Nachdem der Verbands-Geschäftsführer wegen ausstehender Gehaltszahlungen geklagt hatte, kündigte der neue Präsident Rainer Franke nun an, Thomas Walter voll rehabilitieren zu wollen.
Die Wahl des Ortes war stimmig. Die Hauptversammlung von Tischtennis Baden-Württemberg (TTBW) fand in der Neuen Tonhalle in Villingen-Schwenningen statt, was zur Agenda von Rainer Franke (61) passte. Der Präsidentschaftskandidat hatte im Vorfeld angekündigt, die Kommunikation im Landesverband zu verbessern, künftig wieder auf Teamarbeit und einen antiautoritären Führungsstil zu setzen – kurzum: Er versprach einen neuen Ton in der Führungsetage. Am meisten Beifall erhielt der Leonberger in seiner Bewerbungsrede, als er kundtat, den Rechtsstreit mit Thomas Walter schnellstmöglich beenden und den Geschäftsführer vollständig rehabilitieren zu wollen. Eng wurde es danach trotzdem.
In geheimer Wahl setzte sich Rainer Franke, der den Verband schon einmal von 2013 bis 2023 geführt hatte, mit 99:90 Stimmen gegen Stefanie Bils durch. Es war ein Ergebnis, das für einen der Anwesenden eine besonders große Bedeutung hatte.
Die schleichende Entmachtung von Thomas Walter
Für diesen Donnerstag war am Arbeitsgericht Stuttgart der erste Kammertermin im Fall Thomas Walter vorgesehen. Walter wurde im Jahr 2000 Geschäftsführer des Tischtennis-Verbandes Württemberg-Hohenzollern und machte diesen Job auch nach der Fusion mit dem Südbadischen Tischtennis-Verband (2020) weiter. Er prägte in diesem Vierteljahrhundert seinen Sport, gilt als hervorragender Netzwerker. Und erlebte trotzdem seine schleichende Entmachtung.
Dem mittlerweile verstorbenen Ex-Präsidenten Frank Tartsch, der sich 2023 beim Verbandstag mit 103:89 Stimmen gegen Amtsinhaber Rainer Franke durchgesetzt hatte, und einigen seiner Präsidiumskollegen war nach Recherchen unserer Zeitung der Führungsstil von Walter nicht hart genug. In Gabi Wendel wurde 2023 eine weitere Geschäftsführerin eingestellt und im Januar 2024 zur Hauptgeschäftsführerin mit Personalverantwortung ernannt, Walter somit das Vertrauen entzogen. Was diesem psychisch und physisch an die Substanz ging.
Klage gegen den Arbeitgeber
Thomas Walter wurde von verschiedenen Ärzten immer wieder krankgeschrieben. Der Verband stellte daraufhin die Gehaltszahlungen ein und mahnte seinen Geschäftsführer später auch ab. Dieser wiederum klagte gegen seinen Arbeitgeber. Ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht verpuffte, TTBW-Anwalt Rolf Eissler (Reutlingen) erklärte, bei den Krankmeldungen handle es sich um „Gefälligkeitsatteste“. Ein harter Vorwurf, der am Donnerstag beim Kammertermin erneut zur Sprache gekommen wäre – nun allerdings sieht es nach der großen Wende aus.
Nach seiner Rückkehr ins Amt erklärte TTBW-Chef Franke gegenüber unserer Zeitung, Verbandsanwalt Eissler angewiesen zu haben, alles dafür zu tun, dass die Verhandlung nicht stattfindet. „Das Präsidium ist sich einig, Thomas Walter soweit wie möglich entgegenzukommen. Wie mit ihm umgegangen wurde, war nicht in Ordnung“, sagte Franke, „es dürfen keine Vorwürfe gegen ihn stehen bleiben. Das war einer der Gründe, warum ich angetreten bin.“
Der Attest-Vorwurf soll aus der Welt geschaffen werden
Zur Rehabilitierung gehört laut Franke, dass die ausstehenden dreieinhalb Monatsgehälter, die Walter eingeklagt hat, ausgezahlt werden. Außerdem soll die Abmahnung zurückgenommen und öffentlich bekannt gegeben werden, dass es sich bei den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen nicht um Gefälligkeitsatteste gehandelt hat.„Nichts von dem, was ihm unterstellt wurde, habe ich nachvollziehen können“, sagte Rainer Franke, „Thomas Walter ist das Gesicht des Tischtennis-Sports im Land und darüber hinaus. Für mich steht an erster Stelle, dass er weiterhin für den Verband arbeitet.“
Thomas Walter, derzeit als degradierter Vize-Geschäftsführer ohne Weisungsbefugnis für die Bereiche Sportentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, kann sich das vorstellen – sofern seine Aufgaben und Kompetenzen neu und klar geregelt werden. „Zuletzt gab es mit dem alten Führungsteam keine Kommunikation mehr“, sagte er gegenüber unserer Zeitung, „nun hat sich die Lage verändert. Mit dem neuen Präsidium werden Gespräche stattfinden. Ich muss sehen, ob es passt. Mein Wunsch wäre es, denn ich bin dem Tischtennissport weiterhin mit sehr viel Leidenschaft verbunden.“
Klare Ansage von Rainer Franke
Von dieser Passion, darüber sprach Franke ganz offen, will der Verband in Zukunft wieder profitieren. Zudem kündigte der Präsident an, den Bereich Personal selbst übernehmen zu wollen. Mit der Hauptgeschäftsführerin hat er darüber noch nicht sprechen können – Gabi Wendel meldete sich laut Franke am Tag nach der Inthronisierung des neuen Präsidiums krank, eine schriftliche Anfrage unserer Zeitung blieb unbeantwortet. „Wie die Zusammenarbeit zwischen ihr und Thomas Walter in Zukunft ablaufen wird, muss sich zeigen. Für mich ist nur klar, dass wir Spezialisten wie Thomas Walter und dessen Know-how benötigen“, erklärte Franke, „und klar ist für mich auch, dass ich auf der Geschäftsstelle einen Umgang, wie es ihn zuletzt gab, nicht mehr erleben will.“
Oder anders ausgedrückt: Der Tischtennis-Verband schlägt nach seiner Versammlung in der Villinger Halle neue Töne an.