DJ Ötzi singt bei Günther Jauch und hat einen an der Mütze Weiße Mütze, mehr nicht

Von Tomo Pavlovic 

DJ Ötzis Markenzeichen ist eine weiße Häkelmütze, mit der er seinen kahlen Kopf und seine politische Unbildung kaschiert.

Stuttgart - In der Welt des Schlagers scheint alles schön. Und um den schönen Schein zu wahren, werden Probleme ignoriert, versteckt oder zum modischen Markenzeichen aufgewertet. Anfang der 70er bekam Heino eine Schilddrüsenüberfunktion diagnostiziert, durch die ein Auge hervortrat. Also trug Heino fortan eine dunkle Brille, die in erheblichem Maße zur kultischen Verehrung des Sängers beigetragen hat. Glatzenbildung gilt ebenfalls als schlageruntauglich, weswegen Heino und andere Stars stets mit Perücken auftraten. Wer kein Haarteil aufkleben mag, kann sich auch eine dekorative Kopfbedeckung zulegen, so wie DJ Ötzi.

Fleischgewordene Hüttengaudi

Gerhard Friedle, so heißt DJ Ötzi bürgerlich, erkennt man an seiner weißen Häkelmütze. Viele imitieren den Star und seinen irgendwie urigen Mode-Spleen. Was nicht wundert, denn Friedle ist einer der erfolgreichsten Musiker im deutschsprachigen Raum. Die Mütze mit dem Rippenlochmuster ist nicht, wie manche glauben, Bestandteil einer Tiroler Volkstracht. Nein, Friedle, die fleischgewordene Hüttengaudi aus St. Johann, hat Komplexe wegen des schütteren Haars. Die ersten „Kappln“ bekam der heute 48-Jährige von seiner Oma geschenkt. So eine Marotte ist putzig, solange der Kontext stimmt. Doch als Friedle letztens in Günther Jauchs Wissenshow im Fernsehen seine alberne Version eines alten italienischen Partisanenliedes feilbot, waren alle genervt. War das Gedöns gar eine politische Provokation? In solcherart politisch unkorrekten Schlagermomenten wirkten Heinos Brillen zynisch, erscheint einem so eine weiße Häkelmütze wie der Verband eines Hirnamputierten.

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