Es kostet Zeit und somit auch Geld, Schüler betreuen zu können. Foto: dpa

Kinder müssen adäquat betreut werden. Die Stadt Ditzingen hat davon eine andere Vorstellung als das Land, das die Rahmenbedingungen vorgibt. Dafür muss sie tief in die Tasche greifen.

Ditzingen - Zeit ist dem Sprichwort nach Geld. Aber mehr Zeit bedeutet in diesem Fall auch eine bessere Schülerbetreuung. Der Ditzinger Ausschuss für Finanzen, Kultur und Soziales hat deshalb beschlossen, das Personal in der Schülerbetreuung aufzustocken. Er genehmigte dafür zusätzliche Ausgaben in Höhe von jährlich 52 000 Euro. Allein für den Zeitraum von September bis Dezember dieses Jahres bezahlt die Stadt rund 17 400 Euro im Rahmen der Ganztagsschule. Die Räte folgten damit einem Antrag der Verwaltung.

Barbara Schäffler, in der Verwaltung für Kindertagesstätten zuständig, hatte den Vorstoß damit begründet, dass nur so zu jeder Zeit die Aufsichtspflicht gewährleistet werden könne. Kritisch sind an der Theodor-Heuglin-Schule bisher offenbar der Freitagnachmittag und die grundsätzliche Nachmittagsbetreuung von 15 bis 16 Uhr. In dieser Zeit werden zwar mehr als zehn, aber weniger als 20 Kinder betreut, womit nur eine Gruppe gebildet wird. Es hält sich auch keine weitere Betreuungsperson im Schulgebäude auf. „Um die Aufsicht im Außen- und Innenbereich sowie in besonderen Situationen – etwa wenn sich ein Kind oder ein Betreuer verletzt – sicherzustellen, sollte eine weitere Mitarbeiterin eingesetzt werden“, argumentierte die Verwaltung und verwies auf entsprechende Regelungen für eingruppige Tagesstätten.

Während in Heimerdingen eine Betreuerin zur Verfügung steht, muss für die Theodor-Heuglin-Schule nun eine zusätzliche Person gewonnen werden. In Heimerdingen wurden die Unterrichtszeiten so verändert, dass eine Betreuungsstunde am Vormittag wegfällt und auf den Nachmittag verlegt werden kann.

Personal fehlt auch in der Organisation

Darüber hinaus fehlt Personal für die Organisation der Ganztagsschule. Auch für diese organisatorischen Tätigkeiten genehmigten die Räte zusätzliche Stunden.

Die Schwierigkeiten ergeben sich aus der Definition der Zeit zwischen Vormittags- und Nachmittagsunterricht. Laut dem Land muss das Personal in dieser Zeit nur Aufsicht übernehmen, nicht aber die Kinder betreuen oder Angebote gestalten. Für Aufsicht und Betreuung innerhalb der Ganztagsschule ist die Schule verantwortlich. Sie erhält dafür vom Land ein Budget und zusätzliche Lehrerwochenstunden. Die Berechnungsgrundlage für die zusätzlichen Wochenstunden ergibt sich aus der Zahl der Schüler, die das Angebot wahrnehmen. Dabei ist eine Person für 25 Kinder zuständig. Für die Zeit während des Mittagessens ist der Schulträger, also die Stadt zuständig. Das Land geht davon aus, dass eine Person dann für 80 Kinder verantwortlich ist. Die Ditzinger wenden allerdings analog zur Betreuung im Rahmen der Ganztagsschule die Regelung an, dass ein Erwachsener 25 Kinder beaufsichtigt.

Vergleich mit anderen Kommunen nicht möglich

Zudem bieten die Ditzinger darüber hinaus eine – allerdings gebührenpflichtige – Betreuung an: am Freitagnachmittag und eine erweiterte Betreuung am Vormittag bis 14 Uhr, beziehungsweise 13.15 Uhr in Heimerdingen. Zudem werden die Kinder der Theodor-Heuglin-Schule am Nachmittag nach dem Unterricht bis 16.30 Uhr betreut. So hat es der Gemeinderat beschlossen, so setzt es die Kommune um.

Einen Vergleich mit anderen Städten und Gemeinden scheut Barbara Schäffler. Es gebe noch keine vergleichbaren verlässlichen Erfahrungswerte, erklärte sie den Stadträten. Einerseits sei mit der Umsetzung der Landesverordnung in vielen Orten erst begonnen worden. Und viele Kommunen betreiben oder betrieben in der Vergangenheit Horte. Und für diese seien andere personelle und räumliche Rahmenbedingungen vorgeschrieben.

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