Muammar al-Gaddafi (re.) und Südafrikas damaliger Präsident Jacob Zuma. Weiß Zuma, wo Gaddafis Milliarden blieben? Foto: Brook Lapping/GBF

Libyens Diktator verschob kurz vor seinem Ende 2011 Geld nach Südafrika. Der spannende Dokumentarfilm „Die Jagd nach Gaddafis Milliarden“ zeigt die gefährlichen Typen, die danach suchen.

Stuttgart - George Darmanovic weiß Bescheid. Er hat das Geld, sagt er, mit eigenen Augen gesehen und kann auch einen Frachtschein vorlegen. Im Jahr 2010, als der Arabische Frühling das Regime von Muammar al-Gaddafi in Libyen heftig ins Wanken brachte, hat ein Flugzeug von dort 12,5 Milliarden Dollar nach Südafrika gebracht. Der Zoll drang darauf, dass dieser Geldkistenstapel bitte schnell aus seinen Lagerhallen abgeholt werde. Darmanovic, damals Agent des südafrikanischen Geheimdienstes, war am Abtransport beteiligt. Er ist damit ein wichtiger Zeuge für den Dokumentarfilm „Die Jagd nach Gaddafis Milliarden“ von Thomas Blom und Misha Wessel, den Arte nun zeigt.

 

Nicht nur Agentenmärchen

Der Diktator Gaddafi, der 42 Jahre lang in Libyen herrschte, war möglicherweise der reichste Mann der Welt. Es gibt viele Gerüchte über die fabulösen Schätze und Geldmengen, die er im Lauf seiner Regentschaft beiseite geschafft haben soll. Die 12,5 Milliarden, die nach Südafrika ausgeflogen wurden, wären demnach nur ein kleiner Teil des Vermögens, das der Ende 2011 von Rebellen liquidierte Diktator angeblich noch an viele Orte im Ausland schaffen konnte. Aber zum südafrikanischen Geld gibt es eben konkrete Spuren. Und Menschen, Gruppen und Regierungen, die sich daranmachen, diesen Spuren zu folgen.

Darmanovic trifft sich mit den Filmemachern, aber nicht in Südafrika, das ist ihm zu gefährlich, sondern in Belgrad, wo seine Familie lebt. Eine erste Begegnung verläuft interessant, Darmanovic verspricht auszupacken. Bevor es dazu kommt, wird er erschossen. Auch die Auftragsmörder, die für diese Tat in Verdacht stehen, werden bald darauf ermordet. Das steht ziemlich am Anfang von „Die Jagd nach Gaddafis Milliarden“, und es zeigt, wie ernst das alles ist. Wie wichtig man ein paar der beleibten älteren Herren nehmen muss, die mit Waffen unter der Jacke vor der Kamera sitzen und leicht so wirken könnten, als erzählten da ein paar Ehemalige Agentenmärchen.

Es geht um viel Finderlohn

Im Kern sind zwei Teams auf der Suche nach dem Geld, eines im Auftrag der libyschen Regierung, eines im Dienst Südafrikas. Aber da gibt es viele Hintergedanken und Spannungen, geht es doch um zehn Prozent Finderlohn, vielleicht auch um die Hoffnung, Gefundenes beiseite schaffen zu können. Jacob Zuma, zur Zeit des Drehs Südafrikas Staatspräsident, steht im Verdacht, das Geld längst unterschlagen zu haben. Tito Maleka dagegen, lange Sicherheitschef des African National Congress (ANC), zuvor Haftgefährte von Nelson Mandela, will das Geld unbedingt finden, um den ANC vom Verdacht der Korruption zu befreien.

Dieser investigative Film kann nie ein ganz klares Bild der Lage schaffen, aber gerade darin liegt seine Stärke. Er zeigt, was für Gestalten, was für Netzwerke, welche Gier und welcher Sumpf manchmal große Politik mitbestimmen.

Ausstrahlung: Arte, Dienstag, 20. April 2021, 21.45 Uhr. Bereits vorab in der Mediathek des Senders abrufbar, bis 18. Juli 2021.