Im Gegensatz zu diesem Snack ist das im Netz verbreitete Video wenig appetitanregend. Foto: dpa

Kontrolleure überprüfen einen Betrieb, um sicherzugehen, dass die Vorwürfe nicht aktuell sind. Sie können Entwarnung geben.

Stuttgart - Ein Dönerimbiss im Norden der Stadt Stuttgart, der seit 2007 regelmäßig überprüft wird, ist dieser Tage erneut in den Fokus der Lebensmittelkontrolleure geraten. Nicht, weil es aktuelle Meldungen über unhygienische Zustände gegeben hätte. Sondern weil ein mehr als fünf Jahre altes Video seit Mittwoch in den sozialen Medien kursiert und an etliche Funk-, Fernseh- und Zeitungsredaktionen geschickt wurde. Zu sehen ist darauf ein Mitarbeiter, der auf einer Arbeitsfläche erst Fleisch schneidet, und dann einen mit Deckel verschlossenen Eimer darauf abstellt. Diesen nimmt er dann in die Hand, um ihn als Behelfstoilette zu verwenden. Danach sieht man, dass er den Eimer auf den Boden stellt und wieder Fleischstücke zerlegt.

Der Film ist bereits mehr als fünf Jahre alt

Den Raum, den das Filmchen zeigt, darf der Imbissbetreiber schon lange nicht mehr zur Fleischverarbeitung nutzen, da es darin kein Handwaschbecken gibt, sagt Jana Braun, Sprecherin der Stadt. „Das haben unsere Lebensmittelkontrolleure schon vor ein paar Jahren verboten.“ Obwohl in dem Video ein Datum aus dem Jahr 2010 eingeblendet ist, sind die Kontrolleure am Mittwoch erneut in den Betrieb gefahren. „Es hätte ja sein können, dass an der Kamera das Datum falsch eingestellt ist und das Video doch aktuell ist“, erläutert die Pressesprecherin Braun. In dem Laden fanden sie jedoch mehrere eindeutige Hinweise darauf, dass es so alt ist, wie es das Datum vermuten lässt. „Der Mann ist gegenüber den Aufnahmen gealtert“, hätten die Kontrolleure festgestellt. Auch sei der Raum nach wie vor nicht in Benutzung. Das Verhalten, in den Eimer uriniert zu haben, habe der Mann mit Blasenschwäche zur Zeit des Videos begründet. Da der dokumentierte Zwischenfall 2010 passiert sei, sei er verjährt und habe keine rechtlichen Konsequenzen für den Betreiber.

Die Kontrolleure haben auf die Verbreitung des Videos reagiert

Das Video verbreitete sich Mitte der Woche rasend schnell. Vor allem unter Stuttgartern mit türkischen Wurzeln sei es über den Kurznachrichtendienst Whats App weitergereicht worden, berichtete ein Leser unserer Zeitung. Die wenigsten achteten beim Betrachten auf dem kleinen Handybildschirm auf das Datum. Stattdessen wurden von allen Seiten die Rufe laut, den Betrieb zu schließen. Der Film ist daher ein Lehrstück mit der Botschaft „Das Internet vergisst nichts“: Immer wieder geschieht es, dass alte Geschichten sich erneut wie ein Lauffeuer verbreiten. So machten im Januar Meldungen über Betrüger die Runde, die sich angeblich als Kontrolleure für Rauchmelder ausgaben. Es hieß sie würden dann in den Wohnungen, so man sie einließe, nach Wertsachen suchen.

Dafür gab es aber aus Sicht der Kontrolleure keinen Anlass. Es habe in dem Betrieb immer mal wieder geringfügige Beanstandungen gegeben, die aber nach Hinweisen der Fachleute beseitigt wurden. Es habe auch für die Kontrollen in den zurückliegenden acht Jahren nie einen konkreten Anlass gegeben. Der Betrieb sei wie andere auch immer wieder routinemäßig untersucht worden, erläutert die Pressesprecherin Jana Braun.

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