Fritz Wepper mit seiner Frau, der Kamerafrau Susanne Kellermann Foto: BR/Susanne Kellermann

Die Schauspielerlegende Fritz Wepper wird achtzig. Seine Frau Susanne Kellermann hat ihn ein Jahr lang mit der Kamera begleitet. Es war kein leichtes für ihn.

Stuttgart - Es ist nicht zu übersehen: Der Abschied fällt ihm schwer. Zwanzig Jahre lang verkörperte er das Schlitzohr Wolfgang Wöller, hat Bürger betrogen und Nonnen belogen, hat geschachert, getrickst und allerlei Projekte in den Sand gesetzt – und blieb dabei doch immer der Liebling von mehr als vier Millionen Fernsehzuschauern. „Um Himmels Willen“ war eine der erfolgreichsten Serien im deutschen Fernsehen. Fritz Wepper als Bürgermeister von Kaltenthal war ihr prägendes Gesicht.

 

In den vergangenen Monaten hat Fritz Wepper in Interviews immer wieder verraten, dass er das Aus der Serie nicht leicht nimmt. Nun kann man in einer TV-Dokumentation noch einmal miterleben, wie der Abschied aussah, wie Fritz Wepper sich mit Tränen in den Augen von seinen Kolleginnen und Kollegen und natürlich auch von Janina Hartwig als seiner kongenialen Gegenspielerin Schwester Hanna verabschiedete. „Mein Fritz – Ein persönlicher Blick auf Fritz Wepper“ nennt sich das Porträt von Fritz Wepper im Bayerischen Rundfunk anlässlich seines achtzigsten Geburtstags am 17. August.

Zwischen zwei Frauen

Gedreht wurde der Film von Susanne Kellermann. Sie ist nicht nur Regisseurin und Kamerafrau, sondern auch Weppers Partnerin. In seiner gerade erschienenen Biografie verrät Wepper, dass Kellermann und er kürzlich sogar still und leise geheiratet haben. Die 47-Jährige bleibt in ihrer Dokumentation im Hintergrund. Die gemeinsame Tochter Filippa ist dagegen immer wieder zu sehen und lacht herzhaft, als ihr Vater mit Elmar Wepper Kasperltheater spielt, so wie die beiden Brüder es schon als Kinder getan haben.

Als Filippa 2011 geboren wurde, trennten sich Fritz Wepper und Susanne Kellermann. Er kehrte zu seiner Ehefrau Angela von Morgen zurück, mit der er seit 1979 verheiratet war und ebenfalls eine gemeinsame Tochter hat – Sophie Wepper. Auch sie ist Schauspielerin und hat mit ihrem Vater oft gemeinsam gedreht, unter anderem die Krimireihe „Mord in bester Gesellschaft“.

Wer ihn kennt, wusste, wie es ihm ging

Vor zwei Jahren starb Weppers Frau Angela. Noch heute denke er jeden Tag an sie, schreibt Wepper in seiner Biografie. Die vergangenen Jahre waren nicht leicht für ihn. Auch wenn Susanne Kellermann das Thema in ihrer Dokumentation nicht weiter herausstellt, wird doch deutlich, wie stark Wepper seine Krebserkrankung zusetzte, obwohl er weiterhin drehte. Sie spüre sofort, „wie er drauf ist“, erzählt Michaela Häusler, die all die Jahre Weppers Maskenbildnerin bei „Um Himmels Willen“ war. Gehe es ihm nicht gut, dann „lasse ich ihn einfach“, sagt sie. In guten Zeiten haben sie gern Witze während des Schminkens gemacht. Aber auch wenn Wepper sich inzwischen erholt hat, lässt „Mein Fritz“ doch keinen Zweifel daran, dass er in die letzte Phase seines langen, erfüllten Schauspielerlebens eingetreten ist.

Geboren an einer Bushaltestelle

Er kehrt noch einmal zurück an die Bushaltestelle, an der er 1941 geboren wurde, so dass die „Mutti“ ihren properen Buben im Krankenhaus nur noch vorstellen konnte. Einige Fotos erinnern an die Kindheit mit einem „Vati“, der nicht aus dem Krieg zurückkehrte. Bereits mit zwölf Jahren wirkte Fritz Wepper in seinem ersten Spielfilm mit. 1959 hatte er eine Rolle in Bernhard Wickis „Die Brücke“ über Hitlerjungen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs.

„Der Kommissar“, „Derrick“ und auch „Cabaret“ (1972) mit Liza Minnelli machten ihn weiter bekannt – die Fanpost füllte bald Körbe.Eine extrem erfolgreiche Karriere, von der sich nicht so leicht Abschied nehmen lässt. „Jeder Abschied ist ein kleiner Tod, und dieser ist einer“, sagte Wepper bei der Party nach dem letzten Drehtag in Kloster Kaltenthal. Er hat bereits entschieden, wo er eines Tages beerdigt sein will: im Grab seiner Mutter auf dem Winthirfriedhof in München-Neuhausen. „Ich habe keine Angst vor dem Tod“, sagt Wepper, „ich kann nur hoffen, dass man friedvoll von dieser Erde geht.“

Die Kollegin schätzt ihn

Vor der Kamera schlüpft er in seinen schwarzen Meditationskittel. Schon in den siebziger Jahren lernte Wepper einen Zenmeister kennen und meditiert seither. Eine Seite, die man nicht sofort vermutet hätte an einem, der so überzeugend den raubeinigen Bürgermeister von Kaltenthal gespielt hat.

Fritz Wepper sei warmherzig und extrem kollegial, erzählt Emanuela von Frankenberg, die in „Um Himmels Willen“ die herzensgute Schwester Agnes war. Schauspieler neigen zu Pathos, aber so überzeugend, wie sie es sagt, glaubt man ihr sofort, dass Fritz Wepper wenig mit seiner größten Rolle, dem Wolfgang Wöller, gemein hatte. Im Gegenteil: Fritz Wepper, sagt von Frankenberg, „hat Tausende Seiten, die bezaubernd sind“.

Rückblicke auf ein Schauspielerleben

Sehen
In der Dokumentation „Mein Fritz – Ein persönlicher Blick auf Fritz Wepper“ begleitet Weppers Ehefrau Susanne Kellermann den Schauspieler zu Dreharbeiten und Orten, die in seinem Leben eine wichtige Rolle spielen. Sie läuft am 16. August 2021 um 22 Uhr im BR-Fernsehen.

Lesen
Fritz Wepper hat deutsche Film- und Fernsehgeschichte mitgeschrieben. Mehr als ein halbes Jahrhundert stand er vor der Kamera. Es gibt also viel zu erzählen, was Fritz Wepper nun getan hat in seiner Autobiografie „Ein ewiger Augenblick“ (304 Seiten, Heyne-Verlag, München, 20 Euro). Dabei liefert er auch Klatsch und Tratsch. adr