stehen fest

An diesem Donnerstag ist das Rätselraten um die Nutzer im Dorotheen-Quartier jedenfalls beendet. Rund 90 Prozent der Mieter stünden fest und würden bekannt gegeben, heißt es bei Breuninger. Versprochen werden „wertiger Einzelhandel und gastronomische Highlights“. Im Gespräch war zuletzt auch immer wieder eine Filiale des hochpreisigen Taschen- und Accessoire-Unternehmens Louis Vuitton.

Der Stuttgarter Händler jedenfalls wird nicht dabei sein. Er hat kurzzeitig sogar darüber nachgedacht, juristisch gegen Breuninger vorzugehen. Dafür gibt es allerdings keinerlei Grundlage. „Ich muss es dabei belassen, dass das für mich eine sehr ärgerliche Geschichte war“, sagt er. Für Breuninger allerdings bedeuten solche Episoden wohl vornehmlich eines: Einen Beweis für die Zugkraft des neuen Quartiers.

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