Hat sich mit seinem Bruder als DJ längst einen Namen gemacht – Lars Hübner liebt das Auflegen. Foto: privat

Lars Hübner (28) lässt sich von seiner Behinderung nicht bremsen. Mit seinem Bruder Nils begeistert er als DJ-Duo PlusTwo die Massen.

Über kurz oder lang tanzt er mit. Wenn die Leute vor ihm ausgelassen feiern und den Abend genießen, gibt es für Lars Hübner am Mischpult kein Halten mehr. Der 28-Jährige liebt es, wenn er das Publikum glücklich machen kann. Wenn sich alle ausgelassen zu ihren Lieblingshits bewegen und die Songs mitgrölen, dann schaut Lars Hübner seinen Bruder Nils an und die beiden sind zufrieden und wissen, dass sie einen guten Job gemacht haben – als DJ-Duo PlusTwo.

 

Seit 2016 machen die beiden Brüder aus Weissach im Tal gemeinsam Musik. Im September 2019 haben sie ihre Firma angemeldet und sind mit ihrer eigenen Homepage online gegangen. Seitdem kann das Duo Rechnungen schreiben, und man kann die beiden für Firmenevents, Hochzeiten, Weihnachtsfeiern und alle anderen Veranstaltungen, bei denen Musik aufgelegt werden soll, offiziell buchen. „Es hat schnell Kreise gezogen, über den Kreis hinaus. Social Media hilft da, aber am meisten bringt Mund-zu-Mund-Propaganda.“

Die Zwillingsbrüder ziehen ihr Musikprojekt größer auf

Doch auch schon vor der offiziellen Firmengründung waren die Brüder aktiv und dabei so erfolgreich, dass Lars Hübner schnell klar war, dass er das Ganze größer aufziehen musste. „Wir wollten natürlich auch Geld damit verdienen. Aber vor allem wollten wir unser Potenzial entfalten“, erklärt der 28-Jährige und erinnert sich noch gut an die Namensfindung. Nachdem klar war, dass es „PlusTwo“ wird, kreierte er das Logo. „Ich habe zwei Gesichter, die sich überlappen, entworfen“, sagt Lars Hübner und krempelt den Pulli hoch. Dort prangt das Logo als Tattoo – Bruder Nils hat das gleiche.

Wenn Lars sich nach so einem Event in den frühen Morgenstunden müde, erschöpft, aber zufrieden ins Bett legt, dann hat er noch mehr Schmerzen als sonst. „Ich habe 24 Stunden am Tag Beschwerden, aber nach so einem langen Abend bin ich wirklich fix und fertig und brauche eine Pause. Deshalb können wir auch nicht zu viele Aufträge im Monat annehmen. Damit muss ich klarkommen“, erklärt Lars Hübner und grinst. Von seiner Behinderung lässt sich der 28-Jährige nicht ausbremsen. Hat er noch nie getan.

Lars und Nils Hübner aus Weissach im Tal bringen die Tanzfläche bei Veranstaltungen oder Hochzeiten zum Beben. Foto: privat

Außerdem kennt es Lars Hübner auch gar nicht anders. Denn er kam bereits mit dem Handicap auf die Welt – die Zwillinge sind Frühchen und wurden in der 30. Woche geboren. „Es kam zu einem Sauerstoffmangel. Dadurch habe ich eine infantile Cerebralparese erlitten“, erklärt Lars Hübner, bei dem sich die Schädigung am Gehirn durch Probleme in der Motorik zeigt. Doch trotzdem kann er ohne Hilfsmittel laufen, und wenn er mit Bruder Nils hinter dem Mischpult steht, ist alles vergessen. „Ein Defizit kann dich stärker machen“, schreibt Lars Hübner daher auf der Website.

Dort erklärt der 28-Jährige auch, wie das Ganze mit dem Auflegen angefangen hat – nämlich bereits in der Schulzeit. Lars Hübner war aufgrund seiner Beeinträchtigung sieben Jahre auf einem Internat bei Heidelberg. „Meine Eltern wollten, dass ich so normal wie möglich aufwachse, und meldeten mich erst mal in einer Regelschule an. Aber neben den motorischen Problemen bin ich auch langsamer. Schnell war deshalb klar, dass ich nicht mitkomme und woanders hin muss“, sagt der 28-Jährige, der sich das Auflegen selbst beigebracht hat.

Bereits in der Schule beginnt Lars Hübner mit dem Auflegen

Stephen-Hawking-Schule hieß die Einrichtung in Neckargemünd, in der Lars Hübner zur Schule ging und lebte. Und auf dem Gelände eben dieser Einrichtung gab es einen kleinen Club namens Level Four. „Dort war nichts los, weil da einfach keine vernünftige Musik lief. Also fragte ich, ob ich mal auflegen dürfte.“ Und er durfte. Und sorgte, seitdem er 16 Jahre alt war, erst nur am Nachmittag, später auch am Abend dafür, dass der kleine unbeachtete Club plötzlich aus allen Nähten platzte.

„Ich habe schon so viel ausprobiert, Behindertensport gemacht und mich nie unterkriegen lassen. Aber mit dem Auflegen hatte ich plötzlich etwas, in dem ich wirklich richtig gut war“, erklärt Lars Hübner und fügt an, dass er sich zurück in der Heimat erst mal im Bekanntenkreis umgehört habe, ob DJs gefragt sind. Für die ersten Geburtstage, auf denen er auflegen sollte, hat sich der gelernte Logistiker dann eine Anlage ausgeliehen. „Es dauerte nicht lange, da kam mein Zwillingsbruder auf mich zu und meinte, er hätte Bock, auch mal mit aufzulegen. Das hat auch sofort gut funktioniert.“

Nils Hübner, der im Broterwerb als Monteur arbeitet, bereichert das musikalische Repertoire fortan mit Techno und House. „Wenn wir angefragt werden, gibt es ein Vorgespräch, und es können Wünsche geäußert werden. Auch Mottopartys sind drin. Für den Fall, dass es musikalisch gar nicht passt, lehnen wir auch mal ab“, sagt der 28-Jährige, der sich schon wieder auf das Ebersberger Schlossfest freut. „Das war letztes Jahr der Wahnsinn“, sagt Lars Hübner, der, wenn ein Auftrag passt, mit Bruder Nils gerne besonders gekleidet auftaucht. Bei Hochzeiten kommt das DJ-Duo in Schwarz oder Weiß, mischt sich unters Partyvolk und ist nahbar. „Wenn mich jemand auf meine Behinderung anspricht, habe ich auch kein Problem, darüber zu reden.“

Was mit gelegentlichem Auflegen anfing, ist längst zum Großprojekt bei den Brüdern aus Weissach im Tal geworden. Foto: privat

Natürlich nur, wenn er gerade sowieso eine Pause macht, denn während des Auflegens ist Lars Hübner in einer ganz eigenen Welt – trotz Einschränkung. „Ich wurde schon oft operiert. Die Kunst ist nicht, sich unters Messer zu legen, sondern sich danach wieder aufzurappeln.“ Und das gehe mit Musik besonders gut, da würden er und sein Bruder sich auch ganz ohne Worte verstehen. „Bei mir läuft immer Musik, Stille kann ich nicht brauchen. Songs helfen mir auch an schlechten Tagen, deshalb ist der Job als DJ ein Traum.“

Duo DJPlusTwo aus Weissach im Tal

Info
Mehr Informationen über die beiden Brüder gibt es auf ihrer Website unter https://plustwo.net. Zudem zeigen sie ihre Veranstaltungen und was sie dort so machen auf Instagram unter plustwo98.