Donald Trumps Verbalentgleisungen „Shit happens“: Trump und die „Dreckslöcher“

Von Markus Brauer 

Donald Trump unterstreicht seine leidenschaftliche Rhetorik gerne mit großen Gesten und Grimassen. Foto: AFP
Donald Trump unterstreicht seine leidenschaftliche Rhetorik gerne mit großen Gesten und Grimassen. Foto: AFP

Donald Trump soll Haiti, El Salvador und afrikanische Staaten als „Shitholes“ – „Dreckslöcher“ – diffamiert haben. Einwanderer von dort will er offenbar nicht im Land haben. Die beleidigende Verbalattacke sorgt für helle Empörung.

Washington/Stuttgart - „Shit happens“ – dumm gelaufen für Donald Trump. Der amerikanische Präsident ist in seiner Wortwahl nicht gerade zimperlich. Jetzt hat er erneut tief in die Sprachkiste gegriffen und eine weitere sprachliche Preziose von sich gelassen. Bei Beratungen hinter verschlossenen Türen soll er einige Herkunftsländer von Einwanderern wie Haiti, El Salvador und afrikanische Länder als „Dreckslöcher“ – „Shitholes“ – bezeichnet haben. Das Peinliche an der Sache: Die beleidigende Äußerung ist über eine undichte Stelle im Weißen Haus an die Öffentlichkeit geraten.

US-Politiker sind entsetzt

Die von der „Washington Post“ kolportierte Äußerung löste heftige Empörung in den USA aus. Die republikanische Kongressabgeordnete Mia Love, Tochter haitianischer Einwanderer, nannte das Zitat in einem Tweet am Donnerstag (Ortszeit) „spaltend“ und einen Schlag gegen die Werte des Landes. Sie forderte Trump auf, sich beim amerikanischen Volk und bei den betroffenen Ländern zu entschuldigen.

— Rep. Mia Love (@RepMiaLove) 11. Januar 2018

Trump und die Kunst der Beleidigung

Das Schauspiel, für das Trump inzwischen berüchtigt ist, nennt sich die Kunst der Malediktion. Malediktologie (von lateinisch „maledicere“: lästern, schmähen, beleidigen) ist die Wissenschaft vom Fluchen und Schimpfen, ein Zweig der Sprachwissenschaft, speziell der Psycholinguistik und Soziallinguistik.

Wenn man sich über jemanden oder etwas ärgert, unterstreicht man dies ausgiebig und inbrünstig mit Hilfe der Sprache. Die Lust am „Male dictus“ – an der beleidigenden, gemeinen und vulgären Rede – ist ein globales Phänomen. Fünf Prozent der Gespräche am Arbeitsplatz und mehr als zehn Prozent der Unterhaltungen in der Freizeit sollen aus Schimpfwörtern bestehen, hat der US-Psychologe Timothy Jay herausgefunden. Wie oft Malediktionen in der internationalen Politik Usus sind, hat er nicht untersucht.

Fluchen und Schimpfen

Trump jedenfalls reitet mit seinen Verbalentgleisungen ganz oben mit auf der Welle der Beleidigungen. Der US-Präsident ist zwar nicht als Linguist bekannt, aber dennoch ist er rhetorisch auf originäre Weise begabt. „Fluchen und Schimpfen gehören zur ‚Conditio humana‘ – zum Menschsein“, erklärt der Schweizer Sprachwissenschaftler und Malediktologe Roland Ries. Schimpfwörter unterliegen genauso wie Kleidung oder Musik wechselnden Moden.

Alles wahr? Scheint so!

Das Weiße Haus in Washington bestritt die Trump zugeschriebenen Äußerungen nicht, was auf die Authentizität des Zitats hindeutet. Der „Washington Post“ zufolge hatte Trump am Donnerstag mit Senatoren über den Schutzstatus bestimmter Einwanderer aus gesprochen. Dabei sei ihm der Kragen geplatzt. Der Präsident habe sich enttäuscht über manche Vorschläge der Anwesenden gezeigt. Er habe gefragt, warum so viele Menschen aus „Dreckslöchern“ in die USA kommen müssten, schrieb die Zeitung.

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