Auch die warme Abluft aus ein Auto könnte genutzt werden. Foto: dpa

Der Ditzinger Wissenschaftler Wolfgang Ruck befasst sich mit der saisonalen Wärmespeicherung. Der Chemieprofessor ist nominiert für den Bundespreis Ecodesign in der Kategorie Konzepte.

Ditzingen - Wolfgang Ruck ist für einen Preis nominiert. Erhielte er tatsächlich den Bundespreis Ecodesign in der Kategorie Konzepte, würde er sich darauf gewiss nicht ausruhen. Die Menschen würden deshalb ja nicht plötzlich umdenken. Ruck, der emeritierte Chemieprofessor würde also weiter für seine Idee werben, Sonnenwärme oder auch Abwärme nicht ungenutzt zu lassen, stattdessen zu speichern und gar über hunderte Kilometer zu transportieren. Mit seinem Konzept der thermischen Batterie sind er und das Steinbeis-Transferzentrum für den Preis nominiert.

Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt loben den Bundespreis Ecodesign seit 2012 jährlich aus, stets in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Designzentrum Berlin. Der Preis richtet sich an Unternehmen aller Branchen und Größen, Start-ups oder Marktführer, lokale Anbieter oder Konzerne.

So ein Konzept gibt es bisher nicht

„Es gibt bisher kein Konzept, um Abwärme zu speichern“, beschreibt Ruck den Status Quo. Warme Luft aus einem Auspuff verliere sich im Nichts, ebenso die Wärme von einem Presslufthammer oder einer Kühlschrankkühlung. Wie wäre es also, all diese Wärme dezentral einzusammeln und saisonal zu speichern? So könnte man sie verwenden, wenn sie benötigt wird.

„Wir haben ein triviales Problem: Im Sommer ist es zu warm und im Winter zu kalt“, formuliert Ruck die Ausgangsüberlegung. Er hat ein Verfahren entwickelt, das im weitesten Sinn der Natur abgeschaut ist. Das bedeutet: Energie geht nicht verloren, sondern bleibt im Kreislauf erhalten. Der Chemiker verwendet dafür ungelöschten Kalk, der mit einer starken Wärmeentwicklung reagiert, wenn er mit Wasser in Berührung kommt.

Die Reaktion ist umkehrbar. Wird die thermische Batterie, der Speicher, aufgeladen, wird also Wärme zugeführt, tritt Wasser als Dampf wieder aus. So einfach das Prinzip grundsätzlich ist, so einfach ist das System der Speicherung. Denn anders als bei einer Thermoskanne, in der die Temperatur nach einer gewissen Zeit trotz Isolation sinkt, muss der Speicher nicht isoliert werden. Das Speichermedium, also der ungelöschte Kalk, muss lediglich trocken gehalten werden. Doch dies, so sagt der emeritierte Universitätsprofessor, sei kein Problem. Verfahren gebe es bereits, sagt Ruck mit Verweis auf die Verfahren, Mehl und Getreide zu lagern.

Idee muss auch wirtschaftlich sein

Weil eine Idee nur angenommen wird, wenn sie auch wirtschaftlich umsetzbar ist, muss Ruck, der an der Leuphana Universität Lüneburg lehrte, auch auf die Kosten schauen. Doch der Speicher, der ungelöschte Kalk, ist bezahlbar. Und warum sollte man im Winter nur Heizöl liefern können? Könnte man im Winter nicht einfach Wärmespeicher bringen? Ein Modul, 1,80 Meter hoch, 70 Zentimeter breit, speichert 60 bis 80 Kilowattstunden. Wird diesem Wärme entzogen, wird der Speicher also genutzt, muss Wasser beigemengt werden. Wie viel Wärme abgegeben wird, wird über die zugefügte Wassermenge dosiert.

Ruck geht mit seiner Idee nicht hausieren, aber er wirbt für sie – so wie er in der Stadt für manches wirbt, von dem er überzeugt ist. In der Kinderspielstadt Ditziput bringt er Kinder mit Naturwissenschaft in Berührung, die Stadt Ditzingen hat er mit zur Fairtrade-Stadt gemacht. Die Auszeichnung wurde der Stadt vor Kurzem übergeben. Er wirbt dafür, bekannte Wege zu verlassen, auch wenn sie bequem und von wirtschaftlichen Interessen geebnet sind. „Wir könnten viele Dinge tun, wenn wir sie denken würden.“ Dass man umdenken muss, davon ist er überzeugt: Mehr als Hälfte des gesamten Energiebedarfs wird in Deutschland für Wärme aufgewendet.

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