Ein Parlament der Juristen, Lehrer und Kinderreichen – so lässt sich der neue Landtag in Baden-Württemberg grob beschreiben. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Eine Umfrage unsere Zeitung zeigt, wie vielgestaltig das neue Parlament ist. Überraschend ist unter anderem der hohe Anteil an Kinderreichen und Juristen.

Stuttgart - Der Anteil der Abgeordneten im Landtag mit Migrationshintergrund erhöht sich in der neuen Legislaturperiode um beinahe zehn Prozentpunkte. Das geht aus einer Umfrage unserer Zeitung unter den Parlamentariern hervor. Hatte der Mediendienst Integration für den alten Landtag einen Migrantenanteil von rund fünf Prozent ermittelt, haben nun mindestens 13 Prozent eine Migrationsgeschichte. Außerdem ist das Durchschnittsalter der Abgeordneten von 56,9 auf 49,5 Jahre gefallen und liegt somit knapp unter dem Durchschnittsalter der erwachsenen Bevölkerung im Südwesten.

 

Diversität, also Vielfalt, ist das Stichwort der Stunde. Egal ob es um die Zusammensetzung von Chefetagen, die Oscar-Preisverleihung oder Kandidatenlisten von Parteien geht. Vor diesem Hintergrund wollte unsere Zeitung wissen, wie vielfältig der neue Landtag ist, der am 11. Mai zusammentreten wird, und hat deshalb die 154 frisch gewählten Abgeordneten nach Merkmalen wie Geschlecht, Religion und Beruf gefragt.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich in manchen Bereichen etwas tut – etwa im Bereich Migrationshintergrund und Alter. Nahezu Stagnation herrscht hingegen beim Frauenanteil und der Repräsentation von Muslimen: Der Anteil weiblicher Abgeordneter hat sich lediglich um fünf Prozentpunkte auf 29 Prozent erhöht. Weniger als ein Prozent der Abgeordneten bekennt sich offen zum muslimischen Glauben, in der Landesbevölkerung macht ihr Anteil 7,2 Prozent aus.

80 Prozent der Abgeordneten haben Kinder

Überraschendes zeigt sich bei der Kinderzahl: So haben 80 Prozent der Volksvertreter Nachwuchs, wobei sowohl Männer als auch Frauen mehrheitlich Kinder haben. Mit durchschnittlich knapp zwei Kindern liegen die Parlamentarier deutlich über dem Landesdurchschnitt von 1,7. Betrachtet man die Berufe der Parlamentarier, so zeigt sich, dass jeder vierte Jurist oder Lehrer ist, womit diese Berufsgruppen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung stark überrepräsentiert sind.

Doch muss ein Parlament die Gesellschaft eins zu eins abbilden? „Das ist ein Mythos, den es noch nie gegeben hat“, sagt der Politikwissenschaftler Michael Wehner. Trotzdem müsse man prüfen, ob es Repräsentationslücken gibt. Das sei in Deutschland vor allem Aufgabe der Parteien, die die Kandidaten für die Wahlen stellen.