Rennen, joggen, walken, spazieren: Am 26. April ist in der Glemsaue in Ditzingen der Einsatz von Jung und Alt gefragt. Der Erlös des Lebenslaufs kommt Menschen mit Mukoviszidose zugute.
Es ist April, und seit 28 Jahren ist jeden April: der Ditzinger Lebenslauf. Es ist der bundesweit größte Spendenlauf zugunsten von Menschen mit Mukoviszidose, einer seltenen, nicht heilbaren Stoffwechselkrankheit. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. „Die zwei Wochen vorher sind immer spannend“, sagt Jana Maierhofer, die Projektleiterin der Regionalgruppe Ludwigsburg-Heilbronn des Vereins Mukoviszidose: Hier würden Baustellen auffallen, da stehe plötzlich eine Tischtennisplatte – wo sich am 26. April in der Glemsaue wieder Tausende Menschen treffen. „Wir sind und bleiben flexibel“, sagt Jana Maierhofer.
Dagegen bleibt rund um den Lebenslauf alles gleich. Lediglich spielen am Sonntag zwei neue Bands. Wer beim Präsenzlauf mit definierter Strecke rund um das Ditzinger Schulzentrum in der Glemsaue nicht dabei sein kann oder will, kann trotzdem rennen, joggen, walken oder spazieren, sogar am anderen Ende der Welt: Denn die Benefizveranstaltung findet nach wie vor in hybrider Form statt. Von diesem Freitag an ist die interaktive Teilnahme möglich. Egal wie, egal wo: Die Teilnehmenden suchen sich einen Sponsor, der für jeden gelaufenen Kilometer einen Festbetrag an den Mukoviszidose-Verein überweist – und los geht’s.
Familienfestcharakter im Fokus: Ditzinger Lebenslauf bleibt in der Glemsaue
Voriges Jahr kamen 173 000 Euro an Spenden zusammen. 3659 Teilnehmende haben insgesamt 73 240 Kilometer erreicht, davon waren mehr als 3000 Personen (auch) beim Präsenzlauf dabei. „Wir sind mit der Streckenführung limitiert“, stellt das Orgateam um Jana Maierhofer regelmäßig fest. Weil das Ziel der Läuferinnen und Läufer – hier sind vor allem die Kindergruppen im Blick – der Festplatz sein soll, sei es aber schwierig, die Laufstrecke nach außerhalb der Glemsaue zu verlegen.
Beim Lebenslauf, betont Jana Maierhofer, stünden der Charakter als Familienfest und das Miteinander im Vordergrund. „Veränderungen müssen wohlüberlegt sein.“ Gleichwohl seien überfüllte Wege ungut: Manche Teilnehmende wollen viel und/oder schnell Strecke zurücklegen.
Trotz der schwierigen Zeiten mit allerorten steigenden Preisen ist Jana Maierhofer zuversichtlich, dass die Menschen erneut spendenbereit sind, zumal keine hohen Summen pro Person nötig sind. „Es spendet jeder nur ein bisschen etwas.“ Das sei schon der Gedanke des Initiators des Lebenslaufs, Manfred Schröder, gewesen, der im November 2019 überraschend gestorben ist. „Wir sehen positiv auf dieses Jahr“, sagt Jana Maierhofer – auch deshalb, weil es einen neuen Großsponsor gibt.
Unternehmen unterstützen Ditzinger Lebenslauf großzügig
Neben dem Rüstungskonzern Thales sitzt nun auch der Technologiekonzern Hitachi als Veranstaltungspartner mit im Boot. Beide Unternehmen würden bereits vor dem Lauf Geld spenden und obendrein zwei große Läufergruppen stellen. „Das ist Gold wert“, sagt Jana Maierhofer. Es sei ein Glück, „dass wir bei den Mitarbeitern von Unternehmen so etabliert sind“.
Ohnehin ist die Liste der helfenden Unternehmen traditionell lang. Hinsichtlich der Verpflegung etwa: Maultaschen und Gnocchipfanne gibt es vom Hersteller Bürger, Würste von der Metzgerei Leutz, Brötchen von der Bäckerei Montagnese. Der Caterer Aramark spendiert Kartoffelsalat, die Hausbrauerei Wichtel Bier. Dachtler’s Getränkeparadies und Teinacher sorgen für Getränke, und Perma-Trade stellt den Trinkbrunnen. „Wir haben eine große Verantwortung“, sagt Jana Maierhofer angesichts der Dimension des Ditzinger Lebenslaufs über die Notwendigkeit, hohe Spendengelder zu sammeln.
Diese kommen verschiedenen Projekte zugute: Finanziert werden Arztstellen am Klinikum Stuttgart und am Robert-Bosch-Krankenhaus. Geld fließt auch in Unterstützungsfonds, dank denen zum Beispiel Hilfsmittel gekauft werden, die sich Patienten nicht leisten können. Investiert wird in die Physiotherapie, die psychologische Betreuung und die Rehaklinik Tannheim. Auch die Forschung profitiert. „Ein richtiges Medikament bietet wahnsinnige Möglichkeiten“, sagt Jana Maierhofer. So wurde im Jahr 2020 ein neues, vielversprechendes Medikament genehmigt, das für mehr als vier Fünftel der Patienten wirksam sein soll.
Ehrenamtliche Power: mehr als 200 Helfer beim Ditzinger Lebenslauf
Mehr als 200 helfende Hände sind am 26. April im Einsatz, eingeteilt in mehr als 350 Schichten beziehungsweise Positionen. Manche Ehrenamtliche sind schon von Anfang an dabei. Andere, auch ganz junge, sind neu hinzugekommen oder in andere Aufgabenbereiche gewechselt.
Spontane Läufer sind beim Präsenzlauf in der Glemsaue willkommen. Gleichwohl hoffen die Veranstalter auf möglichst viele Anmeldungen gerade großer Laufgruppen vorab – der Planung wegen.
Interaktive Läufer in Ditzingen müssen dieses Jahr auf die stadtweiten Checkpoints in Form eines Banners verzichten. Sie konnten bislang angelaufen werden, um sich davor zu fotografieren. Damit war eine Art Sammeljagd möglich. Aufgestellt hatte der Bauhof die Banner; aufgrund der angespannten Haushaltssituation der Stadt gehen die Veranstalter diesmal ohne ins Rennen.
Die Mukoviszidose und der Lebenslauf
Krankheit
Mukoviszidose, auch Zystische Fibrose (CF) genannt, ist eine unheilbare und vererbbare Stoffwechselerkrankung. Dabei werden lebenswichtige Organe wie Lunge und Darm durch zähen Schleim verstopft. Patienten müssen durch tägliche Therapie das Sekret entfernen. Ihre Lebenserwartung ist stark verkürzt. Ursache der Mukoviszidose ist eine Genveränderung, weshalb sie nicht geheilt werden kann. Entscheidend für die Lebensdauer ist ein früher Therapiebeginn.
Hilfen
In Deutschland leben bis zu 8000 Patienten mit Mukoviszidose, sie gehört deshalb zu den seltenen Erkrankungen. Chronisch kranken Menschen ist nicht nur durch medizinische Forschung, etwa die Entwicklung neuer Medikamente, geholfen. Im Alltag mangelt es auch an der Finanzierung der Hilfen, etwa spezialisierter Physiotherapeuten. Mit dem Ditzinger Lebenslauf werden Spenden generiert, mit denen einzelne Projekte gefördert werden.
Laufen
Weitere Informationen zum Ditzinger Lebenslauf, der am 26. April in Präsenz in der Glemsaue stattfindet, die Möglichkeit zur Anmeldung und das Programm gibt es im Internet auf: www.ditzinger-lebenslauf.de.