Vorne aufgrund einer unerlaubten Dosis Asthmamittel? Radstar Christopher Froome muss sich rechtfertigen. Foto: AFP

Der Tour-Sieger Christopher Froome wurde positiv auf eine erhöhte Konzentration des Asthmamittels Salbutamol getestet. Null Toleranz bei Doping? Der Fall Froome zeigt, wie wenig ernst das Team Sky dieses Prinzip nimmt – meint Sportredakteur Tobias Schall.Tobias Schall

Stuttgart - Am Sonntag werden Deutschlands Sportler des Jahres gekürt. Marcel Kittel ist einer der Anwärter auf einen vorderen Platz. Der Radprofi gewann fünf Etappen bei der Tour de France und ist mit nun 14 Erfolgen deutscher Rekordsieger. Kittel und Co. war es gelungen, mit ihrem Auftreten und ihren Erfolgen den Radsport hierzulande wieder salonfähig zu machen. Auferstanden aus Ruinen.

Nun liegen wieder Trümmer herum.

Es geht im Fall Froome nicht um Epo. Oder um das Wachstumshormon. Das macht die Geschichte wie auch die Einordnung etwas komplexer. Fakt aber ist: Der Fall ist Wasser auf die Mühlen all jener, die nie an eine große Läuterung der Szene geglaubt haben. Und Fakt ist auch: Froome hat mit seiner Überdosis Salbutamol ganz eindeutig gegen die Regeln verstoßen. Ist seinem angeblich so professionellen Team Sky ein Fehler unterlaufen? Hat Froome nach einem schwachen Tag die Nerven verloren? Oder gibt es am Ende eine ganz andere Erklärung dafür? Das wird sich zeigen.

Fakt ist aber auch: Froome und sein Rennstall, der dominiert wie einst die hochgezüchteten Truppen von Lance Armstrong, haben sich immer als Saubermänner dargestellt. An dem Image gab es schon länger Kratzer. AntiDoping-Behörden ermittelten, allerdings ohne Beweise zu finden. Immer offensichtlicher wird aber, dass Sky mindestens im Graubereich agiert und die propagierte Null-Toleranz-Politik nur ein PR-Gag für die Öffentlichkeit ist. ­Froome und Sky verspielen gerade allen Kredit.

tobias.schall@stzn.de

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