Das Gebäude ist eingerüstet und derzeit winterfest gemacht. Im Frühjahr wird weitergearbeitet.Der Pfarrer der Kirchengemeinde in leerer Dienstwohnung: Matthias Hanßmann musste wegen der Sanierung mit seiner Familie aus- und innerhalb des Ortes umziehen. Foto: factum/Granville

Die Sanierungskosten des evangelischen Pfarrhauses stiegen von wenigen tausend Euro auf eine halbe Million. Die Schöckinger wollen das Gebäude aber behalten.

Ditzingen - Soll die bürgerliche Gemeinde der Kirchengemeinde einen Zuschuss für die Sanierung des Pfarrhauses gewähren? Ja sagen der Oberbürgermeister Michael Makurath und die große Mehrheit des Gemeinderats. Nein sagt einzig Dieter Schnabel (UB). Letztendlich gewährt der Gemeinderat 20 000 Euro, um die Kirche bei der Sanierung des ortsbildprägenden Gebäudes zu unterstützen.

Der Gemeinderat machte seine Zusage bereits im Dezember und sendete damit auch das Signal, dass die Kommune ein Interesse daran hat, das Kulturdenkmal weiterhin in Kirchenbesitz zu wissen, und nicht etwa in der Hand eines Investors. Vor wenigen Tagen traf der Kirchengemeinderat die endgültige Entscheidung. „Wir verkaufen das Haus nicht. Wir sanieren es“, gibt der Pfarrer Matthias Hanßmann das Votum des Gremiums wieder.

Eigenanteil wird wohl größer

Mit rund einer halben Million Euro wird die Sanierung des Gebäudes zu Buche schlagen – nach jetzigem Stand. Einen Teil davon müssen die Schöckinger selbst aufbringen, den Differenzbetrag tragen die Landeskirche und der Kirchenbezirk. Der Schöckinger Eigenanteil liegt aktuell bei rund 200 000 Euro. Der Kirchenpfleger Klemens Komischke ist aber skeptisch, denn noch sind die Arbeiten nicht beendet. „Er geht Richtung 300 000 Euro“, ist er sich sicher.

Dabei verbucht die 840 Mitglieder zählende Kirchengemeinde jedes Jahr gerade einmal Einnahmen von gut 80 000 Euro. Selbst wenn sie nun auf Rücklagen zurückgreifen kann, ist die Deckungslücke groß für die kleine Gemeinde. Groß ist allerdings die Unterstützung der Bürger. Inzwischen seien 78 Spenden über insgesamt 78 000 Euro eingegangen. „Es gibt derzeit zwei Themen in Schöckingen: das Pfarrhaus und Flüchtlinge“, sagt Hanßmann. Wie es nun weitergeht, mittels welcher Aktionen die Kirchengemeinde zu Geld kommt, soll nun debattiert werden.

„Gebäude wurde totsaniert“

Dabei hatte das jetzt anstehende Großprojekt zunächst ganz klein angefangen. Die Kirchengemeinde hatte gerade die Bauarbeiten am Turm der Mauritiuskirche abgeschlossen, und das Gemeindehaus sollte irgendwann eine neue Küche bekommen. Da schmerzten die geplanten Ausgaben von 3000 Euro für kleinere, jedoch notwendige Ausbesserungen zwar. Aber sie schienen überschaubar.

Als die Arbeiten im März des vergangenen Jahres begannen, stellte sich jedoch nach und nach heraus, dass die Schäden am Gebäude weitaus größer sind als auf den ersten Blick ersichtlich. Zur Außenrenovierung kam eine Innensanierung. Denn „das Gebäude wurde totsaniert“, sagen Hanßmann und der Kirchenpfleger Klemens Komischke heute unisono. Die Schäden sind gar so gravierend, dass das Gebäude einsturzgefährdet war. Inzwischen ist es statisch abgesichert. Doch Hanßmann und seine Familie mussten aus dem Fachwerkhaus aussziehen. Einige Straßen weiter sei der Gemeinde dafür eine Wohnung angeboten worden, sagt die Kirchengemeinderatsvorsitzende Sabine Gommel.

So sehr sich auch Hanßmann, der seit 2010 in Schöckingen wirkt, über das Angebot freute, wird er doch zufrieden sein, wenn er wohl im Sommer wieder zurückkehrt in das Pfarrhaus. Denn für seine Gemeinde sei dies wichtig, sagt Hanßmann. In der Gemeinde existiere noch das traditionelle Bild vom Pfarrer „Er ist eine Ansprechperson, die mitlebt.“

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