Donald Trump wird bei der Präsidentschaftswahl 2020 in den USA erneut antreten. Foto: AFP

Um bei der Präsidentschaftswahl 2020 wiedergewählt zu werden, rührt US-Präsident Donald Trump schon jetzt kräftig die Werbetrommel. Mit einigen Werbemitteln, die fast schon an „Fake News“ grenzen, hat er sich nun aber blamiert.

Stuttgart - Auf den ersten Blick machen Donald Trumps Werbemittel im Kampf um seine Wiederwahl im Jahr 2020 durchaus Sinn. Auf den zweiten Blick stellt man allerdings fest: Da hat jemand im Kampagnenteam offensichtlich nicht ganz zu Ende gedacht.

So entpuppte sich unlängst eine Videokampagne als Zusammenschnitt von Clips aus einer öffentlich zugänglichen Datenbank. Und eine Umfrage zum Stimmungsbild der Wählerinnen und Wähler schaffe es nicht, einen Standard zu erfüllen, der selbstverständlich sein sollte: Neutralität.

Satire oder reale Umfrage?

Die Umfrage, die mit „Offizielle 2020 Trump gegen die Demokraten Umfrage“ betitelt ist, wurde auf der Website des Präsidenten veröffentlicht. Sie besteht aus zehn Fragen, die alles andere als unvoreingenommen formuliert sind. So wird beispielsweise gefragt: „Wer ist Ihrer Meinung nach besser für Amerika? Präsident Trump oder ein Demokrat mit einem niedrigen IQ?“

In diesem Stil sind alle Fragen formuliert, stets wird der Wähler oder die Wählerin vor die Entscheidung zwischen Präsident Trump oder einem „faulen“, „lügendem“ oder „korrupten“ Demokraten gestellt, um nur ein paar der Antwortmöglichkeiten zu nennen. Obwohl die Umfrage fast schon wie Satire wirkt, ist sie laut der Factchecking-Seite “Snobes“ echt und ging von Trumps offiziellem Komitee zur Wiederwahls aus.

Models für Werbevideos benutzt

Ebenso skurril ist eine Videokampagne, die Trump unter anderem auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat. In kurzen Clips werden Trump-Unterstützende gezeigt, darüber ein Voice-over mit lobenden Worten an den Präsidenten. Beispielsweise sieht man „Thomas aus Washington“, einen bärtigen jungen Mann in einem Café. In zwei weiteren Videoclips werden außerdem „Tracey aus Florida“ und „AJ aus Texas“ porträtiert.

Der amerikanische Journalist Judd Legum fand heraus, dass die gezeigten Personen in Wahrheit Models sind, die Clips eingekauft über die Stock-Seite iStock, eine Tochter der Bildagentur Getty Images. Das Video von „Thomas aus Washington“ findet man dort beispielsweise unter dem Namen „Bärtiger und tätowierter Hipster-Kaffee-Shop-Betreiber posiert“. Der Anbieter des Videos kommt aus der Türkei, scrollt man nach unten, kann man weitere Videos von „Thomas“ kaufen. Mittlerweile sind die kurzen Filme von Trumps Facebook-Seite verschwunden.

Schauspieler trotz riesiger Anhängerschaft

Zwar findet sich in den Videos der Hinweis „Echte Aussage, Darstellung durch Schauspieler“. Doch stellt sich die Frage, warum für Trumps Kampagne, die augenscheinlich authentische Unterstützer zeigen sollte, auf ausländische Models zurückgegriffen wurde. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass der Präsident ganze Hallen mit seinen Unterstützerinnen und Unterstützern füllt und selbst unzählige Male die sogenannten „Fake News“ angeprangert hat.

Die Wahl des neuen US-Präsidenten findet am 3. November 2020 statt. Für die Republikaner gibt es außer Trump bisher nur einen Kandidaten, den früheren Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts, Bill Weld. Die Demokraten haben bisher 25 offizielle Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen geschickt.

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