Dodokay über Dialekt „Ich finde Schwaben cool, aber nur die coolen“

Von Tom Hörner 

Lässt Obama schwäbisch schwätzen: Comedian Dominik Kuhn Foto: Millicent von Gork
Lässt Obama schwäbisch schwätzen: Comedian Dominik Kuhn Foto: Millicent von Gork

Wir sprachen mit Comedian Dominik „Dodokay“ Kuhn („Die Welt auf Schwäbisch“) über den Erfolg seiner Youtube-Videos und warum er trotz Millionen von Klicks kein Millionär ist.

Wir sprachen mit Comedian Dominik „Dodokay“ Kuhn („Die Welt auf Schwäbisch“) über den Erfolg seiner Youtube-Videos und warum er trotz Millionen von Klicks kein Millionär ist.

Herr Kuhn, werden Sie manchmal auf der Straße erkannt?
Ja, mittlerweile in ganz Baden-Württemberg. Ich bin ganz platt.
Im ersten Artikel, den wir über Sie Anfang 2008 brachten, traten Sie in Verkleidung auf, und wir haben Sie „Jirgn“ genannt.
Es gab wegen der schwäbischen Synchronisation der US-Action-Reihe „24“ Urheberrechtsprobleme. Deshalb wollte ich meinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Inzwischen aber habe ich mich mit Twentieth Century Fox geeinigt – mit dem Ergebnis, dass meine Synchronisationen zwar millionenfach geklickt werden, ich aber kein Geld damit verdiene. Würde der SWR nicht Filme von mir bestellen, könnte ich davon nicht leben.
Ihre Videos gibt es jetzt auf DVD, allerdings fehlen etliche „Tageschau“-Szenen. Weshalb?
Weil die unbezahlbar waren. Die Sache mit den Rechten ist kompliziert, oft ist es so, dass die „Tageschau“ Berichte einkauft und die ARD die Sende- und Onlinerechte nur für kurze Zeit besitzt. Die DVD kostet 21,90 Euro. Ich hätte meinen Fans gern einen besseren Preis gemacht, aber das geht nicht.
Ohne das Videoportal You Tube hätten Sie diese Popularität wohl nie erreicht.
Richtig. Aber das ist auch die Ironie daran. Ich habe mir mit dem Synchronisieren ein Ding rausgesucht, mit dem man zwar berühmt, aber nicht reich werden kann.
In einigen Videos hält der Bundestag eine Vereinssitzung ab. Gab es Reaktionen aus Berlin?
Ja, Anita Rilling (dargestellt von Angela Merkel, Anmerkung der Redaktion) hat angerufen und gefragt, ob ich Ehrenmitglied ­werden will in der Blockflötenabteilung vom SV 49 Leimerstetten.
Was haben Sie geantwortet?
Dass ich nicht mitmache. Weil ich dem Orgelspieler Harry Fauser (Fritz Kuhn, Anmerkung der Redaktion) schon versprochen habe, dass ich in seiner Orgelgruppe mitmache.
Sie waren mal als Werberegisseur tätig. Haben Sie dafür noch Zeit?
Nein, ich lebe im Wesentlichen von den Schwäbisch-Synchros. Aufgrund meiner Prominenz bekomme ich auch andere Jobs angeboten, etwa als Filmregisseur.
Und Sie sind als Schauspieler zu sehen, neulich etwa in „Global Player“ mit Walter Schultheiß, wo Sie einen Autohändler spielten. Der Job schien Ihnen zu liegen.
Klar, ich liege Tag und Nacht unter meiner tarnfarben lackierten M-Klasse und schraube am Lenkgetriebe rum. Nein, ohne Scheiß: Die Schauspielerei ist eher ein Jux.
Immerhin reicht Ihr darstellerisches Talent so weit, dass Sie im März als Dodokay mit einer Live-Show auf die Bühne gehen. Eine Art ­Dia-Abend mit bewegten Bildern?
Von der Stimmung her dürfte es in Richtung zünftiges Vereinsfest gehen. Im Ernst, das Ganze wird eine ­Stand-up-Comedyshow. Ich allein auf der Bühne, vielleicht mit Gästen. Aber natürlich gibt’s auch Projektion mit meinen Filmen. Es wird lustig, schnell, multimedial. Das Programm wird zweimal 50 Minuten dauern. In der Pause kann man sich eine Bluna holen.
Zurück zu Ihren Filmen. Die Hauptfigur in Ihrer „24“-Persiflage ist ein WG-Bewohner namens Jürgen, von Ihnen immer „Jirgn“ ausgesprochen. Hat Ihnen jemals ein Mensch mit dem Vornamen etwas angetan?
Nein. Dr Jirgn war mein erster Geschäftspartner, als ich mich selbstständig gemacht habe. Damals war ich 18. Seine Mutter hat immer mit hoher Stimme „Jirgn“ gerufen, wenn er zum Mittagessen kommen sollte.
Sie sind nicht nur Filmer, Sprecher, Schauspieler, sondern auch Musiker und haben ein Bandprojekt, das 80er-Jahre-Pop spielt. Fürchten Sie nicht, sich zu verzetteln?
Die Band Welcome To The Pleasuredome gibt es seit 2004. Wir spielen klassischen Pop aus den achtziger Jahren nach, das ist aufwendig, weil man dazu eine Riesenband braucht. Die Songs von Frankie Goes to Hollywood oder Tears for Fears sind kompliziert arrangiert. Du kannst die nicht mit Gitarre am Lagerfeuer spielen. Damit das gut klingt, muss man live einen unglaublichen Aufwand treiben. Leider kam die Geschichte ins Stocken, weil ich mit meiner ersten Schwäbisch-Synchro so großen Erfolg hatte. ­Welcome To The Pleasuredome wollte ich nie hauptberuflich machen. Das war nur ein ­toller, größenwahnsinniger Gag.
Offenbar sind Sie ein Typ, der nicht nur schräge Ideen hat, sondern sie auch umsetzt.
Das ist schön, dass Sie das sagen – und ich meine das ohne Ironie. Mein Motto ist: Zu versagen ist nie so schlimm, wie hinterher zu bedauern, dass du es nie probiert hast.
Zurück zu Ihrer „Welt auf Schwäbisch“, wie die Filme in einer SWR-Reihe heißen. Da geht es um die Eigentümerversammlungen einer Hausgemeinschaft oder Ärger in der WG. Arbeiten Sie eigene Erfahrungen auf?
Überhaupt nicht. Ich habe mal in einer WG gewohnt, aber das war eine Zwei-Mann-WG, da gab’s keine Probleme. Den Stoff schnappt man auf, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht. Je populärer meine Filme werden, desto öfter kommt es vor, dass Leute sagen: „Ich finde das super, dass du das mit den Fahrrädern im Hausflur ansprichst. Bei uns ist das auch so.“ Die verstehen gar nicht, dass das Satire ist.
Kann man sagen: Schwäbisch ist für Sie Mittel zum Zweck?
Richtig. Ich bin keine Vorzeigeschwabe, der nur Linsen mit Spätzle isst. Das mit dem Dialekt ist einfach: Wenn ich Darth Vader von „Star Wars“ etwas Schwäbisches in den Mund lege, ist das per se komisch. Ich habe kein schwäbisches Sendungsbewusstsein. Ich bin gern Schwabe. Ich finde Schwaben cool, aber nur die coolen Schwaben.

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