Bis heute großes Vorbild für Gitarristen: Django Reinhardt Foto: www.mauritius-images.com

„I Got Rhythm – Kunst und Jazz seit 1920“ heißt die aktuelle Sonderausstellung im Kunstmuseum Stuttgart. Untersucht werden die Querverbindungen und Beeinflussungen zwischen Jazz und Kunst. In einer 13-teiligen Serie stellen wir Größen des Jazz vor. Heute: Django Reinhardt (1910–1953).

Stuttgart - Untersucht werden in „I Got Rhythm – Kunst und Jazz seit 1920“ die Querverbindungen und Beeinflussungen zwischen Jazz und Kunst. In einer 13-teiligen Serie stellen wir Größen des Jazz vor. Heute: Django Reinhardt (1910–1953).

 Madame Reinhardt, die ihren Lebensunterhalt mit Korbflechten mehr schlecht als recht verdiente, brachte 1910 einen Jungen auf die Welt, den sie Django nannte. Das heißt in der Sprache der Sinti „Ich erwache“. Nach dem Ersten. Weltkrieg ließen sich die Reinhardts in „La Zone“ nieder, einem Elendsviertel bei Paris. Der kleine Django sammelte Altmetall und Kohle – und er entdeckte die Musik. Django erwachte.

Mit seinem billigen sechssaitigen Banjo spielte er zum Erstaunen gestandener Musiker alles nach, was er hörte. Und zwar besser als sie selbst. Doch seine vielversprechende Karriere als Unterhaltungsmusiker endete abrupt. Durch einen Wohnwagenbrand verkrüppelte ein Bein des frisch verheirateten 18-Jährigen, und seine linke Griffhand war verstümmelt. Ein ­Desaster.

Monatelang übte Django Reinhardt trotz großer Schmerzen nur mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Er entwickelte eine neue Technik, reduzierte Harmonien und löste Arpeggien horizontal statt vertikal auf. Das Wunder gelang. Durch den Geiger Stéphane Grappelli lernte Reinhardt bald darauf den amerikanischen Swing kennen; sie gründeten das Quintett Hot Club de France, das sich zu einer Supergroup des europäischen Jazz entwickeln sollte. Und Django Reinhardt zu einem Jazzmusiker, dem horrende Gagen ­bezahlt wurden.

Reinhardt bewies, dass Jazz auf dem Alten Kontinent eigene Wurzeln hatte

Sein Gypsy-Jazz speiste sich aus mehreren Quellen: Sinti-Musik mit Raga-Wurzeln, französischer Valse Musette und spanischem Flamenco. Mit seinem unfassbaren Gedächtnis konnte er Tausende Melodien spielen, leuchtend und unwiderstehlich swingend. Darunter so schöne Originalkompositionen wie „Minor Swing“, „Nuages“ und das Wiegenlied ­„Tears“. So wie Amerika seinen Louis Armstrong bewunderte, bewies Reinhardt, der auch über Bachs Klavierkonzert D-Moll improvisierte, dass der Jazz auf dem Alten Kontinent eigene Wurzeln hatte.

Es dauerte nicht lange, bis US-Jazzer über den Großen Teich kamen, um mit diesem einflussreichsten aller Gitarristen spielen zu können. Doch am 16. Mai 1953 brach Django Reinhardt in seinem Lieblingscafé in ­Samois-sur- Seine zusammen und starb am selben Tag an den Folgen eines Schlaganfalls im Alter von nur 43 Jahren.

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