Die Stadt Sindelfingen rechnet in den Jahren 2025 und 2026 erneut mit reichlich Gewerbesteuereinnahmen. Doch die laufenden Kosten und die Investitionen schlagen mächtig ins Kontor. Die hohen Rücklagen können das auffangen – noch.
Die Stadt Sindelfingen hat zwar enorme Ausgaben zu stemmen und kann die laufenden Kosten in den nächsten Jahren nicht ansatzweise decken – doch profitiert sie von den gewaltigen Gewerbesteuereinnahmen der jüngeren Vergangenheit. Mehr als 500 Millionen Euro liegen in Sindelfingen als Rücklagen auf der hohen Kante, quasi das prall gefüllte Sparbuch der Stadt, die bereits seit 2010 komplett schuldenfrei ist. Allerdings wird dieser Goldtopf in den nächsten Jahren durch die hohen Ausgaben deutlich leerer. „Bis 2029 sind da voraussichtlich noch 100 Millionen Euro drin“, erläuterte der Finanzbürgermeister Christian Gangl auf einer Pressekonferenz zum Doppel-Haushalt 2025/26, den die Verwaltung am Dienstag in den Gemeinderat eingebracht hat. Auf Dauer muss sich trotz des dicken Finanzpolsters auch in Sindelfingen grundsätzlich etwas ändern.
2023 hatte Sindelfingen einen Rekordwert bei den Gewerbesteuereinnahmen vermeldet: 320 Millionen Euro flossen damals in das Stadtsäckel. 2024 waren es noch einmal über 200 Millionen Euro – jeweils rund 100 Millionen mehr als geplant. Für das laufende und das kommende Jahr rechnet die Stadt mit 148 und 128 Millionen Euro. „Für 2025 können wir das durch die Vorauszahlungsbescheide ganz gut vorhersagen“, meinte Oberbürgermeister Bernd Vöhringer, für 2026 habe man den Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre genommen. „Aber ich bin recht zuversichtlich, dass das so eintrifft“, ergänzte Finanzbürgermeister Christian Gangl. Die Krise bei den Autoherstellern und insbesondere bei Daimler scheint sich (noch) nicht auf das Stadtsäckel auszuwirken.
So kann sich die Stadt leisten, weiterhin enorm zu investieren. In den Ausbau des A81-Anschlusses Sindelfingen-Ost fließen bis 2029 fast 40 Millionen Euro, in die Sanierung der Marktplatz-Tiefgarage rund 28 Millionen, diverse Radwege-Projekte verschlingen zwölf Millionen. Aber auch in Schulsanierungen und -Neubau wird kräftig Geld gesteckt, beim Schulcampus Darmsheim sind in nächster Zeit die ersten Planungsschritte vorgesehen. 2025 und 2026 sollen insgesamt jeweils 60 Millionen Euro investiert werden. Weitere Großprojekte wie die mögliche Hallenbad-Erweiterung und das Kultur- und Bürgerzentrum stehen dabei nach wie vor in der Planungsphase.
Laufende Kosten übersteigen die Einnahmen
Gleichzeitig plagt die Stadt Sindelfingen wie die meisten anderen Kommunen das „strukturelle Defizit“ im Ergebnishaushalt – sprich: Unabhängig von den Investitionen sind die laufenden Ausgaben höher als die Einnahmen. 2025 beträgt das Minus voraussichtlich rund 18 Millionen, 2026 sogar fast 30 Millionen Euro. Wo soll das hinführen? „Wir müssen das Thema Haushaltskonsolidierung erneut in den Fokus rücken“, betont Christian Gangl. Neben eine Strukturanalyse schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, mit Hilfe externer Dienstleister tiefer in die Rathausstrukturen zu blicken und eine Art Generalinventur zu machen.
Allein beim Personal sind für 2025 mehr als 94 Millionen Euro eingeplant – die zu erwartende Tariferhöhung bereits mit einberechnet. Dennoch will die Stadt 22 neue Stellen schaffen, in den Bereichen Kita, Soziales und Bauen. „Wir bekommen die Aufgaben sonst nicht gestemmt“, betont Vöhringer. Zudem rächt sich das Gewerbesteuer-Spitzenjahr 2023 wie gewohnt zwei Jahre später, wenn die Umlagen an Kreis und Land berechnet werden. 2025 muss die Stadt Sindelfingen fast 105 Millionen Euro allein an den Landkreis zahlen, ein Rekordwert. Neben der Freude über hohe Einnahmen drücken also die hohen Kosten auf die Stimmung. „Es scheint viel Sonne“, sagte Bernd Vöhringer mit Blick aus dem Fenster, „aber ein paar dunkle Wolken gibt es leider auch.“