Trost für den Teamkollegen: Johannes Rydzek (oben) nimmt Vinzenz Geiger in den Arm. Foto: IMAGO/NTB

Auch im dritten olympischen Rennen gehen die deutschen Kombinierer leer aus – doch Platz fünf im Teamsprint für Vinzenz Geiger und Johannes Rydzek war besonders bitter.

Menschliche Größe zeigt sich vor allem in der Niederlage. Diesmal drückte sie sich zunächst in zahlreichen, tröstenden Umarmungen für den gefallenen Teamkollegen aus. Und später auch in Worten. „Im Sport gewinnt man zusammen“, sagte Johannes Rydzek und blickte hinüber zum völlig niedergeschlagenen Vinzenz Geiger, „heute haben wir verloren, und auch das tun wir gemeinsam.“ Es war ein schöner Satz – dabei hätte es bitterer kaum kommen können für die Kombinierer vom SC Oberstdorf.

 

Die Olympischen Spiele im Val di Fiemme sollten eine glänzende Veranstaltung werden. Doch sie wurden zum Reinfall. Erstmals seit 1998 blieben die erfolgsverwöhnten deutschen Kombinierer ohne Medaille. Nach den drei Rennen sprachen Beobachter vom „Fluch im Fleimstal“. Weil nichts zusammenlief. Gar nichts.

Top-Sprünge von Johannes Rydzek und Vinzenz Geiger

Im Wettbewerb von der Normalschanze war Vinzenz Geiger in der tiefen Loipe die Kraft ausgegangen. Beim zweiten Auftritt waren die Medaillenchancen schon nach schwachen Sprüngen auf der Großschanze dahin. Und dann folgte im Teamsprint das finale Desaster.

Vorher hatten alle Beteiligten stets glaubhaft versichert, bei den Winterspielen unter Wert geschlagen worden zu sein, und es sah zunächst auch tatsächlich nach einer Wiedergutmachung aus. Johannes Rydzek schaffte bei dichtem Schneefall mit 123 Metern den weitesten Sprung, Vinzenz Geiger landete nur einen halben Meter dahinter – das deutsche Duo ging mit 13 Sekunden Vorsprung ins Rennen, in dem jeder fünf 1,5-Kilometer-Runden zurückzulegen hatte.

Da konnten sie noch lachen: Vinzenz Geiger (li.) und Johannes Rydzek freuen sich nach dem Springen über ihre Halbzeitführung. Foto: Imago/Beautiful Sports International

Die Taktik der Führenden war klar: Es ging darum, die anderen aufholen zu lassen und selbst Kräfte zu sparen. Es sah zwar so aus, als würden die Skier der beiden Deutschen im tiefen Neuschnee nicht optimal laufen, andererseits kämpften in Norwegen, Finnland, Österreich und Deutschland auch nur vier Teams um die Medaillen – bis zur vorletzten Runde von Vinzenz Geiger.

Vinzenz Geiger: „Es tut mir richtig fett leid“

Der Einzel-Olympiasieger von 2022 passte einen Moment lang nicht auf, stürzte, rappelte sich auf, wollte schnell folgen – und kam erneut zu Fall. „Ich bin einfach nur wütend auf mich selbst, es war das bitterste Rennen meiner Karriere. Ich weiß gar nicht so richtig, was passiert ist. Meine Brille war zu, ich habe nichts gesehen und bin links in ein Loch hineingefahren“, sagte Geiger, der total bedient war: „Ich bin noch nie in einem Rennen gestürzt, das tut mir richtig fett leid für Johannes und das gesamte Team. Wir haben monatelang hart gearbeitet, und dann passiert so ein Fehler, wegen dem wir jetzt ohne Medaille heimgehen. Das tut weh.“ Ähnlich dachte Johannes Rydzek.

„Ich habe zuerst gar nicht realisiert, was passiert ist. Ich habe nur ein Raunen im Publikum über einen Sturz gehört und dachte: bitte nicht der Vinz – doch er war’s“, sagte der Einzel-Olympiasieger von 2018, „es waren für alle unglaublich schwere Bedingungen, und dass es ausgerechnet uns erwischt, ist sehr schade. Wir haben unser Herz auf der Schanze und der Strecke gelassen. Doch so bitter es ist: Wir müssen dieses Ende akzeptieren.“

Bundestrainer Eric Frenzel: „Ein beschissenes Unglück“

Durch den Sturz und den danach fehlenden Rhythmus hatte sich Vinzenz Geiger einen Rückstand von 23 Sekunden eingefangen, am Ende fielen die Deutschen sogar noch hinter Italien auf Rang fünf zurück. Was auch den Bundestrainer nervte. „Die zwei haben heute grandiose Sprünge gemacht und sich in eine ideale Ausgangssituation gebracht“, meinte Eric Frenzel, „und dann passiert so ein beschissenes Unglück. Ich habe Vinz noch nie irgendwo im Schnee liegen gesehen. Dass es ausgerechnet heute geschieht, ist doppelt ärgerlich.“ Den Sieg holten sich im Tiefschnee-Zielsprint die Norweger Andreas Skoglund und Jens Luraas Oftebro, der seine drittes Gold in Italien gewann. Silber ging an Finnland, Bronze an Österreich. Während die anderen feierten, stellten sich die Deutschen die Frage nach der Zukunft – und das gleich doppelt.

Zum einen ist offen, wie die deutschen Männer zu alter Leistungsstärke zurückfinden können – zumal Eric Frenzel keinen Anlass sieht, um Grundsätzliches zu verändern. „Diesmal hat es unsere Besten getroffen, wir werden sie gemeinsam auffangen“, sagte der Bundestrainer, der selbst ein Weltklasse-Athlet war, „der Ausgang dieser Olympischen Spiele tut sehr weh – aber wir werden weiter zusammenhalten. Die Leistungen sind ja nicht weg, wir müssen nichts in Frage stellen.“ Nur gemeinsam hoffen.

Denn im Juni wird das Internationale Olympische Komitee auch noch darüber entscheiden, ob die Kombination olympisch bleibt. Entweder stoßen 2030 in Frankreich die Frauen dazu oder die Männer werden ebenfalls aus dem Programm gestrichen. Die Weisheit vom gemeinsamen Siegen und Verlieren gilt also weiterhin – und schon bald für die gesamte Sportart.