DJ Pash kennt sich aus mit House und Techno. Foto: privat/Ronny Schönebaum

Jochen Lämmle ist 47 Jahre alt und wohnt mit Frau und Kind in Löwenstein. Doch der Backnanger ist auch DJ Jochen Pash, legt Techno und House auf, ist international unterwegs und eine Größe in der Szene. Warum er trotzdem bodenständig geblieben ist.

Dass er als Kind Klavier spielen gelernt hat, war nicht ganz freiwillig. Eigentlich hatte Jochen Lämmle zu der Zeit mehr Lust aufs Fußballspielen und ist lieber zum Training bei der TSG Backnang gegangen, als brav daheim zu sitzen und an dem klassischen Instrument zu üben. Aber da ließ sein Vater nur bedingt mit sich reden. „Er war selbst sehr musikalisch, spielte unter anderem Klavier, Trompete und Ziehharmonika, und wir einigten uns dann auf den Kompromiss, dass ich Fußball spielen darf, aber eben auch Klavier lerne“, sagt Jochen Lämmle.

 

Sein musikalisches Gehör hat den Backnanger weit gebracht

Heute ist der 47-Jährige seinem Vater wohl sehr dankbar, denn sein musikalisches Gehör, dass durchs Klavier spielen gut ausgebildet wurde, hat den gebürtigen Backnanger weit gebracht – denn Jochen Lämmle alias Jochen Pash hat als DJ eine große Karriere hingelegt und war unter anderem schon in Moskau, Ibiza, Dubai, Salzburg und London am Start. „Seit 2000 ist mir eigentlich genau das gelungen, was mir wichtig war, nämlich in vielen namhaften Clubs der Szene zu spielen. Das ist aufregend und toll, war aber auch öfter mal richtig harte Arbeit.“

Seit nunmehr 30 Jahren ist DJ Pash als Discjockey in der nationalen wie internationalen Szene der elektronischen Musik erfolgreich und zählt zu den bekanntesten DJs der Region Stuttgart. Er legt House und Techno auf, unter anderem lässt er verschiedenes wie Ethno und afrikanische sowie lateinamerikanische Melodien mit einfließen. „Ich habe meinen eigenen Stil entwickelt, deep melodisch, treibend und individuell, weg vom Mainstream, mit vielen ,World Music’-Einflüssen“, sagt Lämmle und nimmt einen Schluck Cappuccino.

Ihm geht es um die Reaktion der Leute, darum sie zu erreichen

Mit ähnlichem Outfit wie an diesem Vormittag – schwarzes Shirt und lässige Hose – steht der 47-Jährige mit den vielen Tattoos und der entspannten Art auch am DJ-Pult und dreht an den Turntables. Dabei geht es ihm in erster Linie um die Reaktion der Leute. Heißt: Jochen Lämmle spielt keine vorbereiteten Sets, sondern er entscheidet spontan abhängig von der Stimmung, der Anzahl der Leute und der Gesamtatmosphäre. „Das ist vielleicht so ein bisschen mein Erfolgsrezept, dass ich das schon früh verinnerlicht habe. Vielleicht konnte ich mich deshalb durchsetzen“, sagt Jochen Lämmle. Es gehe einfach nicht nur darum, sein Ding zu spielen, sondern um ein Gespür für die Gegebenheiten und die jeweilige Location.

Wenn der 47-Jährige ruhig und überlegt von seiner Karriere erzählt, von den schillernden Orten, den bekannten Persönlichkeiten und den aufregenden Jahren, dann wirft er mit Namen um sich. Er hat schon mit vielen Stars aufgelegt, geht in den großen Clubs Stuttgarts und Deutschlands ein und aus und ist mit Howard Donald – einem der Jungs von Take That, selbst als DJ aktiv, befreundet. „Howard hat mich zur großen Reunion von Take That in London eingeladen, das waren spannende Einblicke.“

Doch der ganze Zirkus scheint ihn nicht weiter zu beeindrucken

Doch der ganze Zirkus scheint ihn nicht weiter zu beeindrucken. Wenn er nicht gerade auflegt, als Produzent aktiv ist oder im Stuttgarter Büro am PC sitzt, dann lebt der 47-Jährige mit Frau und Sohn zurückgezogen in Löwenstein – weit weg vom Partyvolk und allem, was dazugehört. „In der elektronischen Musikszene sind auch Drogen ein Bestandteil, wie bei vielen anderen Events auch. Ich hab’ da immer die Finger weggelassen. Mittlerweile spiele ich nur noch Auftritte, die mir zu hundert Prozent gefallen und Spaß machen und nehme nicht jede Anfrage an“, sagt Lämmle und man nimmt ihm ab, dass er trotz allem bodenständig geblieben ist und für ihn auch anderes zählt – mit dem Sohn Zeit zu verbringen zum Beispiel, in den Bergen zu entspannen oder anhand der Schallplattensammlung in Erinnerungen an die Anfänge in Backnang zu schwelgen.

Dort, im „Grammophon“, einer Zweigstelle des Traditionsgeschäfts Radio Burgel für Vinyls, CDs und Kassetten, machte er nach der Realschule eine Lehre. „Ich war von Jugend an musikbegeistert. Dort war ich im Paradies und kam auch an neue Musik ran“, sagt Lämmle. Alles war faszinierend – die neue Welt, die sich ihm eröffnete, die entstehende Technoszene. Er wuchs immer mehr rein und saß als Lehrling an der Quelle. Parallel ging auch das Auflegen los, erst privat und 1994 dann – quasi als offizieller Karrierestart – in der Backnanger Diskothek Störung. „Von dort schaffte ich relativ schnell den Sprung in die namhaftesten Clubs im Umkreis. Später folgten Gigs im N-Pir, bei den Housesession Events, im M1, dem Zapata oder dem Heilbronner Club Creme 21, bei denen ich über Jahre Auftritte hatte.“

Gerade durch diese Housesession-Events war Jochen Lämmle in zahlreichen Clubs, bei Events und auf Festivals regional und überregional aktiv und stand an der Seite legendärer DJs der Szene wie Erick Morillo, David Morales, Roger Sanchez, David Guetta oder Fatboy Slim. Es war keine Seltenheit, dass er für solche Auftritte in den frühen Morgenstunden gebucht war – für Jochen Lämmle, der eigentlich gar kein Nachtmensch ist, nicht immer leicht. Denn Vorschlafen gibt es bei dem DJ-Urgestein nicht. Das Netzwerk wurde indes immer größer, die Einladungen immer zahlreicher und alles wollte verwaltet und organisiert werden. „Seit 2006 bin ich als DJ im Münchner Kult-Club Pacha regelmäßig gebucht. Das war schon ein Ritterschlag.“ 2012 startete Pash im Kowalski Club am Stuttgarter Hauptbahnhof, wo er bis heute monatlich aktiv ist. „Das Kowalski war für mich von Anfang an eine Liebeserklärung und ist mein musikalisches Wohnzimmer.“

Dort, umgeben von flirrenden Lichtern und einer tanzenden Menge, kann DJ Pash sein Können zeigen – sein Talent, die Vinylplatten sauber und gekonnt ineinander zu mixen. „Viele Newcomer drücken nur noch auf Knöpfe. Für mich muss es auf den Punkt professionell sein, da fehlt oft die Wertschätzung. Das ist, wenn man es ordentlich macht, ein richtiges Handwerk“, sagt Lämmle, der als Produzent zudem auf eigene Musik blickt, die von internationalen Acts gespielt wird. Als wäre das nicht schon genug, machte Lämmle sich 2010 selbstständig und ist seit 2013 Geschäftsführer der Musikvertriebe Housesession und HS Consulting. „Ich verwalte einige namhafte Labels.“

Näheres unter www.jochenpash.de oder @jochen.pash auf Instagram. Am Freitag, 6. September, ist er beim After-Work des Gewerbevereins Backnang ab 17 Uhr vor dem Fancy. Und jetzt am Samstag legt er von 2 bis 4 Uhr morgens im Kowalski beim 12-Jahr-Jubiläum auf.