Denkendorfs Frauen-Handball-Trainer Christoph Hönig spielt in der kommenden Saison für die Männer des Vereins. „Für beide Seiten ist das eine gute Sache.“
„Ehrgeizig ist ein Wort, das ihn ganz gut beschreibt“, sagt Moritz Müller über Christoph Hönig. Er muss es wissen, denn die beiden kennen sich gut: Müller ist Trainer des Männer-Handball-Verbandsligisten TSV Denkendorf, Hönig der Coach der Oberliga-Frauen des Vereins. Daran wird sich in der kommenden Saison nichts ändern, eine entscheidende Veränderung gibt es aber schon: Müller und Hönig werden noch deutlich mehr miteinander zu tun haben, denn Hönig wird zusätzlich zu seinem Job als Coach der Frauen für die Männermannschaft spielen.
Dass es so kam, hat durchaus auch etwas mit Hönigs Ehrgeiz zu tun. Seine Lebensumstände und damit die Prioritäten ändern sich, weil seine – bei den Denkendorferinnen spielende – Frau Sophie und er bald Eltern werden. Im Moment ist Christoph Hönig auch noch Kapitän des Oberligisten SV Leonberg/Eltingen – und da wird der Aufwand einfach zu viel. Zwei Mal Training an einem Abend, zwei Spiele an einem Wochenende, dazwischen 32 Kilometer Fahrt. „Ich habe in den vergangenen 15 bis 20 Jahren alles hinten angestellt, habe keine Geburtstagsfeier mitgemacht, weil ich beim Handball war“, sagt er zudem. Und er will nach fünf Knie-Operationen ein bisschen mehr auf seinen Körper achten. Das hinten Anstellen soll nun zumindest weniger werden. Aber: „Ich habe mir überlegt, zu einer zweiten Mannschaft zu wechseln – zwei Mal in der Woche kicken und am Wochenende ein Spiel.“ Das hat er dann doch nicht über sich gebracht. Thema Ehrgeiz.
Kurze Wege
Die Denkendorfer Männer waren da eine gute Lösung: immer noch auf einem ordentlichen Niveau spielen, sich auf den Trainerjob konzentrieren – und kurze Wege haben.
Müller und Dominik Janu, der sportliche Leiter der Denkendorfer Männer, freuen sich natürlich über den Coup. „Wir können so einen Typen wie ihn gut gebrauchen“, sagt Janu. Und was ist er für einer? „Er ist ein ganz intelligenter Rückraumspieler, einer, der seine Mitspieler besser macht und selbst Akzente setzt“, erklärt der Funktionär und Zweite-Mannschaft-Spieler Janu. Die Wege zu den Frauen sind übrigens auch hier sehr nah, denn Janus Frau Anna ist deren sportliche Leiterin.
Müller ist auch froh. Er hatte Hönig vor einem Jahr schon gefragt, ob er auch als Spieler nach Denkendorf kommen möchte. Damals hatte der gerade von seinem Vater Ralf Hönig den Trainerjob bei den Frauen übernommen – auch das ist eine ungewöhnliche Geschichte. Christoph Hönig aber sah seine Mission bei Leonberg/Eltingen noch nicht beendet.
Dass die Konstellation funktioniert, daran haben alle in Denkendorf keinen Zweifel. „Ich bin Spieler, er ist Trainer“, stellt Hönig seine Rolle bei den Männern klar, „ich mache das ja schon seit mehr als zehn Jahren so.“ Denn mit 18 Jahren trainierte er schon die Frauen des TSV Weissach, griff aber weiterhin selbst zum Ball. Einmal unterschrieb er beim TSV Wolfschlugen, machte für das Team aber aufgrund eines Kreuzbandrisses kein einziges Spiel.
Es ist aber auf keinen Fall hinderlich, dass Hönig von Müllers Tun überzeugt ist. „Er weiß, wie Handball zu spielen ist. Ich glaube, wir können beide voneinander lernen“, lobt der 29-jährige Hönig und sagt über den zwei Jahre jüngeren Müller sogar: „Ich hoffe, dass er mich noch weiterentwickeln kann.“ Der hört das gerne und betont: „Für beide Seiten ist das eine gute Sache. Ich hoffe, dass Christoph mit den jungen Spielern seine Erfahrung teilen und ein Mentor sein kann.“
Der Fokus liegt auf dem Trainerjob
Klar abgesprochen ist auch, so war das schon mit Leonberg/Eltingen, dass Hönigs Fokus auf seiner Arbeit bei den Frauen liegt. „Ich möchte irgendwann länger Trainer als Spieler sein“, sagt er und macht auch hier aus seinem Ehrgeiz keinen Hehl: „Oberliga soll nicht das Ende sein. Vielleicht ist das hoch gegriffen, aber ich möchte, dass irgendwann Bundesliga drauf steht, ob erste, zweite oder dritte.“
Das heißt aber nicht, dass sie in Denkendorf Bedenken haben müssen, dass er den Verein sehr bald verlässt. Hönig hat als Coach für die kommende Runde längst zugesagt und hatte vor seinem Amtsantritt einen Fünf-Jahres-Plan vorgelegt. Vielleicht schafft Hönig, der mit seiner Sophie in Neckartailfingen wohnt und als Logistik-Manager arbeitet, ja den Sprung in die Regionalliga schon in Denkendorf. In der laufenden Runde waren die TSV-Frauen schon nicht so weit, zumindest von der Relegation entfernt, ehe ihnen gegen Saisonende das Personal und damit die Luft ausging.
Und wie sieht es bei den Männern aus? Hönig ist ein wichtiger Baustein, was die Planungen für die kommende Runde betrifft, aber nicht der einzige. Dazu kommen Lenny Piskureck von der HSG Ostfildern, Jonas Jacobs vom TSV Wolschlugen, Jonas Wichary von der JANO Filder und Jakob Eisenbraun vom SV Remshalden. Leon Lohmann (verletzungsbedingt Pause) und Marcel Beck (eigene zweite Mannschaft) stehen bislang als Abgänge fest. „Wir bekommen vor allem in der Breite Verstärkungen dazu. Wir haben in dieser Saison gemerkt, dass wir das brauchen“, erklärt Müller. Janu schließt daraus: „Das Ziel ist es, so hoch wie möglich anzugreifen.“ Was heißt das konkret? „Auch angesichts unseres Budgets wird es nie ein Muss geben, aber wir wollen aufsteigen“, formuliert Janu. Gut, wenn man für dieses Projekt so einen ehrgeizigen Handballer wie Christoph Hönig gewinnen kann.