Feiert seinen 60. bei den Internationalen Jazztagen im Theaterhaus: Nils Landgren. Foto: Act

Zwei herausragende Musiker feiern runde Geburtstage – und sie tun es im Theaterhaus bei den Internationalen Jazztagen, mit denen beide lange verbunden sind: Der schwedische Posaunist und Sänger Nils Landgren (60), ein polyglotter Tausendsassa der europäischen Jazzszene, und der begehrte deutsche Schlagzeuger Wolfgang Haffner (50).

Stuttgart - Zwei herausragende Musiker feiern runde Geburtstage – und sie tun es im Theaterhaus bei den Internationalen Jazztagen, mit denen beide lange verbunden sind. Der schwedische Posaunist und Sänger Nils Landgren, ein polyglotter Tausendsassa der europäischen Jazzszene, wurde im Februar 60, der begehrte Schlagzeuger Wolfgang Haffner jüngst 50.

Gott sei Dank. Denn wegen eines schweren Herzinfarkts vor anderthalb Jahren hätte der Franke, der auf Ibiza wohnt, diesen Geburtstag um ein Haar nicht mehr erleben dürfen. Seither teilt Haffner seine Kräfte besser ein, treibt regelmäßig Sport und ­besinnt sich auf das Wesentliche, im Leben wie in der Musik. Lieber ein Konzert weniger, keine Note zu viel, mehr um sich selber kümmern, anstatt sich Stress auszusetzen: Das ist nach seiner existenziellen Gesundheitskrise das neue Lebensmotto dieses liebenswerten Musikers, der so gelassen und meist strahlend Schlagzeug spielt.

Deutschlands begehrtester Drummer, ein großer Bewunderer von Steve Gadd, konnte schlecht Nein sagen. Wenn sie ihn riefen, war er zur Stelle und reiste fast nonstop um die Welt. Er trommelte bei Chaka Khan, den Fantastischen Vier, den No Angels, bei Pat Metheny, Till Brönner, Klaus Doldinger oder früher bei Albert Mangelsdorff. Über 400 Platten gibt es mit seiner Beteiligung.

Haffner und Landgren bringen eine starke All-Star-Besetzung mit

Für die schönsten zeichnete er selbst verantwortlich. So zuletzt bei „Kind Of Cool“, einer entspannten Hommage an die erfolgreichste Platte der Jazzgeschichte, an „Kind Of Blue“ von Miles Davis. Das bei ACT erschienene Album ist eine runde Sache geworden mit dem wunderbaren Haffner-Groove, und – nomen est omen – es ist so cool wie der Mann am Drumset. Auch wenn er längst nicht mehr alle Jobs annimmt, macht Haffner, Sohn eines Kirchenmusikdirektors, gern mal eine Ausnahme. Und zwar wenn sein Freund und Kollege Nils Landgren anruft. Eine starke Besetzung bringen die beiden am 26. März mit ins Theaterhaus, eine europäische All-Star-Band mit Dieter Ilg, Joo Kraus, Magnus Lindgren, Chris Dell und Roberto di Gioia. Dieses Konzert verspricht ein Höhepunkt des Osterfestivals zu werden, vielleicht gar einer des ganzen Jazzjahrs 2016.

Nils Landgren, der Mann mit dem roten Horn, wird als jung gebliebener Sechzigjähriger auf die Bühne kommen, um mit geschmeidigen Posaunensoli und seiner hellen, stets ein wenig heiseren Stimme das Publikum zu begeistern. Begonnen hat die Karriere von Landgren in der schwedischen Provinz Örebro als Trommler im Spielmannszug seines Heimatorts Degerfors. Von da an ging es steil bergauf. Mit hoher Begabung, Ausdauer, Disziplin und Risikobereitschaft wurde der kleine Nils schließlich zum großen Jazz-Posaunisten, der rund 250 Termine im Jahr absolviert.

Landgren hat viele Aktivitäten

Gastprofessor in Schanghai, ordentlicher Professor in Hamburg, künstlerischer Leiter des Festivals Jazz Baltica, Ehrendoktor der Universität Karlsstad, Posaunist und Produzent zahlreicher Alben seines Hauslabels ACT, Unterstützer von Ärzte ohne Grenzen, Initiator des Afrikaprojekts Funk For Life – die Liste von Landgrens Aktivitäten ist noch viel länger.

Zuletzt hat er zusammen mit den Bochumer Symphonikern, US-Sängerin Janis Siegel und Arrangeur Vince Mendoza ein großes Projekt mit Kompositionen von Leonard Bernstein realisiert. Dessen Credo hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt: „Musik ist unsere Antwort auf Gewalt.“ Wäre das nicht auch ein schönes Motto der 29. Jazztage? Wir gratulieren Nils Landgren und Wolfgang Haffner jedenfalls recht herzlich und freuen uns auf ein tolles und friedliches Osterfestival im Theaterhaus.

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