Doro Pesch Foto: dpa

Doro Pesch hat den schönsten Beruf der Welt, und am 19. Dezember feiert sie in Ludwigsburg.

Ludwigsburg - Doro Pesch wirkt noch ein bisschen aufgedrehter, ihre Stimme klingt noch ein bisschen rauer als sonst. Gestern Abend hat sie in Berlin mit einer großen Party die Veröffentlichung ihrer DVD "25 Years In Rock" gefeiert. Bis in den Morgen. Auf jedes Anzeichen von Ermüdung reagiert die 46-Jährige aber mit einer Überdosis Enthusiasmus: "Sie müssen wissen, ich habe den schönsten Beruf der Welt", sagt sie und holt tief Luft, "aber auch den härtesten." Denn Doro Pesch ist Sängerin - und seit nun schon über einem Vierteljahrhundert eine Institution in Sachen Heavy Metal.

1984 veröffentlichte die Grafikdesignerin aus Düsseldorf mit der Band Warlock das Album "Burning the Witches". Und es war eine Sensation, dass es damals eine Frau wagte, in einer Heavy-Metal-Band zu singen. Auch heute noch ist Schwermetall Männersache. "Ich weiß auch nicht, warum sich so wenig Frauen ans Mikrofon trauen", sagt sie, "immerhin tauchen im Publikum inzwischen auch immer mehr Frauen auf." Heavy Metal sei schon lange nicht mehr reine Machomusik. "Die meisten Kollegen sind unglaublich nette Typen."

Doro Pesch stand kürzlich erst mit Motörhead auf der Bühne

Sie muss es wissen, schließlich ist sie früh schon mit den Großen des Genres getourt: mit Judas Priest, mit Ronnie James Dio, mit den Scorpions oder mit Motörhead. Mit Lemmy Kilmisters Band war sie auch Anfang Dezember wieder auf Tour, trat mit Motörhead in der Schleyerhalle auf. Ein paar Nummern kleiner wird es zugehen, wenn sie am 19. Dezember in Ludwigsburg Headlinerin beim Rockfabrik-X-Mas-Festival sein wird. "Natürlich fühlt es sich besser an, in einem Rockclub statt in einer Arena aufzutreten", sagt sie, "mir ist es immer wichtig, dass ich die Leute auch anfassen kann, das geht natürlich nur dann, wenn es keinen Riesen-Bühnengraben gibt, der sich zwischen einem und den Fans befindet."

Für die Feier ihres 25-Jahr-Bühnenjubiläums war dann aber doch kein Rockschuppen groß genug - das Spektakel musste in den Düsseldorfer ISS Dome verlegt werden, in dem Doro Pesch mit 8000 Zuschauern rund drei Stunden lang ausgiebig feierte und als Gäste neben Warlock und Tarja Turunen auch Klaus Meine und Rudolf Schenker von den Scorpions auf die Bühne holte, mit denen sie "Big City Lights" und "Rock You Like A Hurricane" sang.

Doro Pesch als Botschafterin des deutschen Heavy Metal

Damals, als Doro Pesch ihre Karriere begann, gab es das Wort Heavy Metal noch gar nicht. "Wir haben damals einfach drauflos gespielt und irgendwann plötzlich gemerkt, dass wir Teil einer neuen Szene waren", sagt sie und ist stolz darauf, Zeitzeugin des Beginns der New Wave of Heavy Metal Anfang der 80er Jahre gewesen zu sein. "Und ich hätte damals nie zu träumen gehofft, 25 Jahre später noch mit dieser Musik auf der Bühne stehen zu dürfen."

Doch noch immer jettet sie als Botschafterin des deutschen Heavy Metal von Japan nach Russland, von Australien in die USA und hat auch die Krise gut überstanden, in die der Heavy Metal in den 90er Jahren geriet, als plötzlich alle nur noch Grunge hören wollten.

"Das liegt aber nur daran, dass die Fans uns immer unterstützt haben, dass sich viele enge Freundschaften gebildet haben", sagt sie und lacht heiser: "Wissen Sie, ich bin nicht verheiratet, ich habe keine Kinder - die Fans sind meine Heavy-Metal-Familie."

X-Mas-Festival mit Doro in der Rockfabrik Ludwigsburg am 19. Dezember (Beginn: 17 Uhr); die DVD-Box "Doro - 25 Years In Rock" (Nuclear Blast/Warner) ist bereits erschienen.

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